Der nachstehend Text erschein in den Aachener Nachrichten im Juni 1952
“Wir werden noch mehr putzen”
Der Reichsapfel kehrte golden glänzend wieder zurück — Gespräch mit dem anonymen “Attentäter”
Das gestrenge Auge des Gesetzes war es, dem es am Samstagmorgen auffiel, daß Kaiser nun zum dritten Male, der Reichsapfel entrissen war. Das meldeten wir gestern und vermuteten richtig, daß hier wieder Studentenhände am Werk gewesen waren. Heute dürfen wir bekannt geben: der Apfel ist wieder da! Und beim ersten Blick auf den Wiedergeschenkten möchte man sogar meinen, dass er uns schöner denn je zurückgegeben wurde.Er glänzt, als sei er aus purem Gold. Studenten haben ihn geputzt! Da sie offenbar Wert darauf legten, daß ihr Streich nicht als lächerliches Plagiat an gesehen werden könnte, rief einer von ihnen die Lokalredaktion der “Aachener Nachrichten” an und orientierte sie über die “Hintergründe” der Tat. Vorsorglich sprach der Herr am anderen Ende des Drahtes mit einem deutlichen französischen Akzent. geruhte mitzuteilen:
,,Der Apfell ist wieder da! Wir ‘aben ihn geputzt. Jawohl, wir ‘aben ihn mit ‘ilfe von einigen Menschen in der Pontstraße poliert. Und wir werden noch mehr putzen, wenn sich die Stadt Aachen nicht Darum kümmert. Falls Sie uns nicht glauben, gehen Sie und holen sich den Zettell aus dem Apfell. Darauf steht unser Signum!”
Selbstverständlich kletterte ein Mitglied der Lokalredaktion, unauffällig beschattet – es konnte ja eine ahnungslose Streife des Weges kommen – von einem instruierten Kriminalbeamten, an Kaiser Karl auf dem Markt empor. Tatsächlich, als es am Ende der artistischen Aktion gelang, den goldglänzenden Reichsapfel aus der Hand des Aacheners Schutzpatrons zu haben, fiel ein kleiner Zettel heraus.

Er war aus Dokumentenpapier und mit wetterfester Tusche bemalt. Wir ließen ihn klischieren, damitsein gewichtiger Inhalt gebührend verbreitet werde. Enttäuscht werden der “Attentäter” und Kumpane nun wahrscheinlich sein, wenn ihr vielleicht wohlgemeintes Reinigungswerk nicht als positive Leistung in die Geschichte der Stadt eingehen wird. Jedenfalls ist die Aachener Denkmalspflege betrübt über den geputzten Reichsapfel, denn die echte jahrhundertealte Patina ist nun dem Putzteufel zum Opfer gefallen. Ein Schlossermeister muß beauftragt werden, der sie künstlich wiederherstellen soll.Besonders bekümmert ist die Aachener Denkmalspflege, weil diese Patinierung natürlich wieder Geld kostet. Sie hat ja kaum 700 DM zur Verfügung pro Jahr, mit denen sie alle Brunnen und Denkmäler baulich instand halten muß. Aber vielleicht bringt der Herr mit dem französischen Akzent in dieser Frage die gleiche Aktivität auf wie bei der Polierungsaktion, nachdem er nun belehrt ist, daß Patina nicht gleichbedeutend mit Schmutz ist.Zu seiner Rechtfertigung mag aber dienen daß vor etwa zweihundert Jahren der Stolz der Stadt noch darin bestand, die ganze Statue des Karl in güldenem Glanze zu präsentieren. Erst seither wurde es Mode, der graugrünen Patina den Vorzug zu geben. Und der Mode muß man sich fügen, Monsieur, gerade in Ihrem Lande!
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