Liederbuch 1956


A, V, d’Letzeburger Aachen
Liedertexte
Buchdruckerei H. Ney-Eicher, Esch/Alzette 1956

A Busserl is a schnuckrig Ding

  1. A Busserl is a schnuckrig Ding, ma weiß nit, wie es tut, ma
    ißt es nit, ma trinkt’s auch nit, und dennoch schmeckt’s so
    guaut, ma ißt es nit, ma trinkt’s auch nit, und dennoch
    schmeckt’s so gut.
  2. Und was a Schreiber schreiben kann wohl in zehntausend
    Stund, /. das druckt a einzig Busserl aus, dem Dirnderl auf den
    Mund. : /
  3. A Busseril is a schnuckrig Ding, ma’s nit begreifen kann;
    im Herzle is a Kammerl drin, da fängt’s zu krabbeln an.
  4. Und wenn du nix zu schwatzen weiB, nimm’s Maderl um
    den Hals, drück ihr a einzig Busserl auf, und ‘s Maderi weiß
    dann alls.
  5. A Busserl is a schnuckrig Ding, das Beste, was ma hat;
    das Schlimmste doch davonnen is, ma kriegt’s halt niemals
    satt!

Als ich schlummernd lag heut nacht

  1. Als ich schlummernd lag heut nacht, lockten süße
    Träume, schimmernd in der Jugend Pracht, mich in ferne
    Räume. Krasses Füchslein saß ich schlank in der Kneipe
    wieder, und in vollem. Chore kiang laut das Lied `der Lieder :
    Gaudeamus igitur, iuvenes dum sumus! post iucundam
    iuventutem, post molestam senectutem nos habebit humus, nos
    habebit humus.
  2. Tabakswolkenduft umkreist bläulich Rheinweinbecher;
    desto heller flammt der Geist in dem Haupt der Zecher.
    Füchslein fühlt im Weltenrund sich der Schvpfung Krone, und er
    singt mit keckem Mund und mit keckem Tone: Ubi surit qui
    ante nos in mundo fuere? Vadite ad superos, transite ad inferos,
    /: ubi iam fuere. :/
  3. Jäh erwacht ich. – Glockenklar tönt mir’s in den Ohren:
    Heut sind’s runde siebzig Jahr, seit du wardst geboren. Heut
    schon liegen hinter dir der Semester hundert! – Hell rieb ich
    die Augen mir, summte still verwundert: Vita nostra brevis est,
    brevi finietur, venit mors velociter, rapit nos atrociter, nemini
    parcetur.
  4. Schnell vom Lager sprang ich auf, rief : Mir hat das
    Leben viel in seinem kurzen Lauf, Leid und Lust. gegeben. Sei
    vergessen, was gedrückt mich mit Sorg und Plage; heut ein Hoch
    dem, was beglückt meine jungen Tage: Vivat academia, vivant
    professores, vivat membrum quodlibet, vivant membra
    quœlibet, semper sint in flore!
  5. Goldne Burschenzeit entflog schnell – da Gott erbarme!
    Ledern Philisterium zog mich in dürre Arme. Doch philistern
    lernt ich nicht, hoch, auf goldnen Schwingen, trug mich Lieb
    zum Himmelslicht, jubelnd durft ich singen: Vivant omnes
    virgines, graciles, formosa! vivant et mulieres, teneraœ,
    amabiles, bonœ, laboriosa !
  6. Weib und Kinder an der Hand, freut ich mich des
    Lebens; nützlich sein dem Vaterland, ward das Ziel des
    Strebens. Konnte sich’s zum Paradies auch nicht ganz
    gestalten, Treue, die ich ihm erwies, hat’s mir doch gehalten.
    Vivat et respublica et qui illam regit! Vivat nostra civitas, maecenatum caritas, quae nos hic protegit.
  7. Im lateinschen Liede sang heut ich alter Knabe reines
    Lebens ganzen Gang von der Wieg zum Grabe; komme, wann
    du-willst, Freund Hein, mich zur Ruh zu bringen; doch, wie
    einst Als Füchselein, will der Greis noch singen: Pereat
    tristitia, pereant osores, pereat diabolus, quivis antiburschius,
    atque irrisores!

