Satzungen 1915

SATZUNGEN

Akademischer Verein d` Letzeburger

Königl. Techn. Hochschule, Aachen

W.S. 1915/16

Inhalt

  1. Gemeinsamer Teil

    1. Zweck und Ziel des Vereins
    2. Grundsätze
    3. Mitglieder des A.V.
    4. Ehrenrat und Ehrenstrafen
    5. Änderung der Satzungen
    6. Suspension und Rekonstitution des A.V.
  2. Satzungen der Aktivitas.

    1. Mitglieder der Aktivitas und
      ihre Aufnahme
    2. Pflichten und Rechte
      der Mitglieder
    3. Austritt
    4. Chargen und Ämter
    5. Geschäftsführung (Konvente, Kassenführung, Strafen)
    6. Satzungen betreffend Vereinsfreunde
  3. Satzungen des A.H.A.H. Verbandes
  4. I. Allgemeiner Teil.

    §1.

    Der akademische Verein D` Letzeburger hat den Zweck, den freundschaftlichen
    Verkehr zwischen den an der Aachener Königlich Technischen Hochschule
    studierenden Luxemburgern zu heben und zu befestigen, ihre neu angekommenen
    Freunde aus dem Vaterland ins akademische Studium einzuführen, sie
    während der Studienzeit durch liebevolles Entgegenkommen zu unterstützen,
    sowie ihnen auch nach vollendetem Studium im späteren Leben nötigenfalls
    mit Rat und Tat zur Seite zu stehen.

    § 2.

    Grundsätze: Der akademische Verein D` Letzeburger nimmt weder in
    politischen noch in religiösen Fragen einen bestimmten Standpunkt ein.

    Er läßt seinen Mitgliedern die Stellungnahme zur Satisfaktionsfrage
    offen.

    Der akademische Verein D` Letzeburger führt Landsmannschafts- und
    Maturitätsprinzip.

    (Ausnahme: Siehe Konkneipanten und Vereinsfreunde).

    §3.

    Wappen, Fahne, Zirkel, Wahlspruch und Farben: Um sich als Korporation
    zu kennzeichnen, führt der A.V. Wappen, Fahne, Wahlspruch, Zirkel und
    Farben.

    Vereinswappen:
    Luxemburgischer Löwe mit Zirkel und Wahlspruch.

    Wahlspruch: "Rull de Wack"

    Zirkel:

    Die Farben des A.V. sind rot-weiß-blau, die entsprechend den Bestimmungen
    des Vereinskonventes getragen werden.

    § 4.

    Als Vereinsmitglieder gelten: Aktive Mitglieder,
    inaktive Mitglieder, auswärtige
    Mitglieder
    , Konkneipanten, Alte
    Herren
    , Ehrenmitglieder und eventuell die
    Person des Ehrenpräsidenten.

    §5.

    Alle Vereinsmitglieder sind den Bestimmungen betreffend Ehrenrat unterworfen.

    § 6.

    Ehrenrat:

