Rull de Waak

Das Goldene Zeitalter

Diese Bezeichnung ist wohl gerechtfertigt! Erstens ist es die Zeit in welcher Luxemburgs bedeutendsten Ingenieure aus der RWTH hervorgehen. Zum anderen ist es eine Periode stetigen Wachstums von Industrie und Hochschule, ständig steigenden Lebensstandards und Ansehens. Am Ende dieser Periode werden die Luxemburger ihre größte je erreichte Bedeutung für die RWTH haben.

Die Gründung des AV d’Letzeburger

Wie im Falle der Orano-Luciliburgia fehlen, zur Gründung des AVL eigene Dokumente. So greifen wir auf fremde Quellen, die erhaltenen Fotos, Satzungen (1897 und 1915) und das Bierkomment (1909) zurück. Am genauesten ist das Datum bei Max Eckert angegeben:

Seit Oktober 1897 besteht der ‘Akademische Verein d’Letzeburger’

Neben der Umwandlung des VChH ist noch die Gründung des luxemburgischen Ingenieurvereins “Association des Ingénieurs Luxembourgeois” (ALI) am 27. März 1897, ein Ereignis das die Gründung, zumindest aber die Entwicklung des AVL beeinflußt haben dürfte da auch sie im Zusammenhang mit dem Streben der Ingenieure nach gesellschaftlicher Anerkennung steht. Die ALI lobte damals mehrfach diesbezügliche Initiativen des deutschen Kaisers wie die Auszeichnung und sogar Adelung von Ingenieuren, und empfahl sie luxemburgischen Stellen als Vorbild.
Wer den AVL stiftete bleibt aus o.g. Gründen im Unklaren, nachweislich zu dem Zeitpunkt an der RWTH eingeschrieben waren:

Name, Vorname Status Erstsemester Mitglied des VChH
Emil BADU Hörer
Constant BEAUCOLIN Hörer
Hubert BODSON Student X
Camille CITO Student X
Louis FEYDEN Student
Victor FUNCK Student X
Leo HEMMER Student X
Tony LEFORT Student X
Eduard LIESCH Student X
Auguste MICHAELIS Student X
François PAQUET Student X
Franz RATERS Student X
Jean-Pierre REDING Student
Henri ROUSSEAU Student X
Pierre SCHRADER Student X
Romain SCHROEDER Student X
Jean WEIWERS Student X

Edit 7. September 2020: Diese Liste entsprach unserem Kenntnistand von 1997, die Namen beruhten grösstenteils alle auf der “Liste Roth” von 1937, welche nur das Jahr der Erlangung des Diploms enthielt, nicht aber eine Information darüber, wann das Studium aufgenommen wurde. Das hatten, unter der Annahme dass die durchschnittliche Studiendauer 5 Jahre betrug zurückgerechnet. Mittlerweile haben wir aber andere Quellen erschlossen, und können beispielsweise Emil BADU (der war 1896 nach Karlsruhe gewechselt) und Romain Schroeder (der schrieb sich erst 1899 ein) als Gründungsmitglieder ausschliessen.
Für den interessierten Leser haben wir eine den Gründungsmitliedern gewidmete Seite eingerichtet, wo wir ihn über die neuesten Erkenntnisse auf dem laufendem halten wollen.

Der Name des neuen Vereines klang damals schon etwas hölzern, da er aus zwei Teilen besteht und auf deutsch und luxemburgisch zugleich formuliert ist. In den 1890er setzten allerdings nicht nur die Luxemburger, sondern fast alle Aachener Studentenvereine bei der Gründung oder Umbenennung das Konstrukt “Akademischer Verein”, vor den eigentlichen Namen. (Z.B. “akademischer Verein Schlägel und Eisen”, “akademischer Verein der Chemiker und Hüttenleute”). Auch daraus geht das Verlangen nach Anerkennung klar hervor. Die Verwendung von “Letzeburger”, statt etwa “Luxemburgensia” ist hingegen ein deutliches Bekenntnis zur Heimat.

Ziel und Zweck des Vereines geben die ersten Artikel der, vermutlich schon 1897 spätestens aber 1909 gültigen ersten Satzungen wieder. Ein Auszug:

§ 1.

Der akademische Verein “d’Letzeburger” hat den Zweck, den freundschaftlichen Verkehr zwischen den an der Aachener Kgl. Techn. Hochschule studierenden Luxemburgern zu heben und zu befestigen, ihre neu angekommenen Freunde aus dem Vaterland ins akademische Studium einzuführen, sie während der Studienzeit durch liebevolles Entgegenkommen zu unterstützen, sowie ihnen auch nach vollendetem Studium im späteren Leben nötigenfalls mit Rat und Tat zur Seite zu stehen.

