Liederbuch 1956


A, V, d’Letzeburger Aachen
Liedertexte
Buchdruckerei H. Ney-Eicher, Esch/Alzette 1956

A Busserl is a schnuckrig Ding

  1. A Busserl is a schnuckrig Ding, ma weiß nit, wie es tut, ma
    ißt es nit, ma trinkt’s auch nit, und dennoch schmeckt’s so
    guaut, ma ißt es nit, ma trinkt’s auch nit, und dennoch
    schmeckt’s so gut.
  2. Und was a Schreiber schreiben kann wohl in zehntausend
    Stund, /. das druckt a einzig Busserl aus, dem Dirnderl auf den
    Mund. : /
  3. A Busseril is a schnuckrig Ding, ma’s nit begreifen kann;
    im Herzle is a Kammerl drin, da fängt’s zu krabbeln an.
  4. Und wenn du nix zu schwatzen weiB, nimm’s Maderl um
    den Hals, drück ihr a einzig Busserl auf, und ‘s Maderi weiß
    dann alls.
  5. A Busserl is a schnuckrig Ding, das Beste, was ma hat;
    das Schlimmste doch davonnen is, ma kriegt’s halt niemals
    satt!

Als ich schlummernd lag heut nacht

  1. Als ich schlummernd lag heut nacht, lockten süße
    Träume, schimmernd in der Jugend Pracht, mich in ferne
    Räume. Krasses Füchslein saß ich schlank in der Kneipe
    wieder, und in vollem. Chore kiang laut das Lied `der Lieder :
    Gaudeamus igitur, iuvenes dum sumus! post iucundam
    iuventutem, post molestam senectutem nos habebit humus, nos
    habebit humus.
  2. Tabakswolkenduft umkreist bläulich Rheinweinbecher;
    desto heller flammt der Geist in dem Haupt der Zecher.
    Füchslein fühlt im Weltenrund sich der Schvpfung Krone, und er
    singt mit keckem Mund und mit keckem Tone: Ubi surit qui
    ante nos in mundo fuere? Vadite ad superos, transite ad inferos,
    /: ubi iam fuere. :/
  3. Jäh erwacht ich. – Glockenklar tönt mir’s in den Ohren:
    Heut sind’s runde siebzig Jahr, seit du wardst geboren. Heut
    schon liegen hinter dir der Semester hundert! – Hell rieb ich
    die Augen mir, summte still verwundert: Vita nostra brevis est,
    brevi finietur, venit mors velociter, rapit nos atrociter, nemini
    parcetur.
  4. Schnell vom Lager sprang ich auf, rief : Mir hat das
    Leben viel in seinem kurzen Lauf, Leid und Lust. gegeben. Sei
    vergessen, was gedrückt mich mit Sorg und Plage; heut ein Hoch
    dem, was beglückt meine jungen Tage: Vivat academia, vivant
    professores, vivat membrum quodlibet, vivant membra
    quœlibet, semper sint in flore!
  5. Goldne Burschenzeit entflog schnell – da Gott erbarme!
    Ledern Philisterium zog mich in dürre Arme. Doch philistern
    lernt ich nicht, hoch, auf goldnen Schwingen, trug mich Lieb
    zum Himmelslicht, jubelnd durft ich singen: Vivant omnes
    virgines, graciles, formosa! vivant et mulieres, teneraœ,
    amabiles, bonœ, laboriosa !
  6. Weib und Kinder an der Hand, freut ich mich des
    Lebens; nützlich sein dem Vaterland, ward das Ziel des
    Strebens. Konnte sich’s zum Paradies auch nicht ganz
    gestalten, Treue, die ich ihm erwies, hat’s mir doch gehalten.
    Vivat et respublica et qui illam regit! Vivat nostra civitas, maecenatum caritas, quae nos hic protegit.
  7. Im lateinschen Liede sang heut ich alter Knabe reines
    Lebens ganzen Gang von der Wieg zum Grabe; komme, wann
    du-willst, Freund Hein, mich zur Ruh zu bringen; doch, wie
    einst Als Füchselein, will der Greis noch singen: Pereat
    tristitia, pereant osores, pereat diabolus, quivis antiburschius,
    atque irrisores!