Als noch Arkadiens goldne Tage

  1. Als noch Arkadiens goldne Tage mich jungen Burschen
    angelacht, wie hab ich da in süßem Taumel die frohen Stunden
    hingebracht; leicht war mein Herz und leicht mein Wechsel,
    die gar zu bald davon gerauscht! Und doch hatt ich mit
    keinem Fürsten in jener Seligkeit getauscht; war selbst ein
    Fürst der Freude ja, o goldne Akademia! War selbst ein Fürst
    der Freude ja, o goldne Akademia !
  2. Zwar tut mein Vater häufig schreiben: Mein Sohn, geh
    ins Kollegium; doch oftmals wider meinen Willen bracht mich
    der Zufall neckisch drum; bald galt’s ein FäBchen
    anzustecken, bald lag ich drauBen auf Mensur! Die Lust am
    Zechen und am Pauken liegt in des Burschen Frohnatur. /:
    Wer schilt das krasse Füchslein da? O goldne Akademia ! : /
  3. Ging ich entlang die engen Gassen, aufs Haupt das
    Cerevis gedrückt, hei, wie die schmucken Mädehen lachten,
    wenn freundlich ich emporgeniekt; den Weibern war ich
    wohlgewogen, als stets verliebter Musensohn, gern hatt ich aller
    Herz besessen, doch eines war mein eigen schon, des schönsten
    Mädchens, das ich sah, o goldne Akademia !
  4. Ach, pfeilschnell flogen die Semester, ein altes Haus nennt
    man mich heut, nun hat auch mir auf meine Lokken der
    Winter seinen Reif gestreut; doch nimmer will ich dich
    vergessen, der holden Freiheit Paradies, die schünste Zeit in
    meinem Leben, da ich noch flotter Bursche hief; stets bleib
    ich dir im Geiste nah, o goldne Akademia !

Am Brunnen vor dem Tore

  1. Am Brunnen vor dem Tore, da steht ein Lindenbaum, ich
    träumt in seinem Schatten so manchen süßen Traum; ich schnitt in
    seine Rinde so manches liebe Wort, es zog in Freud und Leide zu
    ihm mich immerfort, zu ihm mich immerfort.
  2. Ich mußt auch heute wandern vorbei in tiefer Nacht, da hab
    ich noch im Dunkel die Augen zugemacht; und seine Zweige
    rauschten, als riefen sie mir zu: Komm lier zu mir, Geselle, / : hier
    findst du deine Ruh. : /
  3. Die kalten Winde bliesen mir grad ins Angesicht, der Hut flog
    mir vom Kopfe, ich wendete midi nicht. Nun bin ich manche
    Stunde entfernt. von jenem Ort, und immer hor ich’s
    rauschen: Du fändest Ruhe dort.

Beim Rosenwirt am Grabentor

  1. Beim Rosenwirt am Grabentor des Abends um halb sechs
    den Hammer schwingt der Wirt empor und schlägt den Zapfen
    ex! Das schlurrt und glurrt aus feuchter Nacht vom
    Spundloch in die Kann’, ei seht, wie’s Antlitz jedem lacht,
    jedwedem Zechersmann: ; Bierlein, rinn! Bierlein rinn! Bierlein
    rinn! Bierlein rinn! Was nutzen mir die Kreuzerlein, wenn ich
    gestorben bin!
  2. Beim Rosenwirt im Stübel drin, da sitzt ein junges Blut,
    die schmucke, schlanke Kellnerin war ihm noch gestern gut.
    Doch heute ist sie durchgebrannt, fahr wohl, du falsche Hex!
    Der Burch kehrt sein Gesicht zur Wand und summt uni halber
    sechs: /: «Bierlein, rinn! Bierlein, rinn! Was nutzen mir die
    Kreuzerlein, wenn ich gestorben bin!» :/
  3. Und schlägt mir einst der Sensenmann den Nagel auf die
    Truh, rast ich von harter Lebensbahn in kühler Grabesruh,
    dann schwingt bekränzt den Becher mir, dem müden
    Wandersmann, der euch gelehrt den Spruch zum Bier, und
    hebet also an: «Bierlein, rinn! usw.»