§ 2.

Zur Erreichung dieses doppelten Zieles dienen allgem. Offizielle Vereinsveranstaltungen:
Wissenschaftliche Exkursionen und Vorträge;
Vereinsconvente, Kneipabende und Sonntagsfrühschoppen

Der AVL ist der Form nach eine deutsche Studentenverbindung:

  • Unterscheidung zwischen Burschen und Füchsen
  • Lebensbundprinzip durch den Verband ehemaliger Mitglieder sog. “Alter Herren” (AHAH) (von Anfang an)
  • Die Übernahme der Umgangsformen und Trinkgewohnheiten wie sie das Bierkomment vorsieht. Es kommen auch Einflüsse durch die “Letzeburger zu Léiwen” (LL) hinzu. Hierbei handelt es sich praktisch um einen Reimport: die LL hatten die Regeln des Leipziger Bierkommentes übernommen. Auch das Liedgut ist, von den patriotischen Stücken abgesehen, aus dem “allgemeinen deutschen Kommersbuch”.

Diese Satzungen werden 1915 ergänzt. Jetzt besteht der AVL in § 3 sogar ausdrücklich darauf eine Korporation zu sein und definiert Wahlspruch, Bierzirkel und Wappen.

Leider bietet diese Schrift nicht ausreichend Platz um dem Luxemburger Leser diese aufgegebenen Traditionen zu erläutern. Sie können aber in Bibliotheken nachgelesen und bei den vielfältigen Verbindungen die in Aachen existieren, vor Ort studiert werden. Die Erkenntnis daß der AVL eine Verbindung war, wird manchen unserer Leser erschrecken, gelten diese heute doch als Hort rechter Gesinnung. Das Bild der Verbindungen ist bei vielen Luxemburger Studenten durch Heinrich Mann’s Roman “der Untertan” geprägt. Neben dem Hinweis, daß dies ein Zerrbild ist, seien dem Leser aber zur Beruhigung noch einige prägnante Unterschiede mit auf den Weg gegeben:

  1. der AVL brauchte keine Mitglieder “zu keilen”, da das “Landsmannschaftsprinzip” ihm diese von alleine zutrieb.
  2. Zudem mußte der Verein für alle Luxemburger offen sein, Religion oder Gesinnung spielten also keine Rolle. § 2 (1915)
  3. der AVL war nie schlagend. § 2 erlaubte allerdings dem Mitglied “Satisfaktion zu geben” wenn ihm danach gelüstete.
  4. Der Wahlspruch “Rull de Waak” 1 verrät eine ganz andere Lebenseinstellung als beispielsweise die viel harmloseren: “Einer für alle, alle für einen” (Montania) “Ernst mit Lust gepaart, heißt bei uns Studentenart” (Delta) und natürlich eine ganz andere als “Treu, deutsch und frei” (Pomerania 1920)

Die Entwicklung des Vereines

Die Zahl der Luxemburger in Aachen korreliert sehr eng mit den Wirtschaftsdaten, und mit der Gesamtanzahl der Studenten. Warum die Gründung ausgerechnet 1897 erfolgte wird besonders deutlich, wenn man die Zahl der Neueinschreibungen betrachtet. Diese springt 1897 von zuvor 1 bis 3, auf 6. Schon in den ersten Jahren nach der Gründung werden bei der Gesamtzahl erstaunlich hohe Werte um 40 erzielt. Es folgt ein Einbruch nach 1902. Ursache könnten restriktivere Aufnahmebestimmungen sein. Erst das “Programm der KTH zu Aachen für das Studienjahr 1910/11″ (HSA) gibt verbindlich Auskunft über diese: ” Aufnahmebedingungen lt. Königl. Erlaß vom 5. Juli 1905. (…) Vom Herrn Unterrichtsminster sind bisher folgende Zeugnisse außerdeutscher Lehranstalten anerkannt worden: (…) 4.) die Reifezeugnisse der luxemburgischen Gymnasien in Luxemburg, Diekirch und Echternach und die Fähigkeitszeugnisse von Abiturienten der Industrie-Abteilung der Industrie- und Handelsschulen in Luxemburg und Esch a. d. Alzette”.