Als noch Arkadiens goldne Tage

  1. Als noch Arkadiens goldne Tage mich jungen Burschen
    angelacht, wie hab ich da in süßem Taumel die frohen Stunden
    hingebracht; leicht war mein Herz und leicht mein Wechsel,
    die gar zu bald davon gerauscht! Und doch hatt ich mit
    keinem Fürsten in jener Seligkeit getauscht; war selbst ein
    Fürst der Freude ja, o goldne Akademia! War selbst ein Fürst
    der Freude ja, o goldne Akademia !
  2. Zwar tut mein Vater häufig schreiben: Mein Sohn, geh
    ins Kollegium; doch oftmals wider meinen Willen bracht mich
    der Zufall neckisch drum; bald galt’s ein FäBchen
    anzustecken, bald lag ich drauBen auf Mensur! Die Lust am
    Zechen und am Pauken liegt in des Burschen Frohnatur. /:
    Wer schilt das krasse Füchslein da? O goldne Akademia ! : /
  3. Ging ich entlang die engen Gassen, aufs Haupt das
    Cerevis gedrückt, hei, wie die schmucken Mädehen lachten,
    wenn freundlich ich emporgeniekt; den Weibern war ich
    wohlgewogen, als stets verliebter Musensohn, gern hatt ich aller
    Herz besessen, doch eines war mein eigen schon, des schönsten
    Mädchens, das ich sah, o goldne Akademia !
  4. Ach, pfeilschnell flogen die Semester, ein altes Haus nennt
    man mich heut, nun hat auch mir auf meine Lokken der
    Winter seinen Reif gestreut; doch nimmer will ich dich
    vergessen, der holden Freiheit Paradies, die schünste Zeit in
    meinem Leben, da ich noch flotter Bursche hief; stets bleib
    ich dir im Geiste nah, o goldne Akademia !

Am Brunnen vor dem Tore

  1. Am Brunnen vor dem Tore, da steht ein Lindenbaum, ich
    träumt in seinem Schatten so manchen süßen Traum; ich schnitt in
    seine Rinde so manches liebe Wort, es zog in Freud und Leide zu
    ihm mich immerfort, zu ihm mich immerfort.
  2. Ich mußt auch heute wandern vorbei in tiefer Nacht, da hab
    ich noch im Dunkel die Augen zugemacht; und seine Zweige
    rauschten, als riefen sie mir zu: Komm lier zu mir, Geselle, / : hier
    findst du deine Ruh. : /
  3. Die kalten Winde bliesen mir grad ins Angesicht, der Hut flog
    mir vom Kopfe, ich wendete midi nicht. Nun bin ich manche
    Stunde entfernt. von jenem Ort, und immer hor ich’s
    rauschen: Du fändest Ruhe dort.

Beim Rosenwirt am Grabentor

  1. Beim Rosenwirt am Grabentor des Abends um halb sechs
    den Hammer schwingt der Wirt empor und schlägt den Zapfen
    ex! Das schlurrt und glurrt aus feuchter Nacht vom
    Spundloch in die Kann’, ei seht, wie’s Antlitz jedem lacht,
    jedwedem Zechersmann: ; Bierlein, rinn! Bierlein rinn! Bierlein
    rinn! Bierlein rinn! Was nutzen mir die Kreuzerlein, wenn ich
    gestorben bin!
  2. Beim Rosenwirt im Stübel drin, da sitzt ein junges Blut,
    die schmucke, schlanke Kellnerin war ihm noch gestern gut.
    Doch heute ist sie durchgebrannt, fahr wohl, du falsche Hex!
    Der Burch kehrt sein Gesicht zur Wand und summt uni halber
    sechs: /: «Bierlein, rinn! Bierlein, rinn! Was nutzen mir die
    Kreuzerlein, wenn ich gestorben bin!» :/
  3. Und schlägt mir einst der Sensenmann den Nagel auf die
    Truh, rast ich von harter Lebensbahn in kühler Grabesruh,
    dann schwingt bekränzt den Becher mir, dem müden
    Wandersmann, der euch gelehrt den Spruch zum Bier, und
    hebet also an: «Bierlein, rinn! usw.»