Bin durch die Alpen gezogen

  1. Bin dureh die Alpen gezogen, wo die Lawine rollt,
    sah, wie in Meereswogen tauehte der Sonne Gold. Aber
    freudig ich tauschte Alpen und Meeresstrand für das
    tannendurchrauschte nordische Heimatland,
    für das tannendurchrauschte nordische Heimatland !
  2. Schlösser sah ich und Türme schimmernd und marmorweiß; dunkler Pinien Schirme wiegten im Wind sich leis,
    aber -schöner und besser – lacht mich immerhin aus – / : als die
    Marmorschlösser dünkt mich mein Vaterhaus. : /
  3. Mägdlein durfte ich kosen, schlank und liliengleich,
    Frauen wie volle Rosen, üppig und anmutreich; Lilien
    aber und Rosen werden von der besiegt, die mich als
    Knaben mit Kosen in den Sehlaf gewiegt.

Das schwarzbraune Bier

  1. Das schwarzbraune Bier, das trink ich so gern und
    schwarzbraune Mädel, die küß ich so gern; ei du, ci du, ei du
    scharmantes Dudeldudeldei, juvivallerallera, juvivallerallera,
    du läßt mir keine Ruh.
  2. Das Mägdlein hat zwei Augelein, die glänzen wie zwei
    Sternelein; ei du usw.
  3. Das Mägdlein hat einen rosigen Mund, und wer den
    küßt, der wird gesund; ei du usw.

Das war der Graf von Rudesheim

  1. Das war der Graf von Rüdesheim, mit Gütern reich
    beglückt, der hat des Winzers holder Maid zu tief ins Aug
    geblickt. Doch als er ihr die Lieb gestand, lacht sie ihm ins
    Gesicht; der Graf ritt tief gekränkt nach Haus und mied des
    Tages Licht. Und er saß und vergaß in semer Burg am
    Rhein seinen Schmerz, denn das Herz trüstet Rüdesheimer
    Wein.
  2. Wohl sieben Jahre saß er so geschieden von der Welt
    und gab für Rüdesheimer Wein hin all sein Gut und Geld; wohl
    vierzig Güter gab er hin für edles Rebenblut, und als das letzte
    Jahr verging, ging auch das letzte Gut. Also sali und vergaß
    er in der Burg am Rhein seinen Schmerz, / : denn das Herz
    trüstet Rüdesheimer Wein.: /
  3. Doch als das ietzte Gut vertan, ging es dem Grafen
    schlecht; ein andrer Herr bezog das SchloB, da ward der Graf
    ein Knecht. Die ganze Woche plagt er sich im Wirtshaus vor der
    Burg; was in der Woche er verdient, bracht er -am Sonntag
    durch. Und dann saß und vergaß er im Kellerloch am Rhein
    seinen Schmerz, usw.
  4. Und die euch dieses Lied erdacht, die waren selber dort;
    zu Fu1 kam man den Berg herab, die Gelder waren fort. Man
    haderte mit dem Geschick und härmte sich gar sehr; da hörte
    man vom edlen Graf die wunderbare Mär. Und man saß und
    vergaß vor semer Burg am Rhein allen Schmerz, usw.

Der Nebel steigt

  1. Der Nebel steigt, es fällt das Laub; schenk ein den Wein,
    den holden! Wir wollen uns den grauen Tag vergolden, ja
    vergolden! Und geht es drauBen noeh so toll, unchristlich oder
    christlich, ist doch die Welt, die schöne Welt, so gänzlich
    unverwüstlich, ist doch die Welt, die schüne Welt, ist doch die
    Welt, die schöne Welt, so gänzlich unverwüstlich.
  2. Und wimmert auch einmal das Herz, stoß an und laß
    es klingen! Wir wissen’s doch, ein rechtes Herz ist gar nicht
    umzubringen. Der Nebel steigt, es fällt das Laub, schenk ein
    den Wein, den holden! Wir wollen uns den ganzen Tag
    vergolden, ja vergolden, / : wir wollen uns den ganzen Tag : /
    vergolden, ja vergolden.
  3. Wohl ist es Herbst; doch warte nur, doch warte nur ein
    Weilchen! Der Frühling kommt, der Himmel lacht, es steht die
    Welt in Veilchen. Die blauen Tage brechen an, und ehe sie
    verfließen, wir wollen sie, mein wackrer Freund, genießen, ja
    genießen, wir wollen sie, mein wackrer Freund, genießen, ja
    genießen.