    1. Der Ehrenrat hat zum Zweck, unter den Vereinsmitgliedern entstandene
      Streitigkeiten zu schlichten und zu verhindern, daß durch anhaltende
      Zwiste Mitglieder sich ein einen sowohl dem Charakter des einzelnen als
      auch dem Vereine schadenden Haß hinein leben.
    2. Ein Ehrenrat kann bei einem obwaltenden Zwist von jeder Partei begehrt
      werden und muß die andere Partei Folge leisten. Der Versammlung
      ist es gestattet, streitende Vereinsmitglieder zur Berufung eines Ehrenrates
      zu zwingen.
    3. Ein Ehrenrat besteht aus fünf Vereinsmitgliedern. Den Vorsitz
      führt das jeweilige Präsidium oder im Verhinderungsfalle je
      nach der Reihenfolge der Schriftwart oder Kassenwart. Jede Partei hat
      zwei Richter zu stellen; jedes Mitglied des Vereines ist verpflichtet,
      das Amt eines Richters auf erste Forderung hin zu übernehmen. Der
      Ehrenrat ist befugt, sich mit Stimmeneinheit in seiner Zusammensetzung
      als zu Recht bestehend zu erklären.
    4. Der Ehrenrat hat sich binnen zweimal vierundzwanzig Stunden zu versammeln.
      Der Vereinskonvent kann auch einen Aufschub des Ehrenrates genehmigen,
      falls ein stichhaltiger Verhinderungsgrund vorliegt. Tempus utile: Sonn-
      und Feiertage.
    5. Jede Partei hat vor der Verhandlung ihr Ehrenwort abzugeben, daß
      sie sich dem Verfügungen des Rates fügen will.
    6. Sowohl Richter wie Klagende, als auch Zeugen sind zu ehrenwörtlichem
      Stillschweigen über die Verhandlungen verpflichtet.
    7. Dem Ehrenrat steht es zu, Strafen zu verhängen und zwar protokollierte
      Rüge, Geldstrafen bis zu zehn Mark und Demitation bis zu einem Monat.
      Tätliche Beleidigung eines Vereinsmitgliedes durch ein anderes ist
      mit Demitation c.i. zu bestrafen. Bei Festsetzung der Strafe hat der Vorsitzende
      nur beratende Stimme; nur bei Stimmengleichheit ist seine Stimme entscheidend.
    8. Die Aussagen werden zu Protokoll gebracht, welches in einem Kuvert
      versiegelt wird. Dasselbe ist während einem Jahr in den Archiven
      aufzubewahren und dann zu vernichten. Das Urteil wird in das Protokollbucheingetragen
      und auf dem nächsten Vereins-Konvent verlesen.
    9. Berufungen gegen das Urteil sind nur bei Auftreten eines neuen Verhandlungsmomentes
      statthaft; dem B.C. ausschließlich steht es zu, darüber zu
      entscheiden, ob ein neues Verhandlungsmoment vorliegt. Die Zusammensetzung
      des neuen Ehrenrates wird durch den V.C. bestimmt.
    10. Geschäftsordnung beim Ehrenrat.
      In Anwesenheit des Ehrenrates, der Zeugen und der beiden Berufenden erhebt
      sich der Vorsitzende und hält folgende Ansprache:
      "N.N. und R.R. haben uns berufen, nach Recht und Gewissen zu urteilen
      und zwischen ihnen Frieden zu stiften. Wir haben uns statutengemäß
      a tempo versammelt. Ich will mir erlauben, den Anwesenden die Hauptparagraphen
      der diesbezüglichen Statuten ans Herz zu legen."
      Redner liest die Bestimmungen a)-i) dieser Satzungen vor, dann spricht
      er weiter: " Ich fordere sämtliche Anwesenden auf, zu erklären,
      daß sie sich in allem den eben verlesenen Vorschriften fügen
      wollen. die beiden Berufenden frage ich: Seid ihr mit der Zusammensetzung
      des Ehrenrates zufrieden ? Gebt ihr das ehrenwörtliche Versprechen,
      euch ganz dem Urteilsspruche zu fügen ?" Darauf treten die Zeugen
      und die Folge leistende Partei ab. Das jüngste Semester unter den
      Richtern schreibt die Aussagen auf, welche gleich nach beendeter Aussage
      unterschrieben werden.

    §7.

    Ehrenstrafen: Zur Wahrung des Zweckes und der Interessen des Vereins bestehen
    für alle Mitglieder folgende Ehrenstrafen:

    1. Protokollierte Rüge;
    2. Ausschließung auf einige Zeit;
    3. Rat zum Austritt;
    4. Einfache Ausschließung (i.p.)
    5. Verschärfte Ausschließung (c.i.)

    §8.

    Die Art der Bestrafung ist im allgemeinen dem zuständigen Konvente
    anheimgestellt. Für schwere Vergehen sind nachstähend die Strafen
    festgesetzt:

    1. Der Rat zum Austritt wird erteilt, wenn sich ein Mitglied untauglich
      erweist, dem A.V. weiter anzugehören (2/3 Stimmenmehrheit).
    2. Die Ausschließung trifft denjenigen, der sich Handlungen hat zuschulden
      kommen lassen, die ihn unwürdig machen, Mitglied des A.V. zu bleiben.
      Als solche sind zu betrachten:

      1. alle Vergehen oder Verbrechen, die auch im bürgerlichen Leben
        als entehrend gelten;
      2. das Nichteinhalten von ehrenwörtlichen Versprechen, Bloßstellung
        der Farben unter erschwerenden Umständen.