So befindet sich zwischen 1901 und 1905 nur ein einziger ehemaliger Schüler der Industrie- und Handelsschule Luxemburg unter den Neueinschriebern. In den anderen Jahren schreibt sich oft mehr als die Hälfte von deren Abiturienten an der RWTH ein.2


In der zweiten Dekade explodiert die Zahl förmlich. Grund hierfür ist u.a. die bessere Organisation der Luxemburger Studenten. In der Heimat bestehen seit 1910 der katholische “Akademikerverein” (AV) und ab 1912 der politisch links orientierte Verein “Association generale des étudiants luxembourgeois”(Abk.: AGEL, es wurde aber stets nur ASSOSS verwendet! Letzterem gehört Emil Mayrisch als Ehrenmitglied an. Für viele Ingenieurstudenten ein Grund beizutreten. Auch dem AVL werden nun Protektion Suchende zuströmen, welche, genauso wie viele “Alte Herren”, den Passus “im späteren Leben mit Rat und Tat zur Seite stehen” durchaus wörtlich nehmen.

Weitere Informationen über die Entwicklung liefern zwei Fotos aus den Jahren 1903 bzw. SS 1911. Es sind die einzigen überlieferten. [Nachtrag 11.6.2008. Dies ist inzwischen nicht mehr richtig, es konnten inzwischen weitere Fotos ausgewertet werden.]

Auf dem Foto von 1903 sind 10 Personen abgebildet. Es gehörte Erneste de Muyser3 welcher es sorgfältig beschriftete so daß wir wissen wer die Leute sind: Zunächst einmal sagt uns das Bild daß wohl nicht jeder Luxemburger Mitglied des AVL war, zumindest nicht mit aufs Foto wollte: 40 Luxemburger (darunter 12 Diplomanden) waren damals eingeschrieben. Es fehlen u.a. die späteren Professoren an der RWTH Paul OBERHOFFER und Paul GOERENS. Letzterer gehört aber als Ehrenmitglied zu den Gründern der ASSOSS.

Nachtrag 11.6.2008: Auch diese hier angedeutete Weisheit kann so nicht mehr aufrecht erhalten werden, es sei denn als Binsenweisheit. Auf den Fotos von 1901 sind weit mehr Personen zu sehen als die 10 von 1903. Es muss also neu bewertet werden.

Zum Fototermin erschienen hingegen fünf spätere Direktoren ( Louis ACKERMANN, Léon DONDELINGER, Nicolas WAGNER, Alphonse WAGENER und Erneste DE MUYSER ), zwei Selbständige ( Louis ACKERMANN, François GEIB ), sowie Gustave PRÜSSEN und Alphonse LAURENT, die einen frühen Tod erleiden. Auch Minderheiten sind vertreten: einer ist Jude und Franz CONSTEN ist ein Deutscher aus Aachen. Der AVL erlaubte von Anfang an daß auch Nichtluxemburger Mitglied würden, wenn sie irgendwelche Verbindungen nach Luxemburg hatten, etwa einen Wohnsitz dort, oder die Sprache beherrschten (§ 4 (alte Satzung) oder § II,3 (Satzung von 1915)). Ferner konnte jeder Student der RWTH als Konkneipant (nach § 13 (alte Satzung) oder § II, 11 (Satzung von 1915)) teilnehmen. Consten ist wahrscheinlich letzteres.

Über Folklore und Aktivitäten geben die bordeauxroten Barette und die getragenen Bierzipfel (Wagner Alphonse) Aufschluß. Die Mützen sind laut Überlieferung von den belgischen “Chasseur ardennais” abgeguckt. Die “Hollandia” trugen diese in grün. Neben Bierzipfeln sind auch Biernamen bereits üblich. Biernamen sind kurzsilbige Namen, mit welchen man sich auf den Kneipen oder bei anderen offiziellen Bierangelegenheiten anredete. Beliebte, immer wiederkehrende Namen: Sipp, Suff, Waak, Krunn 4 .

Das Foto vom SS 1911 gibt ein ganz anderes Bild: Der Verein ist deutlich gewachsen: 24 Studenten erscheinen zum Fototermin, von 30 eingeschriebenen Luxemburgern können wir ausgehen. Das vorliegende Foto stammt von Robert LOESCH al. Sippy. Er beschriftete es ebenfalls, versah es aber nur mit den Biernamen. Folklore ist inzwischen weit wichtiger geworden: Zu sehen sind Trinkhorn und Wasserpfeife. Auch hat der Verein mittlerweile eine Fahne. Wie diese Fahne aussah, zeigt ein Foto von 1932: sie enthielt das Wappen mit dem Bierzirkel und dem Wahlspruch “Rull de Wack”.