Der Sang ist verschollen

  1. Der Sang ist verschollen, der Wein ist verraucht,
    stumm irr ich und träumend umher. Es taumeln die Hauser,
    vom Sturme umhaucht, es taumeln die Wellen ins Meer, es
    taumeln die Häuser, vom Sturme umhaucht, es taumeln die
    Wellen ins Meer.
  2. Die Wolken sie tanzen, manch Sternlein fällt, hat tief in
    den Wolken gezecht; / : ich steh wie ein Fels, wie die Angel der
    Welt, wie ein Kaiser in Freiheit und Recht. : /
  3. Und die Straßen durchirr ich, die Platze so schnell, ich
    klopfe von Haus zu Haus; bin ein fahrender Schüler, ein
    wüster Gesell, wer schützt mich vor Wetter und Graus?
  4. Ein Mägdlein winkt mir vom hohen Altan, hell flackert
    im Winde ihr Haar. Ich schlag in die Saiten und schwing
    mich hinan, wie licht ist ihr Aug und wie klar!
  5. Und sie küßt mich und drückt mich und lacht so hell;
    nie hab ich die Dirne geschaut. Bin ein fahrender Schüler,
    ein wüster Gesell, was lacht sie und küßt mich so traut!

Es hatten drei Gesellen

  1. Es hatten drei Gesellen ein fein Kollegium: es kreiste so
    fröhlich der Becher in dem kleinen Kreise herum, es kreiste so
    fröhlich der Becher in dem kleinen Kreise herum.
  2. Sie lachten dazu und sangen und waren froh und frei, /:
    des Weltlaufs Elend und Sorgen, sie gingen an ihnen vorbei. : /
  3. Da starb von den dreien der eine, der andere folgte ihm
    nach, und es blieb der dritte alleine in dem öden Jubelgemach.
  4. Und wenn die Stunde gekommen des Zechens und der
    Lust, dann tät er die Becher füllen und sang aus voller
    Brust.
  5. So saß er einst auch beim Mahle und sang zum
    Saitenspiel, und zu dem Wein im Pokale eine helle Träne fiel.
  6. «Ich trink euch ein Schmollis, ihr Brüder! Wie sitzt
    ihr so stumm und so still? Was soli aus der Welt denn noch
    werden, wenn keiner mehr trinken will?»
  7. Da klangen der Gläser dreie und wurden mühlich leer :
    «Fiducit, fröhlicher Bruder ! » Der trank keinen Tropfen mehr.

Es zogen drei Burschen

  1. Es zogen drei Burschen wohl über den Rhein, bei einer
    Frau Wirtin da kehrten sie ein, bei einer Frau Wirtin da
    kehrten sie ein. «Frau Wirtin, hat sie gut Bier und Wein? Wo
    hat sie ihr schönes Töchterlein, wo hat sie ihr schönes Töchterlein?»
  2. «Mein Bier und Wein ist frisch und klar, / : mein
    Töchterlein liegt auf der Totenbahr. » : / Und als sie traten zur
    Kammer hinein, / : da lag sie in einem schwarzen Schrein. : /
  3. Der erste der schlug den Schleier zurück und schaute sie
    an mit traurigem Blick: «Ach, lebtest du noch, du schöne
    Maid ! Ich würde dich lieben von dieser Zeit! »
  4. Der zweite deckte den Schleier zu und kehrte sich ab
    und weinte dazu: «Ach, daß du liegst auf der Totenbahr!
    Ich hab dich geliebet so manches Jahr! »
  5. Der dritte hub ihn wieder sogleich und küßte sie an
    den Mund so bleich: «Dich liebt ich immer, dich lieb ich
    noch heut und werde dich lieben in Ewigkeit. »