    Für jeden der vorhergehenden Fälle kann unter besonderen erschwerenden
    Umständen die verschärfte Demittation eintreten (2/3 Stimmenmehrheit).

    §9.

    Es kann über niemanden eine Strafe verhängt werden, wenn ihm
    nicht Gelegenheit zur Rechtfertigung gegeben wurde; unterläßt
    der Fehlende die Rechtfertigung, so wird angenommen, daß er darauf
    verzichtet.

    §10.

    Folgen der Bestrafung. Die Folgen verschärfter Ausschließung
    sind Entziehung der Farben und Untersagung des Umganges der Vereinsmitglieder
    mit dem Ausgeschlossenen. Außerdem kann an andere Korporationen Mitteilung
    von dieser Maßnahme gemacht werden.

    §11.

    Rücknahme der Strafe: die Strafe in &sect 7 (c-e) können zu
    jeder Zeit mit Stimmeneinheit rückgängig gemacht werden.

    § 12.

    Jede Änderung in der Fassung einer Satzungsbestimmung und jede Hinzufügung
    einer neuen muß genehmigt werden und bedarf der Zustimmung des "Alte
    Herren" – Konventes (einfache Stimmenmehrheit, um rechtskräftig
    zu werden)

    § 13.

    Einstellung (Suspension). Die Aktivitas besteht fort solange sie wenigstens
    über drei aktive Burschen verfügt. Sind diese nicht mehr vorhanden,
    so ist ein "Alter Herren" – Konvent zu berufen, der gegebenenfalls
    die Suspension der Aktivitas vollzieht: Das Inventar geht in den Besitz
    des "Alte Herren" – Verband über. Die Vereinskasse mit den
    etwaigen Guthaben und Verpflichtungen wird dem Kassenwart des "Alte
    Herren" – Verbandes zur Erledigung überwiesen.

    § 14.

    Wiederherstellung (Rekonstitution). Falls der Verein aufgelöst worden
    ist, hat der A.H.A.H. – Verband zu entscheiden, ob und inwiefern zu einer
    Rekonstitution desselben geschritten werden soll.

    II. Satzungen der Aktivitas.

    § 1.

    Die Aktivitas besteht aus aktiven Mitgliedern,
    inaktiven Mitgliedern, auswärtigen
    Mitgliedern
    und Konkneipanten (C.K.).

    §2.

    Jedes neu aufgenommene Mitglied (aktives Mitglied oder Konkneipant)
    hat während einer gewissen Zeit Fuchs zu sein.

    §3.

    Aktives Mitglied kann jeder werden, der

    1. an der Königlich Technischen Hochschule als Studierender eingeschrieben
      und
    2. von Luxemburger Nationalität ist, oder die luxemburgische Sprache
      beherrscht, ferner
    3. keiner anderen Korporation oder korporativen Vereinigung angehört.

    §4.

    Aufnahmegesuch: die Aufnahme als aktives Mitglied hat unter folgenden
    Bedingungen zu erfolgen: Ein schriftliches Gesuch ist an den B.C. einzureichen.
    Dieses Gesuch wird gegebenenfalls durch den B.C. dem Vereinskonvent zur
    Entscheidung vorgelegt und kommt auf dem darauffolgenden Vereinskonvent
    zur geheimen Abstimmung. Die Genehmigung des Gesuches bedingt Stimmeneinheit.
    Das Endresultat der Abstimmung wird dem Betreffenden durch ein Vorstandsmitglied
    des Vereins mitgeteilt.

    §5.

    In Vereinsangelegenheiten besteht für alle Vereinsmitglieder Gleichheit
    in der Ausübung der ihnen zustehenden Rechte; in Biersachen entscheidet
    die Bierregel (Komment)

    § 6.

