Jean Thielen, alias Quick, Neugründungspräsident des AVL, welcher 1952 Vizepräsident des AVL an der Aktion beteiligt war, sammelte die von Zeitungsartikel aus den Aachener Nachrichten. Leider notierte er sich die Daten nicht. Nur bei einem (Nummer 3) sind wir ganz sicher wann er erschien, denn da hatte er die Kopfzeile mit dem Datum mitausgeschnitten. Die anderen mussten wir aus dem Kontext erraten.
Die Titel in der Überschrift, hinter dem Doppelpunkt (:) sind die Originaltitel von 1952
Die Aachener Nachrichten erscheinen seit 1945 täglich.
Zeitungsartikel 1: Der Apfel ist ab
[Erschien vermutlich am Sonntag den 16. Juni 1952.]
Kaiser Karls Reichsapfel schon wieder gestohlen
Vom Kaiser-Karls-Denkmal auf dem Marktbrunnen ist in der Nacht der Reichsapfel schon wieder gestohlen worden. Ein Polizist bemerkte am Samstagmorgen bei einem Kontrollgang, daß „der Apfel ab war“. Es handelt sich vermutlich wieder um einen Studentenulk.
Das Anfang des 17. Jahrhunderts in Dinant (Belgien) gestohlene Bronzestandbild mußte nach dem Kriege schon zahlreiche Attacken von angeheiterten Zechbrüdern über sich ergehen lassen. Zunächst hatte man das Schwert des Kaisers demontiert. An einem anderen Morgen fehlte seine Krone, die die Polizei später auf dem Haupt einer der vier Jungfrauen an der Hotmannspief wiederfand. Zweimal verschwand auch schon der Reichsapfel. In allen Fällen tauchten die Insignien früher oder später wieder auf.
Zeitungsartikel 2: “Wir werden noch mehr putzen”
[Erschien vermutlich am Montag den 16. Juni, vielleicht am 17. Juni 1952. Denn die Luxemburger brachten den Apfel erst in der Nacht von Sonntag auf Montag zurück, also stieg der Redakteur frühestens am Montag hoch.]
Der Reichsapfel kehrte golden glänzend wieder zurück — Gespräch mit dem anonymen “Attentäter”
Das gestrenge Auge des Gesetzes war es, dem es am Samstagmorgen auffiel, daß Kaiser nun zum dritten Male, der Reichsapfel entrissen war. Das meldeten wir gestern und vermuteten richtig, daß hier wieder Studentenhände am Werk gewesen waren. Heute dürfen wir bekannt geben: der Apfel ist wieder da! Und beim ersten Blick auf den Wiedergeschenkten möchte man sogar meinen, dass er uns schöner denn je zurückgegeben wurde. Er glänzt, als sei er aus purem Gold. Studenten haben ihn geputzt! Da sie offenbar Wert darauf legten, daß ihr Streich nicht als lächerliches Plagiat an gesehen werden könnte, rief einer von ihnen die Lokalredaktion der “Aachener Nachrichten” an und orientierte sie über die “Hintergründe” der Tat. Vorsorglich sprach der Herr am anderen Ende des Drahtes mit einem deutlichen französischen Akzent. geruhte mitzuteilen:
Der Apfell ist wieder da! Wir ‘aben ihn geputzt. Jawohl, wir ‘aben ihn mit ‘ilfe von einigen Menschen in der Pontstraße poliert. Und wir werden noch mehr putzen, wenn sich die Stadt Aachen nicht Darum kümmert. Falls Sie uns nicht glauben, gehen Sie und holen sich den Zettell aus dem Apfell. Darauf steht unser Signum!
Selbstverständlich kletterte ein Mitglied der Lokalredaktion, unauffällig beschattet – es konnte ja eine ahnungslose Streife des Weges kommen – von einem instruierten Kriminalbeamten, an Kaiser Karl auf dem Markt empor. Tatsächlich, als es am Ende der artistischen Aktion gelang, den goldglänzenden Reichsapfel aus der Hand des Aacheners Schutzpatrons zu haben, fiel ein kleiner Zettel heraus1.