Gold und Silber lieb ich sehr

  1. Gold und Silber lieb ich sehr, kann’s auch gut ge-
    brauchen, hätt ich nur ein ganzes Meer, mich hineinzutauchen,
    ‘s braucht nicht grad geprügt zu sein, hab’s auch so
    ganz gerne, sei’s des Mondes Silberschein, sei’s das Gold der
    Sterne, sei’s des Mondes Silberschein, sei’s das Gold der
    Sterne.
  2. Doch viel schöner ist das Gold,
    das vom Lockenköpfchen meines Liebehens niederrollt in zwei blonden Zöpfchen.
    Darum, du, mein liebes Kind, laß uns herzen küssen,
    / : bis die Locken silbern sind und wir scheiden müssen. : /
  3. Seht, wie blinkt der goldne Wein hier in meinem
    Becher; horcht, wie klingt so silberrein froher Sang der
    Zecher! Daß die Zeit einst golden war, will ich nicht bestreiten,
    denk ich doch im Silberhaar gern vergangner Zeiten.

Hier sind wir versammelt

  1. Hier sind wir versammelt zu löblichem Tun, drum,
    Brüderchen, ergo bibamus ! Die Gläser sie klingen, Gespräche
    sie ruhn; beherziget: ergo bibamus! Das heißt noch ein altes,
    ein tüchtiges Wort, es passet zum ersten und passet so fort
    und schallet, ein Echo, vom festlichen Ort, ein herrliches:
    ergo bibamus! ein herrliches: ergo bibamus !
  2. Mich ruft mein Geschick von den Freunden hinweg: ihr
    Redlichen ergo bibamus ! Ich scheide von hinnen mit leichtem
    Gepack, drum doppeltes: ergo bibamus! Und was auch der Filz
    von dem Leibe sich schmorgt, so bleibt für den Heitern doch
    immer gesorgt, weil immer dem Frohen der Fröhliche borgt;
    /: drum, Brüderchen: ergo bibamus! : /
  3. Was sollen wir sagen zum heutigen Tag? Ich dachte nur:
    ergo bibamus:/ Er ist nun einmal von besonderem Schlag,
    drum immer aufs neue: bibamus! Er führet die Freude durchs
    offene Tor, es giänzen die Wolken, es teilt sich der Flor, da
    scheint uns ein Bildchen, ein göttliches, vor, wir klingen und
    singen: bibamus!

Im Krug zum grünen Kranze

  1. Im Krug zum grünen Kranze, da kehrt ich durstig ein;
    da saß ein Wandrer drinnen, drinnen, am Tisch bei kühlem
    Wein, da saß ein Wandrer drinnen, drinnen, am Tisch bei
    kühlem Wein.
  2. Ein Glas war eingegossen, das wurde nimmer leer; / :
    sein Haupt ruht auf dem Bündel, Bündel, als wär’s ihm viel zu
    schwer. : /
  3. Ich tät mich zu ihm setzen, ich sah ihm ins Gesicht, das
    schien mir gar befreundet, und dennoch kannt ich’s nicht.
  4. Da sah auch mir ins Auge der fremde Wandersmann
    und füllte meinen Becher und sah mich wieder an.
  5. Hei ! was die Becher klangen, wie brannte Hand in
    Hand: «Es lebe die Liebste deine, Herzbruder, im Vaterland! »

Im schwarzen Walfisch zu Askalon

  1. Im schwarzen Walfisch zu Askalon, da trank ein Mann
    drei Tag. / : bis daß er steif wie ein Besenstiel am Marmortische
    lag. : /
  2. Im schwarzen Walfisch zu. Askalon, da sprach der Wirt: Halt
    an! der trinkt von meinem Dattelsaft mehr als er zahlen kann.
  3. Im schwarzen Walfisch zu Askalon, da bracht der Kellner
    Schar in Keilschrift auf sechs Ziegelstein’ dem Gast die Rechnung
    dar.
  4. Im schwarzen Walfisch zu Askalon, da sprach der Gast : O
    weh ! mein bares Geld ist alles drauf im Lamm zu Ninive!
  5. Im schwarzen Walfisch zu Askalon, da schlug die Uhr halb
    vier, da warf der Hausknecht aus Nubierland den Fremden vor
    die Tür.
  6. Im schwarzen Walfisch zu Askalon wird kein Prophet
    geehrt, und wer vergnügt dort leben will, zahlt bar, was er verzehrt.