    Pflichten der aktiven Mitglieder:

    1. Die aktiven Mitglieder sind verpflichtet, sich an allen offiziellen
      Vereinsveranstaltungen zu beteiligen. (Unter offiziellen Veranstaltungen
      versteht man: a) wissenschaftliche Exkursionen und Vorträge, b)Vereinskonvente,
      c) Kneipabende und Sonntagsfrühschoppen;
    2. einen festgesetzten monatlichen Beitrag, sowie die durch Vereinskonvente
      festetzten Extraumlagen zu entrichten.
    3. den Verein auswärts in jeder Hinsicht
      zu vertreten und gegebenenfalls zu verteidigen; sich ehrenwörtlich
      zu verpflichten, über den Verlauf der offiziellen Versammlung absolutes
      Stillschweigen zu wahren;
    4. Farben zu tragen nach den Bestimmungen des
      Vereinskonventes.

    § 7.

    Rechte der aktiven Mitglieder: die aktiven Mitglieder haben das Recht,
    ein Vereinsamt zu versehen, bei Vereinskonventen Anträge zu stellen,
    Gegenstände zur Besprechung zu bringen, an der Erörterung teilzunehmen,
    Einsicht zu nehmen in das vorliegende Protokollbuch und sich gegebenenfalls
    vom Präsidium über alle vergangenen Vereinsvorkommnisse Aufschluß
    erteilen zu lassen.

    §8.

    Füchse können kein Vereinsamt versehen,
    auch ist ihnen im ersten Semester das Stimmrecht entzogen, ausgenommen in
    Geldangelegenheiten und Eintrittsgesuchen.

    Inaktive Mitglieder

    §9.

    Inaktive Mitglieder sind von allen Vereinsveranstaltungen entbunden.

    Inaktiv werden kann:

    1. wer im VII. Semester steht;
    2. wer zur Diplomhauptprüfung eingereicht hat.

    Jedes Vereinsmitglied kann auf Antrag hin von allen Vereinsveranstaltungen
    mit Ausnahme des Vereinskonventes entbunden werden, ohne von diesem Vorrecht
    Mißbrauch machen zu dürfen, widrigenfalls ihm vom Vereinskonvent
    die Inaktivität wieder entzogen werden kann. Jedem inaktiven Mitglied
    steht das Recht zu, sich beim Präsidium als aktiv zurückzumelden.
    Den inaktiven Mitgliedern stehen dieselben Rechte zu wie aktiven.

    §10.

    Auswärtige Mitglieder geniessen dieselben Rechte wie die aktiven.
    Sie haben einen festen Semesterbeitrag in die Vereinskasse zu zahlen. Sie
    müssen die unter § 6 (c) und §
    6 (d)
    angegebenen Pflichten erfüllen, letztere nur soweit ihnen
    M öglichkeit und Gelegenheit dazugegeben ist. Nur mit Bewilligung des
    Vereins dürfen sie sich in eine andere akademische Corporation aufnehmen
    lassen.

    Auswärtige Mitglieder werden jene aktiven und inaktiven Mitglieder
    des Vereins, welche die hiesige Kgl. Techn. Hochschule verlassen, um ihre
    Studien zeitweilig zu unterbrechen, oder um sie an einer anderen Hochschule
    fortzusetzen.

    Der Schriftwart hat ihnen am Schlusse eines jeden Semesters einen Semesterbericht
    zuzusenden.

    §11.

    Konkneipant kann jeder Studierende der hiesigen Hochschule werden. Konkneipanten
    steht die Teilnahme an den Kneipabenden, wissenschaftlichen Exkursionen
    und Vorträgen zu; an Vereinsconventen dürfen sie nur als Zuhörer
    teilnehmen. Doch steht ihnen das Recht zu, auf den Vereinsconventen durch
    Burschen Anträge zu stellen und verfechten zu lassen. Was pekuniäre
    Verpflichtungen betrifft, sind sie den übrigen Vereinsmitgliedern gleichgestellt.

    Die Aufnahme als Konkneipant hat unter folgenden Bedingungen zu geschehen:

    1. Wer als Konkneipant aufgenommen werden will, muß Hörer an
      der Kgl. Techn. Hochschule sein;
    2. Er hat ein schriftliches Gesuch einzureichen, das gemäß den
      Bestimmungen II § 4 behandelt wird.

    §12.

    Die Zahl der Konkneipanten darf ein Fünftel der Zahl der aktiven
    Mitglieder nicht überschreiten.

    Austritt

    §13.