Bin durch die Alpen gezogen

  1. Bin dureh die Alpen gezogen, wo die Lawine rollt,
    sah, wie in Meereswogen tauehte der Sonne Gold. Aber
    freudig ich tauschte Alpen und Meeresstrand für das
    tannendurchrauschte nordische Heimatland,
    für das tannendurchrauschte nordische Heimatland !
  2. Schlösser sah ich und Türme schimmernd und marmorweiß; dunkler Pinien Schirme wiegten im Wind sich leis,
    aber -schöner und besser – lacht mich immerhin aus – / : als die
    Marmorschlösser dünkt mich mein Vaterhaus. : /
  3. Mägdlein durfte ich kosen, schlank und liliengleich,
    Frauen wie volle Rosen, üppig und anmutreich; Lilien
    aber und Rosen werden von der besiegt, die mich als
    Knaben mit Kosen in den Sehlaf gewiegt.

Das schwarzbraune Bier

  1. Das schwarzbraune Bier, das trink ich so gern und
    schwarzbraune Mädel, die küß ich so gern; ei du, ci du, ei du
    scharmantes Dudeldudeldei, juvivallerallera, juvivallerallera,
    du läßt mir keine Ruh.
  2. Das Mägdlein hat zwei Augelein, die glänzen wie zwei
    Sternelein; ei du usw.
  3. Das Mägdlein hat einen rosigen Mund, und wer den
    küßt, der wird gesund; ei du usw.

Das war der Graf von Rudesheim

  1. Das war der Graf von Rüdesheim, mit Gütern reich
    beglückt, der hat des Winzers holder Maid zu tief ins Aug
    geblickt. Doch als er ihr die Lieb gestand, lacht sie ihm ins
    Gesicht; der Graf ritt tief gekränkt nach Haus und mied des
    Tages Licht. Und er saß und vergaß in semer Burg am
    Rhein seinen Schmerz, denn das Herz trüstet Rüdesheimer
    Wein.
  2. Wohl sieben Jahre saß er so geschieden von der Welt
    und gab für Rüdesheimer Wein hin all sein Gut und Geld; wohl
    vierzig Güter gab er hin für edles Rebenblut, und als das letzte
    Jahr verging, ging auch das letzte Gut. Also sali und vergaß
    er in der Burg am Rhein seinen Schmerz, / : denn das Herz
    trüstet Rüdesheimer Wein.: /
  3. Doch als das ietzte Gut vertan, ging es dem Grafen
    schlecht; ein andrer Herr bezog das SchloB, da ward der Graf
    ein Knecht. Die ganze Woche plagt er sich im Wirtshaus vor der
    Burg; was in der Woche er verdient, bracht er -am Sonntag
    durch. Und dann saß und vergaß er im Kellerloch am Rhein
    seinen Schmerz, usw.
  4. Und die euch dieses Lied erdacht, die waren selber dort;
    zu Fu1 kam man den Berg herab, die Gelder waren fort. Man
    haderte mit dem Geschick und härmte sich gar sehr; da hörte
    man vom edlen Graf die wunderbare Mär. Und man saß und
    vergaß vor semer Burg am Rhein allen Schmerz, usw.

Der Nebel steigt

  1. Der Nebel steigt, es fällt das Laub; schenk ein den Wein,
    den holden! Wir wollen uns den grauen Tag vergolden, ja
    vergolden! Und geht es drauBen noeh so toll, unchristlich oder
    christlich, ist doch die Welt, die schöne Welt, so gänzlich
    unverwüstlich, ist doch die Welt, die schüne Welt, ist doch die
    Welt, die schöne Welt, so gänzlich unverwüstlich.
  2. Und wimmert auch einmal das Herz, stoß an und laß
    es klingen! Wir wissen’s doch, ein rechtes Herz ist gar nicht
    umzubringen. Der Nebel steigt, es fällt das Laub, schenk ein
    den Wein, den holden! Wir wollen uns den ganzen Tag
    vergolden, ja vergolden, / : wir wollen uns den ganzen Tag : /
    vergolden, ja vergolden.
  3. Wohl ist es Herbst; doch warte nur, doch warte nur ein
    Weilchen! Der Frühling kommt, der Himmel lacht, es steht die
    Welt in Veilchen. Die blauen Tage brechen an, und ehe sie
    verfließen, wir wollen sie, mein wackrer Freund, genießen, ja
    genießen, wir wollen sie, mein wackrer Freund, genießen, ja
    genießen.

