Rull de Waak

Schlusswort des Autors 1997


Was die nun folgenden Zeilen ausdrücken, finden die Leser anderer Bücher gewöhnlich im Vorwort oder in der Einleitung. Weil aber das Vorwort ohnehin stets erst zum Schluß formuliert wird, warum sollte es nicht auch dort stehen? Auch ist bekannt, daß die überwältigende Mehrheit Vorwörter überhaupt nicht liest. Ein weiterer Vorzug dieser Methode ist, daß ich nun den Text als bekannt voraussetzen und den Leser fragen kann:

War es das was Sie erwartet hätten?

Das wird vermutlich nicht jeder bejahen können. Einige hätten gerne eine Auflistung der vielen feierlichen Höhepunkte wie den Besuch des Großherzogs von 1977, der hier gar nicht vorkommt) und ein Hochlebenlassen der bedeutenden Absolventen, der Professoren und des akademischen Lebens schlechthin gesehen. Dazu hätte dann auch eine Verklärung der Ideale der Jugend und der schönen Erlebnisse der Studentenzeit gehört. Robert Loesch alias Sippy hatte wohl sowas vorgeschwebt, als er 1968 anfing Dokumente und Fotos für eine ins Auge gefaßte Festschrift “hundert Jahre RWTH” zusammenzustellen. Er hatte auch eine Absolventenliste angeregt und in seinem Brief an den AVL vom 1.3.1968 befunden.

“Voilà un petit travail pour un jeune Luxembourgeois”.

Diese hatten die entsprechende Arbeit jedoch gescheut und den alten Recken im Regen stehen gelassen. Wohl nur ein “Alter Herr”, der bereits innerlich und äußerlich zum realen Studentenleben Abstand gewonnen hat, hätte solch ein Werk schreiben können. Doch Sippy starb 1969 und erlebte das große Fest nicht mehr. Er hatte allerdings das Material seinen Füchsen Quick und Kluef gegeben und so konnten Teile davon in “Rull de Waak” integriert werden.

Nein, eine solche Arbeit konnte nicht mein Ziel sein. Auch erspart “Rull de Waak” einigen “Bedeutenden” die peinliche Feststellung, daß nun ausgerechnet jene Leute mit ihm renommieren, mit welchen ihn seinerzeit nur wechselseitige Verachtung verband.

Andere hätten von den Studenten einer Ingenieurschule einen eher technischen Beitrag erwartet; Beispiele moderner, heute gelehrter Technik. Wenngleich solche Publikationen in Festschriften beliebt sind, stellen sie doch meist nur eine Verlegenheitslösung dar, in einer solchen aber sind wir nicht!

“Rull de Waak” legte vielmehr Wert auf eine Durchleuchtung der gesellschaftlichen, politischen und wirtschaftlichen Hintergründe der Vereinsgeschichte. Ein wirklich wissenschaftliches Werk ist dennoch nicht entstanden. Wohl ist unsere Geschichte reichhaltig genug und auch das recherchierte Material hätte wohl gereicht ganze Dissertationen für die Soziologenfakultät zu liefern. Die vorliegende Schrift ist, gewissermaßen ein, von wirtschaftlichen Gesichtspunkten diktierter Kompromiss: nicht die Kürze und Belanglosigkeit einer Eloge, und nicht die Tiefe (und Langatmigkeit) einer Studienarbeit.

Begonnen hatte ich meine Nachforschungen gleich 1990, nach meiner Wahl zum Schatzmeister des AVL. Der Verein war kurz zuvor vom ehemaligen Pressesprecher Dr. Gerd Wassenberg auf sein Gründungsjahr aufmerksam gemacht worden. 1989 hatte ich den dürftigen Beitrag über Studenten der Ausstellung zu unserer 150 jährigen Unabhängigkeit gesehen, wo Studententum ein Unterkapitel des Themas “Auswanderung” war. Anfangs vervollständigte ich nur das alte Archiv des AVL durch Nachfragen bei Ehemaligen. Ab 1992 suchte ich die Namen aller Absolventen aus dem Hochschularchiv. Zufällig stieß ich, durch Vergleich dieser Liste mit jener der Ehrenmitglieder aus dem Kassenbuch auf Alfred Seeburger und Hubert Heisbourg. Diese empfahlen mich an Egon Zander und André Funck und so begann ich die AHAH, zunächst allgemein dann gezielt, nach ihrer Studentenzeit in den 20er Jahren zu befragen. Insbesondere mit Egon Zander führte ich einen mehrjährigen Briefwechsel. Er erwies sich als ein besonders objektiver, nüchterner Zeitzeuge, weshalb seine Aussagen besonders wertvoll sind.

Vorarbeiten zu ” Rull de Waak” waren seit seinem Bestehen im “Um Karel” veröffentlicht worden. Das ermöglichte ein Feedback welches Anstöße für neue Suchrichtungen gab und verschollene Dokumente wieder auftauchen ließ. Angeregt zu weiteren Nachforschungen wurde ich von Tom Theves, der ungefähr dieselbe Arbeit für die LL wie ich für den AVL tätigt. Nicht nur das Wälzen der Luxemburgensia, auch etwas Genealogie wollte betrieben sein, um Dokumente bereits Verstorbener ausfindig zu machen. An dieser Stelle möchte den folgenden Absolventen und Angehörigen und Nachfahren für ihre Unterstützung und/oder für die Bereitstellung von Lichtbildern danken:

In der Reihenfolge wie ich sie aufgesucht habe, oder sie sich bei mir meldeten:

  • Robert Schanen,
  • Mme Jean Tonteling,
  • Mme Louis Kesseler,
  • Roland Conter,
  • Jean Thielen,
  • Hubert Heisbourg † 1992,
  • Mme Heisbourg,
  • Alfred Seeburger
  • Egon Zander † 1997
  • Norbert Pütz,
  • Mme Joseph Damman,
  • Eduard Michels,
  • Guy de Muyser,
  • Jean Heusbourg,
  • Jean-Louis Knaff,
  • Nelly Moia,
  • Norbert Mergen,
  • Andre Funck,
  • Bob Frommes † 1995,
  • Frangois Kremen,
  • Jean-Luc Mousset,
  • Gilbert Santer,
  • Edgar Steffes,
  • Jean Quintus und
  • Louis Philippe III..

Bei der Literaturrecherche waren besonders behilflich, Frau Dr. Lutz und ihr WiMi Frau Brumund vom Hochschularchiv der RWTH, die Farbenbrüder vom Corps Montania, und der Journalist Herr Reinhard Roericht.

Für das Korrekturlesen und die kritische Auseinandersetzung mit dem Text, welche zur vorliegenden fertigen Form führten bin ich Andre Detaille, Serge Simon, Gerad Thiel, Frank Thomé und Mike Wolter dankbar. ” Die Kommata setzte” Deutschlehrer Dit Busch,

Beachten Sie bitte noch die Literaturhinweise und die Liste der Vorstände ab 1950.Die Namen vor 1934 sind wegen fehlender Protokollbücher nur teilweise bekannt und wurden hier nicht abgedruckt.

Daniel Erpelding, alias Wiesel. Aachen 1997

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