Er war aus Dokumentenpapier und mit wetterfester Tusche bemalt. Wir ließen ihn klischieren, damit sein gewichtiger Inhalt gebührend verbreitet werde. Enttäuscht werden der “Attentäter” und Kumpane nun wahrscheinlich sein, wenn ihr vielleicht wohlgemeintes Reinigungswerk nicht als positive Leistung in die Geschichte der Stadt eingehen wird. Jedenfalls ist die Aachener Denkmalspflege betrübt über den geputzten Reichsapfel, denn die echte jahrhundertealte Patina ist nun dem Putzteufel zum Opfer gefallen. Ein Schlossermeister muß beauftragt werden, der sie künstlich wiederherstellen soll. Besonders bekümmert ist die Aachener Denkmalspflege, weil diese Patinierung natürlich wieder Geld kostet. Sie hat ja kaum 700 DM zur Verfügung pro Jahr, mit denen sie alle Brunnen und Denkmäler baulich instand halten muß. Aber vielleicht bringt der Herr mit dem französischen Akzent in dieser Frage die gleiche Aktivität auf wie bei der Polierungsaktion, nachdem er nun belehrt ist, daß Patina nicht gleichbedeutend mit Schmutz ist.Zu seiner Rechtfertigung mag aber dienen daß vor etwa zweihundert Jahren der Stolz der Stadt noch darin bestand, die ganze Statue des Karl in güldenem Glanze zu präsentieren. Erst seither wurde es Mode, der graugrünen Patina den Vorzug zu geben. Und der Mode muß man sich fügen, Monsieur, gerade in Ihrem Lande!
Zeitungsartikel 3: Ein „Helles” für Kaiser Karl
[Erschien in No. 136 Donnerstag, den 19. Juni 1952]
Kaiser Karl soll noch immer nicht seine Ruhe haben. Unbekannte, die sich übrigens das Vergnügen machten, uns zweimal im Laufe der Nacht anzurufen, um uns von ihren „Taten“ in Kenntnis zu setzen, haben im Laufe der Nacht Kaiser Karl ein Glas Wicküler in die Hand gedrückt. Allerdings – wer hätte das gedacht- enthielt das Glas nur klares Wasser.
Die Polizei entfernte das Glas, sicherte die daran befindlichen Fingerabdrücke und erkannte unter den vier davonlaufenden jungen Leuten einen mit einer roten Studentenmütze. Man hofft auf dem Wege über die Mütze, die Fingerabdrücke und den vorgestern auf dem Reichsapfel zurückgelassenen Zettel dem Täter auf die Schliche zu kommen.
Das dürfte für den oder die Attentäter noch unangenehme Folgen haben, nachdem der Rektor der TH, wie uns die Polizei versicherte, angekündigt bat, der Täter werde von der Hochschule entfernt.
Am Mittwochmorgen stellte die Polizei zwei junge Leute, die sich dem Karls-Brunnen mit Fotoapparaten näherten. Beide mußten jedoch wieder auf freien Fuß gesetzt werden, weil sie mit den nächtlichen Attentaten nichts zu tun hatten.
Zeitungsartikel 4: Kaiser Karl als Bademeister
[muss nach Freitag dem 20. Juni 1952 erschienen sein]
Studenten hatten eine neue „Idee“: Sie badeten in Brunnenbecken
Aber die Polizei erwischte sie — Der Reichsapfel ist wieder patiniert
Eine Gruppe von Studenten der TH scheint der Ueberzeugung zu sein, daß das Standbild des Aachener Schutzpatrons auf dem Markt, das beste Objekt für ihre „Streiche“ um Mitternacht sei. Aber die Polizei behält den Frankenkaiser seit den letzten Zwischenfällen gut im Auge. In der vergangenen Nacht erwischte eine Streife zwei „karlbesessene“ Studenten, als sie gerade dem Wasserbecken des Denkmals entstiegen. In kurzen Unterhosen gelang den beiden zunächst noch die Flucht. Einen davon, der dadurch gehandicapt war, daß er ein Fahrrad, auf dem ein Mantel, eine Hose und ein Paar Schuhe lagen,- mitschleppen mußte, ereilte jedoch das Schicksal. Zwei Stunden später gegen 3.30 Uhr faßten die Polizisten auch den zweiten, der noch immer, nur mit einer Unterhose und einem Sommermantel bekleidet war, auf dem Hühnermarkt
Gegen die beiden Studenten und zwei weitere, deren Personalien festgestellt werden konnten, erstattete die Polizei Anzeige wegen Erregung öffentlichen Aergernisses, groben Unfug und Benutzung eines Motorrades mit drei Personen.
Der von den Studenten vor einigen Tagen auf Hochglanz polierte Reichsapfel, wurde in der Zwischenzeit wieder patiniert und am Freitagmorgen zurück in die Hand des großen Karl gelegt (unser Bild). Damit er nicht wieder der Putzwut einiger Studenten zum Opfer fällt, wurde er von einem Schlossermeister gebührend befestigt.
- Abgelesener Text: Abgenommen
Am 13.6.52
Poliert: 13/14.6.52
Montiert: 15/16.6.52
Ln B.
T XX J
Techn. Hochschule [↩]
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