Der Sang ist verschollen

  1. Der Sang ist verschollen, der Wein ist verraucht,
    stumm irr ich und träumend umher. Es taumeln die Hauser,
    vom Sturme umhaucht, es taumeln die Wellen ins Meer, es
    taumeln die Häuser, vom Sturme umhaucht, es taumeln die
    Wellen ins Meer.
  2. Die Wolken sie tanzen, manch Sternlein fällt, hat tief in
    den Wolken gezecht; / : ich steh wie ein Fels, wie die Angel der
    Welt, wie ein Kaiser in Freiheit und Recht. : /
  3. Und die Straßen durchirr ich, die Platze so schnell, ich
    klopfe von Haus zu Haus; bin ein fahrender Schüler, ein
    wüster Gesell, wer schützt mich vor Wetter und Graus?
  4. Ein Mägdlein winkt mir vom hohen Altan, hell flackert
    im Winde ihr Haar. Ich schlag in die Saiten und schwing
    mich hinan, wie licht ist ihr Aug und wie klar!
  5. Und sie küßt mich und drückt mich und lacht so hell;
    nie hab ich die Dirne geschaut. Bin ein fahrender Schüler,
    ein wüster Gesell, was lacht sie und küßt mich so traut!

Es hatten drei Gesellen

  1. Es hatten drei Gesellen ein fein Kollegium: es kreiste so
    fröhlich der Becher in dem kleinen Kreise herum, es kreiste so
    fröhlich der Becher in dem kleinen Kreise herum.
  2. Sie lachten dazu und sangen und waren froh und frei, /:
    des Weltlaufs Elend und Sorgen, sie gingen an ihnen vorbei. : /
  3. Da starb von den dreien der eine, der andere folgte ihm
    nach, und es blieb der dritte alleine in dem öden Jubelgemach.
  4. Und wenn die Stunde gekommen des Zechens und der
    Lust, dann tät er die Becher füllen und sang aus voller
    Brust.
  5. So saß er einst auch beim Mahle und sang zum
    Saitenspiel, und zu dem Wein im Pokale eine helle Träne fiel.
  6. «Ich trink euch ein Schmollis, ihr Brüder! Wie sitzt
    ihr so stumm und so still? Was soli aus der Welt denn noch
    werden, wenn keiner mehr trinken will?»
  7. Da klangen der Gläser dreie und wurden mühlich leer :
    «Fiducit, fröhlicher Bruder ! » Der trank keinen Tropfen mehr.

Es zogen drei Burschen

  1. Es zogen drei Burschen wohl über den Rhein, bei einer
    Frau Wirtin da kehrten sie ein, bei einer Frau Wirtin da
    kehrten sie ein. «Frau Wirtin, hat sie gut Bier und Wein? Wo
    hat sie ihr schönes Töchterlein, wo hat sie ihr schönes Töchterlein?»
  2. «Mein Bier und Wein ist frisch und klar, / : mein
    Töchterlein liegt auf der Totenbahr. » : / Und als sie traten zur
    Kammer hinein, / : da lag sie in einem schwarzen Schrein. : /
  3. Der erste der schlug den Schleier zurück und schaute sie
    an mit traurigem Blick: «Ach, lebtest du noch, du schöne
    Maid ! Ich würde dich lieben von dieser Zeit! »
  4. Der zweite deckte den Schleier zu und kehrte sich ab
    und weinte dazu: «Ach, daß du liegst auf der Totenbahr!
    Ich hab dich geliebet so manches Jahr! »
  5. Der dritte hub ihn wieder sogleich und küßte sie an
    den Mund so bleich: «Dich liebt ich immer, dich lieb ich
    noch heut und werde dich lieben in Ewigkeit. »