In jedem vollen Glase Wein

  1. In jedem vollen Glase Wein seh unten auf dem Grund ich
    deine hellen Äugelein, ich deine hellen Augelein und deinen süßen
    Mund, und deinen süßen Mund.
  2. Da trink ich schnell und warte nicht und küsse dich im
    Wein, / : aufs neu zu schaun dein Angesicht, : / / : schenk schnell ich
    wieder ein ! : /
  3. So füll und leer mein Glaschen ich und trinke immerzu.
    Nennt man mich nächstens liederlich, die Schuld, mein Schatz,
    hast du!

Jetz gang i ans Brünnele

  1. Jetz gang i ans Brünnele, trink aber net, jetz gang i ans
    Brünnele, trink aber net; do such i mein herztausige Schatz,
    find’n aber net, do such i mein herztausige Schatz, find’n aber net.
  2. /: Do laß i moine Augelein uni und uni gehn, : /
    / : da sieh-n i mein herztausige Schatz bei me’n andre stehn. : /
  3. Und bei me’n andre stehe sehn, ach das tut weh ! Jetz
    bhüt di Gott, herztausiger Schatz, di bsieh-n i rumine meh !
  4. Jetz kauf i mer Tinten und Fed’r und Papier un d schreib
    meim herztausige Schatz einen Abschiedsbrief.
  5. Jetz leg i mi nieder aufs Heu und aufs Stroh; do falle
    drei Röselein mir in den Schoß.
  6. Und diese drei RSselein sind roserot: Jetz weiB i net, lebt
    mein Schatz, oder ist er tot.

Keinen Tropfen im Becher mehr

1. Keinen Tropfen im Becher rnehr und der Beutel schlaff
und leer, lechzend Herz und Zunge. Angetan hat mir’s dein
Wein, deiner 3uglein heller Schein, Lindenwirtin, du junge,
Lindenwirtin, du junge!
2. «Angekreidet wird hier nicht, weil’s an Kreide uns
gebricht,» lacht die Wirtin heiter. «Hast du keinen Hel1er mehr,
gib zum Pfand dein Ränzel lier, / : aber trinke weiter ! » : /
3. Tauscht der Bursch sein Ränzel ein gegen einen Krug
voll Wein, tät zum Gehn sich wenden. Spricht die Wirtin :
«Junges Blut, hast ja Mantel, Stab und Hut ; trink und laß
dich pfanden !
4. Da vertrank der Wanderknab Mantel; Hut und
Wanderstab, sprach betrübt: «Ich scheide. Fahre wohl, du
kühler Trank, Lindenwirtin jung und schlank, liebliche
Augenweide ! »
5. Spricht zu ihm das schöne Weib: «Hast ja noch ein
Herz im Leib, laß mir’s, trauter Wandrer!» Was geschah, ich
tu’s euch kund : auf der Wirtin rotem’ Mund brannte heiß ein
andrer.
6. Der dies neue Lied erdacht, sang’s in einer Sommernacht
lustig in die Winde, vor ihm stund ein volles Glas, neben ihm Frau
Wirtin saß unter der blühenden Linde.

Mädele, ruck, ruck, ruck

  1. Mädele, ruck, ruck, ruck an meine grüne Seite, i hab de gar
    so gern, i kann de leide ! Mädele, ruck, ruck, ruck an meine grüne
    Seite, i hab de gar so gern, i kann de leide! Bist so lieb und gut,
    schön wie Milch und Blut, du mußt bei mir bleibe, mußt mir d’Zeit
    vertreibe; Mädele, -ruck, ruck, ruck an meine grüne Seite, i hab de
    gar so gern, i kann de leide !
  2. / : Mädele, guck, guck, guck in meine schwarze Auge, du kannst
    dei lieblichs Bilde drinne schaue! : / Guck no recht drei nei, du
    mußt drinne sei, bist du drinne z’ Haus, kommst au nimme rails.
    Mädele, guck, guck, guck in meine schwarze Auge, du kannst dei
    lieblichs Bildle drinne schaue !
  3. Mädele, du, du, du mußt mir den Trauring gebe, denn sonst liegt
    mir ja nix mehr an mei’m Lebe! Wenn i di net krieg, gang i fort in
    Krieg, wenn i di net hab, ist mir d’ Welt e Grab. Mädele, du, du,
    du mußt mir den Trauring gebe, denn sonst liegt mir ja nix mehr
    an mei’m Lebe!

