Zum Geleit

Im Jahre 1997 gab der AVL eine Festbroschüre für seine Hundertjahrfeier heraus. Den Löwenanteil dieses Heftes bildete der Text „Rull de Waak“, eine mehr oder weniger chronologische Ereignisgeschichte der Luxemburger Studenten in Aachen aus meiner Feder. Es war vermutlich der erste Text dieser Art, zumindest haben wir keinen anderen gefunden.

In den 25 Jahren, die seither vergangen sind, habe ich zwar nicht mehr so intensiv wie zuvor zu dem Thema geforscht, verschloss aber auch nicht Augen und Ohren, wenn mir etwas auffiel oder neue Informationen an mich herangetragen wurden:

  • Bereits die Verbreitung der Broschüre von 1997 brachte viele Berichtigungen und neue Erkenntnisse durch die Rückmeldungen der Leser.
  • „Rull de Waak“ erschien kurz bevor sich das World Wide Web durchsetzte. Durch die Bereitstellung des Textes und Teile der bis dahin erschlossenen Quellen unter dem Namen „AVLhistory“ im Internet1 wurde das Projekt einem viel größeren Personenkreis bekannt und es meldeten sich weitere Menschen mit interessantem Material. Unter diesen möchte ich Nicole Hartmann und Juliette Geib hervorheben, beide Nachfahren von Studenten aus den Anfangstagen des AVL.
  • Eine weitere, wichtige neue Quelle waren die inzwischen digitalisierten Luxemburger Tageszeitungen die unter www.a-z.lu, einem Projekt der Luxemburger Nationalbibliothek, zu finden sind. Hier konnten vor allem biographische Details zu alten Aachener gefunden werden, was wir in den frühen 1990ern kaum für möglich gehalten hätten.
  • Fortgeschrittene Digitalisierungserfolge gibt es inzwischen auch beim Hochschularchiv der RWTH, wenn auch nicht ganz so weitgehend wie bei der Nationalbibliothek. Musste der Autor bespielsweise beim Zusammenstellen der Liste Luxemburger Vorkriegsstudenten2 in den 1990er Jahren noch mühsam altdeutsche Handschriften in den Matrikelbüchern entziffern, so konnte er diesmal bequem eine Exceldatei auslesen, welche ihm das Hochschularchiv freundlicherweise zur Verfügung gestellt hat3.

Alles schrie nach einer Neufassung oder wenigstens einer überarbeiteten Neuauflage von „Rull de Waak“. Es stellte sich aber spätestens 2016 heraus, dass mir alleine, selbst für einen solchen überarbeiteten Text Zeit und Energie fehlen würden. Erfreulicherweise fanden sich nach meinem Aufruf in unserer Vereinszeitschrift „Um Karel“ No 60 im Juli 2020, zum Ende jenes Jahres dann auch eine ganze Reihe von Mitarbeitern in einer Arbeitsgruppe zusammen. Leider erreichten wir das selbst gesteckte Ziel nicht vollständig.

Die nun vorliegenden Arbeiten sind ein Kompromiss! Diese Schrift ist keine Überarbeitung von „Rull de Waak“, sondern enthält nur eine wesentlich kürzere und unvollständige Chronologie, welche nur bei ganz neuen Erkenntnissen ins Detail geht und zudem um 1959 endigt. Stattdessen haben meine Kollegen und ich verschiedene Aufsätze geschrieben, welche einzelne Aspekte unserer Geschichte genauer untersuchen:

  • Sophie Hellinghausen widmete sich der Rolle der Frau in unseren beiden Vereinen.
  • Pascal Theis grub seinen alten Karel Artikel4 von 2009 aus und beschrieb seine Zeit als Dirigent des berühmten Aachener Männerchors in den Nuller Jahren.
  • Diesem Erfahrungsbericht, wie das so ist, wenn man den Aachener Chor dirigiert schlossen sich 2024 seine Nachfolger Philippe Weides und Ben Graas an und ergänzten ihn um ihre eigenen Erlebnisse.
  • Jean-Marie Strasser beschrieb wie in den frühen 2000er Jahren, die Digitalisierung auch für den AVL immer wichtiger wurde und schilderte, wie eine Gruppe ungenannter Studenten in denselben Jahren die Figur von Kaiser Karl entführte, diese aber wieder freiließen.
  • Die jüngere Generation brachte sich ein mit Felix Rippinger, der auf einen Aspekt der sportlichen Seite unseres Vereinslebens einging und mit
  • Lynn Aachen, welche die Bedeutung des jährlichen Staffellaufs von Aachen in eine der Gemeinden unseres Heimatlandes, sowie die der neueren Tradition der „Kulturreise“ zusammenfasste. Darüberhinaus steuerte sie auch einen aktuellen Bericht bei und schilderte, wie die Coronakrise 2020-2022 auch die Aachener Studenten im Griff hatte.
  • Besonders hervorheben möchte ich die beiden Gastbeiträge von Nicole Hartmann und Felix Papier, welche für uns eine Biographie ihrer jeweiligen Vorfahren Camille Keiffer beziehungsweise Felix Papier schrieben.
  • Von mir selber dann eine weitere Biographie, und zwar jene des ersten ausgezeichneten Absolventen der RWTH, ein höchstspekulativer Essay zu unserer Vereinsgründung und natürlich die Listen. Z.B. die der Comités mit den Namen aller die, soweit uns bekannt ist, ein Amt in den jeweiligen Vorständen des Studenten- und des Ehemaligenvereins bekleidet haben, das ganze mit einer kleinen, die Begriffe erläuternden Einleitung. Am Ende bieten wir noch eine kleine Zeittafel, wo für den Leser ein paar Ereignisse zusammenstellt sind, denen wir eine gewisse Bedeutung für unsere Geschichte zumessen. Einige davon sind in den einzelnen Artikeln genannt, andere in „Rull de Waak“ und weitere wurden bis jetzt noch nie behandelt.

Die vorliegende Festschrift soll denn auch kein Schlusspunkt sein, im Gegenteil. Wir wollen die Gelegenheit nutzen, und unsere Leser um ihre Mithilfe bitten, damit wir auch den zweiten Teil der Chronologie schreiben können, der AVL ab 1960! Wir suchen weitere Fotos, Briefe, andere Dokumente, eure Erinnerungen… Dank der Zusammenarbeit mit dem Luxemburger Nationalarchiv (ANLux) die unser Vereinsarchiv verwalten, verfügen wir über einen Ort wo sie, wenn dies gewünscht ist, verwahrt und fachkundig konserviert, ja restauriert werden können! Auch planen wir die Veröffentlichung von Biographien ehemaliger Aachener Studenten und Studentinnen und haben dafür auf unserem Auftritt im Netz unter aachen.lu/avlhistory/personen/biographien/ einen Platz vorgesehen, wo, neben den erwähnten, jetzt schon weitere Biographien zu finden sind. Jeder kann mitmachen, es muss kein Vorfahre sein, auch Autobiographien wären höchst willkommen.

Geschrieben haben wir die Texte natürlich in erster Linie für unsere Mitglieder, sie richten sich aber an alle interessierten Leser, insbesondere natürlich an alle die einen Bezug zu einer der Aachener Hochschulen haben. Denn wir sind der Meinung, unsere Geschichte ist Teil der Aachener Hochschulgeschichte.

Ich wünsche dem Leser nun viel Freude beim Lesen.

 

Luxemburg im September 2024

Daniel Erpelding


  1. Eine erste Fassung ging schon im Jahr 2000 online. Seit 2004 beherbergt der Auftritt des Ehemaligenvereins das Projekt. Der Leser findet es unter aachen.lu/AVLhistory. []
  2. Siehe den Artikel „Die Entwicklung der Zahlen der Luxemburger Studenten in Aachen“. []
  3. Per Email am 22. März 2021, gezeichnet Janine van den Eynden. []
  4. Es war im „Um Karel No 38“, Seite 6 bis Seite 21. []