Die Satzung von 1915, welche Zirkel, Wahlspruch und Wappen erstmals festlegt bestätigt also nur was längst Realität ist. So verhält es sich auch mit der politischen und religiösen Neutralität, die ebenfalls erst 1915 verbindlich festgeschrieben wurden.

Vereinsleben

Was stellten die Luxemburger so an?

Die Luxemburger übernahmen nicht nur deutsche Folklore sondern entwickelten sie weiter 5 und beeinflußten damit anderen Studentenvereine. Dies gilt insbesondere auch für die später gegründeten Luxemburger Zusammenschlüsse, wie die ASSOSS und die Siegfriedia, der Verein der katholischen Studenten an den “Cours Universitaires au Luxembourg” (CUL).

Das Vereinslokal war im “Englischen Hof” Hartmannstrasse 17, wegen seinem Eigner oft auch Café Metz genannt. Max Eckert beschreibt dieses so:

“In später Stunde wagte sich der Studierende auch ins Café Metz, wo sich der Kehraus zusammenfand, und man neben dem Kavalier in hohem Hut, dem Droschkenkutscher und Personen von zweifelhafter Distinktion eine halbe gebratene Taube aß und eine Berliner Weiße mit Schuß trank”.

Ein Höhepunkt für die ganze Studentenschaft war stets Kaisergeburtstag an dem auch AVL und Hollandia teilnahmen. Hervorzuheben unter diesen Studiosi sind Robert Loesch alias Sippy, der erste der dem Schutzmann vor dem Theater in seine Kürassierstiefel pißte und Eduard LECLERE alias Wully. Er war berüchtigt für seine Eskapaden und seine Verachtung für das Geld. Er nahm den Wahlspruch “Rull de Waak”, den man auch als “Verpulver dein Geld” auslegen kann, wörtlich. Wully bestand die Abschlußprüfung nicht!

Jährlich beging der AVL an drei aufeinanderfolgenden Tagen im Juli sein Stiftungsfest mit Eröffnungskneipe, Frühschoppen, Festkommers und Abschlußball.

Auswärtige Beziehungen wurden stets gepflegt. Wichtig war den Luxemburgerkommersbuch immer ein gutes Einvernehmen mit der Hollandia. Sehr früh belegt sind Verbindungen nach Löwen. 1905 berichtet das Bierbuch der LL:” Festbericht vom 25-jährigen Stiftungsfest: (…) ihnen hatten sich unsere Aachener Freunde Präsidium Boy vulgo Erneste DE MUYSER und Fuchsmajor Rull vulgo Wagner angeschlossen. Beide hatten nicht Weg und Mühe gescheut um den Glanz der Feier durch ihre Gegenwart zu erheben und sie hatten von den Ufern des Rheines ein gut Stück Humor und Studententum zu uns herübergebracht.”

Camille BEISSEL al. Sipp hatte übrigens zuvor zwei Jahre in Louvain studiert und war dort Schriftführer gewesen. In Aachen behielt er seinen Biernamen.

Der erste Weltkrieg

Diese glücklichen Tage waren jedoch bald vorbei. Am 2 August 1914, einen Tag vor Kriegserklärung überfielen die Deutschen Belgien und Luxemburg. Nach einem entsprechenden Aufruf des Rektors meldeten sich die deutschen Studenten freiwillig zum Kriegsdienst. Auch einige Professoren, wie Max Eckert zogen in den Krieg. Von den 300 Kriegsfreiwilligen sollten bis 1919 gut 200 sterben. (genaue Angaben siehe Gedenktafel AULA). Die Niederländer wurden ebenfalls eingezogen, Holland wollte ja nicht das Schicksal Luxemburgs und Belgiens erleiden. Somit war der AVL der einzige Studentenverein der noch aktiv war. Der Hochschulbetrieb lief nur notdürftig. Student war eigentlich jetzt nur wer untauglich, kriegsversehrt oder zeitweise freigestellt war 6 Max Eckert schreibt (1920):

” Der ‘akademische Verein HOLLANDIA’ war genötigt, von WS 1915/16 bis zum WS 1919/20 zu suspendieren, da fast alle Mitglieder, des Krieges wegen, in Holland zur Wahrung der Neutralität einberufen wurden (…..) Da die Luxemburger keine Neutralität zu wahren hatten und militärisch nicht eingezogen werden konnten, waren für sie die Kriegsjahre eine Zeit mit ganz besonderen Vorteilen: die Mitgliederzahl der Letzeburger wuchs bis auf 60, und leicht war es nach bestandenem Examen Stellung zu finden.”