Mit meiner Mappe unterm Arm

  1. Mit meiner Mappe unterm Arm wollt ins Kolleg ich ziehn,
    doch ach, die Frühlingssonne hell so gar verlockend schien, es sprach
    der Wald, ein jeder Zweig: «Hinauf auf unsre Berge steig! » Da war’s
    um mich geschehn, da war’s uni mich geschehn.
  2. Und wieder lenkt ich meinen Schritt zur Universität, da
    auf der Straße grad mein Aug ein Mägdelein erspäht; das
    schaute mich hold lächelnd an, nur kurze Zeit ich mich
    besann, / : da war’s um mich geschehn. : /
  3. Und wieder spürt ich Studienlust trotz heißem
    Sonnenbrand, die Kehle davon troeken ward, am Weg ein
    Wirtshaus stand, drin hört ich lustgen Burschensang, drin
    tönte lauter Gläserklang, da war’s uni mich geschehn.
  4. 0 Rhein mit deiner Frühlingssonn, mit deinen Mägdelein,
    o Rhein mit deinen Kneipen all, mit deinem goldnen Weïn, du
    Rhein lißt keinen Burschen frei, zwingst sie, wie deine Lorelei,
    um alle ist’s geschehn.

Noch ist die blühende golden Zeit

  1. Noch ist die blühende golden Zeit, o du schöne Welt,
    wie bist du so weit! Und so weit ist mein Herz, und so klar
    wis der Tag, wie die Lüfte, durehjubelt von Lerchenschlag!
    Ihr Fröhlichen, singt, weil das Leben noch mait: Noeh ist die
    schöne, die blühende Zeit, noch sind die Tage der Rosen, die
    Tage der Rosen!
  2. Frei ist das Herz und frei ist das Lied und frei ist der
    Bursch, der die Welt durchzieht; und ein rosiger Kuß ist nicht
    minder frei, so spröd und verschamt auch die Lippe sei. Wo
    ein Lied erklingt, wo ein Kuß sich beut, da heißt’s: Noch ‘ist
    blühende, golden Zeit, noch sind / : die Tage der Rosen ! : /
  3. Ja, im Herzen tief innen ist alles daheim, der Freude
    Saaten, der Schmerzen Keim. Drum frisch sei das Herz und
    lebendig der Sinn, dann brauset, ihr Stüin.ie, daher und dahin!
    Wir aber sind alizeit zu singen bereit: Noch ist die blühende.
    golden Zeit, noch sind die Tage der Rosen !

1.
2.
3.

0 alte Burschenherrlichkeit

  1. 0 alte Burschenherrlichkeit ! wohin bist du . ver-
    schwunden? Nie kehrst du wieder, goldne Zeit, so froh und
    ungebunden ! Vergebens spahe ich umher, ich finde deine
    Spur nicht mehr. O jerum, jerum, jerum, o quœ mutatio
    rerum !
  2. Den Burschenhut bedeckt der Staub, es sank der
    Flans in Trümmer, der Schlager ward des Rostes Staub,
    erblichen ist sein Schimmer, verklungen der Kommers-
    gesang, verhallt Rapier- und Sporenklang. O jerum, jerum,
    jerum, o quae mutatio rerum!
  3. Wo sind sie, die vom breiten Stein nicht wankten und
    nicht wichen, die ohne SpieB bei Scherz und Wein den
    Herrtt der Erde glichen? Sie zogen mit gesenktem Blick in
    das Philisterland zurück. O jerum, etc.
  4. Da schreibt mit finsterm Amtsgesicht der eine Re-
    lationen, der andre seufzt beim Unterricht, und der macht
    Rezensionen, der schilt die sündge Seele aus und der
    flickt ihr verfallnes Haus. O jerum, etc.
  5. Allein das rechte Burschenherz kann nimmermehr
    erkalten; im Ernstes wird, wie hier im Scherz, der rechte
    Sinn stets walten; die alte Schale nur ist fern, geblieben ist
    uns doch der Kern, und den laßt fest uns halten! -O
    jerum, etc.
  6. Drum, Freunde ! reichet euch die Hand, damit es sich
    erneue, der alten Freundschaft heilges Band, das alte Band
    der Treue. Klingt an und hebt die Gläser hoch, die alten
    Burschen leben noch, noch lebt die alte Treue. O jerum, etc.

Als sogenannte Poiytechnikerstrophe kann vor Strophe 5 eingesdioben werden:
(Auf der Strecke schraubt und spannt das Fadenkreuz
der eine, der andre seufzt beim Blockverband, und der setzt
Ziegelsteine; der kocht aus Rüben Zuckersaft und der aus
Wasser Pferdekraft. 0 jerum, etc. )

Wir lugen hinaus

  1. Wir lugen hinaus in die sonnige Welt alizeit mit lachenden
    Augen; des fahrenden Volkes durstigem ;Schlag mag Frohes und
    Freies nur taugen. Wir wandern und singen, und naht das
    Glück, so packen wir’s hurtig beim Kragen, und trinken den
    Wein und küssen die Maid und lassen den Eulen das Klagen, und
    trinken den Wein und küssen die Maid und lassen den Eulen
    das Klagen.
  2. Die Schriften der Alten studierten wir gut: Sie haben ins
    Schwarze getroffen, Anakreon und Horatius, die größten der
    Philosophen. Drum, Alter, laß ab von scheltendem Tun, und
    denke der Sühne, der lieben, /: und denke der Zeit, wo du voreinst
    vielleicht es noch arger getrieben! : /
  3. Ein Weilchen nur w5,hrt’s, sind Sans und Braus vom Strudel
    des Lebens verschlungen: die tobenden Wogen der Jùgendlust,
    die himmelan jauchzend gesprungen. Philister heißt man und
    alles ist aus; und die am tollsten gewettert, sind still und stumm,
    die Lieder vertünt, die Becher der Freude zerschmettert.
  4. (Belebt) Drum heisa, hallo und dreingehaut! Zum Teufel mit
    Kummer und Sorgen! Laßt kreisen das Horn, bis Hahnenschrei
    verkündet den kommenden Morgen. Zum Trübsalblasen kommen
    wir noch, wollt Blondhaar silbern dem Greise: Es lebe die selige
    Jugendzeit, Holdlieb und die launige Weise !

Wohlauf, die Luft geht frisch und rein

  1. Wohlauf, die Luft geht frisch und rein, wer lange sitzt, mufi
    rosten; den allersonnigsten ”Sonnenschein l Ut uns der Rimmel
    kosten. Jetzt reicht mir Stab und Ordenskleid der fahrenden
    Scholaren, ich will zu guter Sommerzeit ins Land der Franken
    fahren! Valleri, vallera, valleri, vallera, ins Land der Franken
    fahren!
  2. Der Wald steht grün, die Jagd geht gut, schwer ist das
    Kbrn geraten; sie kSnnen auf des Mains Flut die Schiffe
    kaum verladen. Bald hebt sich auch das Herbsten an, die Kelter
    harrt des Weines; der Winzer Schutzherr Kilian beschert uns
    etwas Feines. / : Valleri, vallera, : / beschert uns etwas Feines.
  3. Wallfahrer ziehen durch das Tai mit fliegenden Standarten,
    heil grüßt ihr doppelter Choral den weiten Gottesgarten. Wie
    gerne wär ich mitgewallt, ihr Pfarr wollt mich nicht haben! So
    muß ich seitwsrts durch den Wald als räudig Schäflein traben.
    Valleri, usw.
  4. Zum heilgen Veit von Staffelstein komm ich emporgestiegen
    und seh die Lande um den Main zu meinen Füßen liegen: Von
    Bamberg bis zum Grabfeldgau umrahmen Berg und Hügel die
    breite, stromdurchginzte Au, ich wollt, mir wùchsen Flügel !
    Valleri, usw.
  5. Einsiedelmann ist nicht zu Haus, dieweil es Zeit zu
    mdhen; ich seh ihn an der Haldë draus bei einer Schnittrin
    stehen. Verfahrner Schüler Stolgebet heißt: Herr, gib uns zu
    trinken! Doch wer bei schbner ‘Schnittrin steht, dem mag man
    lange winken. Valleri, usw.
  6. Einsiedel, das war mißgetan, daß du dich hubst von hinnen