Diese parteiliche Darstellung des Kriegsteilnehmers Eckert muß natürlich etwas richtig gestellt werden:

  • Luxemburg war neutral, konnte aber die Deutschen nicht daran hindern das Land zu besetzen!
  • Die “Vorteile” der Luxemburger sind relativ zu sehen, sie litten genauso unter der Lebensmittelknappheit. Sie hatten vielleicht mehr Vorteile als die Deutschen, keineswegs aber mehr als vor dem Krieg.
  • Die deutsche Besatzung erlaubte den Luxemburgern nicht in Frankreich, Belgien oder der Schweiz zu studieren, damit sie keine Gelegenheit hatten sich zu den Alliierten zu schlagen, wie das die Luxemburger Gemeinschaft in Paris getan hatte!
  • Die Zahl der Neueinschreibungen ist, von 1917 abgesehen nicht viel höher als vor 1914. Aber die durchschnittliche Studiendauer stieg an, denn oft konnten wegen Perrsonalmangel einige Kurse nicht angeboten werden. Viele Eltern konnten nicht für jedes Semester das Geld aufbringen. Es gab dann noch einige die nur wegen des Krieges den krisensicheren Ingenieurberuf wählen und eigentlich lieber etwas anderes studiert hätten
  • Natürlich war es einfach eine Stellung zu finden, es gab ja kaum mehr deutsche Mitbewerber. Ironie der Geschichte: Vor 1914 gaben die Deutschen Hüttenherren die besten Stellen in ihren Luxemburger Betrieben oftmals nur an Landsleute! Nach dem Krieg besetzten Luxemburger herausragende Stellen in der deutschen Industrie.

Max Eckert meinte noch, die fleißigsten Ausländer wären stets die Luxemburger und die Holländer gewesen, sie wüßten auch was sie der RWTH zu verdanken hätten. Umgedreht wußte später aber auch die RWTH was sie den Luxemburgern zu verdanken hatte; sie zeigte es in der frühen NS-Zeit als sie ihren Schutzmantel über die Luxemburger ausbreitete. Siehe unten Es waren die Luxemburger welche die Vorlesungen belegten und mit ihren Gebühren den Lehrbetrieb aufrecht erhielten. Sie waren auch Mitgaranten für das wissenschaftliche Niveau als Assistenten und Doktoranden. So waren von den 239 verbliebenen Studenten des SS 1917 ganze 91 Ausländer und davon 67 Luxemburger, also jeder vierte. Der AVL hatte hier die größte relative Bedeutung in seiner Geschichte.

  1. Damals noch “Rull de Wack” geschrieben, heißt der Spruch auf Rotwelsch in etwa “Gib das Geld aus!” oder “Rück das Geld heraus”. []
  2. Vgl. Annuaire 1934 “Amicale des anc. Elèves de l’école industrielle et du commerce” Abganglisten. []
  3. Erneste de Muyser der Sohn des 1902 verstorbenen Constant de Muyser (s.o.). Wie sein Vater machte auch er seine Karriere bei der Eisenbahngesellschaft “Prince Henri” []
  4. Biernamen beziehen sich auf alle möglichen Eigenschaften, etwa das Studienfach (Nool, Stack, Tipp) oder Lebensgewohnheiten (Suff, Krunn). Egon ZANDER, Hüttenkundler, bekam seinen Namen indem man “Schlaakentipp” auftrennte ihm “Tipp” und seinem Freund Léon THILL “Schlaak” zuwies. []
  5. Das Bierkomment erhebt den Anspruch “eine aus dem Gewohnheitsrecht entsprungene rechtskräftige Norm” zu sein. Es werden viele zeitgenössische Biernamen erwähnt. Bei den im Bierkomment (als Beispiele) erwähnten Struwel, Wully, Schluck, Coseng und Zech könnte es sich um die Autoren handeln. []
  6. In der 1995 erschienenen Broschüre “125 Jahre RWTH aus stud. Sicht” des AStA, wird bemerkt, die Studentenzahlen der RWTH wären 1914-1918 nur unwesentlich gesunken. Das ist richtig, läßt aber ausser Acht daß etwa von den 775 Stundenten des SS 1917 gut 536 “beurlaubt”, d.h. gar nicht in Aachen anwesend sondern an der Kriegsfront, waren. []

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