Die Comités des Akademischen Vereins d’Letzeburger und der Amicale

Zusammengestellt von Daniel Erpelding

Wie die meisten Vereine, hat und hatte der AVL immer einen Vorstand. Aufgabe eines Vorstandes ist es, den Verein nach außen zu vertreten, vor allem aber die laufenden Geschäfte zu erledigen. In demokratischen Ländern wird der Vorstand in aller Regel gewählt, so auch beim AVL. Der Verein war im Laufe seiner Geschichte unterschiedlichen Satzungen (Statuten) unterworfen, und die Aufgaben, die der Vorstand wahrnehmen sollte, änderten sich gelegentlich. Daher werden in den Listen unten unterschiedliche Bezeichnungen für die jeweiligen Vereinsämter auftauchen, je nach gerade geltender Satzung.

Das Gremium wurde vor dem Krieg und bis zur großen Reform Ende der 1950er Jahre offiziell „Vorstand“, seine Amtsträger Chargierte genannt, denn der Verein war eine an der RWTH eingetragene Körperschaft und seine Statuten wurden dem Rektor bei jeder Änderung zur Genehmigung vorgelegt. Danach wurde der Vorstand, dem allgemeinen Luxemburger Vereinsgebrauch entsprechend, immer “Comité” genannt, inoffiziell sehr wahrscheinlich auch schon vorher.

Vereinssämter

Es gibt drei Ämter, die nahezu jeder Verein kennt, weil es die klassischen Aufgaben sind, die an einen Vorstand gestellt werden:

  1. Jemand, der das Ganze oder zumindest die Sitzungen mehr oder weniger leiten soll,
  2. jemand, der die Schriftführung erledigen muss und
  3. jemand, der das Vermögen, in aller Regel Ein- und Ausgaben, verwalten muss.

Die ersten Satzungen des Vereins, von denen wir leider nicht genau wissen, wann sie erlassen wurden beschreiben die Ämter wie folgt:

§18.

Der Vorstand des Vereins besteht aus dem Präsidium (I. Chargierter), dem Schriftwart (II. Chargierter) und dem Kassenwart (III. Chargierter) Die Charge wird denselben durch die Wahl erteilt, und zwar mittels geheimer Abstimmung. Es dürfen bei jeder Wahl drei Mitglieder von jedem einzeln gewählt werden. Stimmenmehrheit entscheidet, bei Stimmengleichheit entscheidet das Los; für die Wahl des Präsidiums sind 2/3 Stimmenmehrheit erfordert.

Außer dem Vorstand fungieren im Verein noch ein Kneipwart und ein Exkursionswart, die vom Vereinsconvent bestätigt werden.

Der wichtigste Mann war also das Präsidium, gefolgt vom Schriftwart und dem Kassenwart, wir würden heute von Präsident, Sekretär und Kassierer sprechen. Die Studenten des Vorkriegs-AVL bevorzugten dabei im Sprachgebrauch die Bezeichnungen erster, zweiter und dritter Chargierter1.

Es gibt keinerlei Belege, dass die Ämter Kneipwart und Exkursionswart jemals einzeln besetzt waren. Vermutlich wurden deren Aufgaben zumeist von einem der drei Chargierten mit übernommen, so wie Egon Zander uns für das Sommersemester 1925 versicherte2: „Ich war Schatzmeister, Organisator der Ausflüge und produzierte die Biermimiken3.“.

Gut belegt ist hingegen die Besetzung eines Amtes, das in den Statuten gar nicht erwähnt wurde: der Fuchsmajor! Die alten Satzungen unterteilten nämlich die Mitglieder einerseits in aktive und inaktive und andererseits in Füchse und Burschen. Nur Burschen war wahlberechtigte Vollmitglieder:

§9.

Füchse können kein Vereinsamt versehen; auch ist ihnen im ersten Semester das Stimmrecht, ausgenommen in Geldangelegenheiten, entzogen.

Auch wenn es in den Statuten so nicht drinsteht, wollte es das Brauchtum, dass die Studenten erst nach ihrer „Taufe“ Burschen wurden. Bis dahin waren sie Füchse und hatten sich mit dem Verein, seinen Regeln und Gebräuchen vertraut zu machen und wurden dabei vom Fuchsmajor, in der Regel ein älterer erfahrener Bursche, betreut. Auf Fotos ist der Fuchsmajor stets gut am Fuchsschwanz zu erkennen, der am Barrett festgemacht wurde. Die Statuten von 1915 führen den Fuchsmajor in §19 dann aber unter den minder wichtigen Ämtern auf. Er gehörte ebenso wenig zum Vorstand wie z.B. die Kassenrevisoren. Wir wollen ihn in unseren Listen aber so behandeln, als wäre er Vorstandsmitglied gewesen, weil das Amt wohl doch wichtig und beliebt war. In den Statuten von 1952, im Wesentlichen eine Überarbeitung jener von 1915, taucht er dann gleich doppelt auf: einmal als Vorstandsmitglied und ein weiteres Mal als fakultativ zu besetzendes Amt. Nach 1953 verlor sich aber offenbar das Interesse an dieser Charge, sie wurde nicht mehr besetzt.

Als der Verein nach 1933 stark schrumpfte, wurden die Vereinsämter nicht mehr belegt4. In Pressemitteilungen ist aber nach wie vor ein erster Chargierter benannt.

Die Statuten von 1952 benennen zum ersten Mal auch ein weiteres Amt: den Vize-Präsidenten! Interessanterweise dachten sich die Studenten die Vize-Präsidenten eher als eine Art Ehrenpräsidenten:

§27.

(..)

Die Charge des Vize-Präsidiums wird jeweils von dem abtretenden rangältesten Chargierten eingenommen.

Und in der Tat war der Neugründungspräsident Jean Thielen 1952 auch der erste, dem sie angetragen wurde. Der Hintergrund war allerdings der, dass der eigentliche Präsident im WS 1952/53 längere Zeit abwesend war, weil er ein Industriepraktikum absolvierte und daher auf seinen Vorgänger zurückgegriffen wurde5.

Die heute gängige Praxis, dass der Vize-Präsident der Präsident in Wartestellung für das nächste Jahr ist, beobachten wir 1968 zum ersten Mal, als der Vize-Präsident von 1967 zum Präsidenten gewählt wurde.

Das nächste wichtige Amt, das neu hinzukam, ist das des Sportwartes, denn ab Mitte der 1950er verfügte der AVL über starke Spieler, vor allem in den Sportarten Fußball und Basketball. Unter den Statuten ab Ende der 1950er Jahre als „préposé des sports“ bezeichnet, im Volksmund spätestens seit den 1980er Jahren aber „Sportsminister“ genannt.

Ab Ende der 1980er kam dann der „Kulturminister“ hinzu, dessen vornehmliche Aufgabe es ab WS 1990/91 war, dass er die neugegründete Vereinszeitung „Um Karel“ herausgab.

Nachdem sich das World Wide Web, im Volksmund „Internet“ genannt, durchgesetzt hatte, brauchte der Verein nun auch einen Webmaster. Dieser wurde oft nicht gewählt, sondern kooptiert da sich einerseits nicht immer jemand fand, der die notwendigen informationstechnischen Fertigkeiten zur Wartung und Entwicklung des Internetauftrittes aufweisen konnte, andererseits aber sich die scheidenden Webmaster keine vollständige Comitéscharge mehr leisten konnten oder wollten.

Ab 2010 hat sich das Bild dann stark diversifiziert. Offiziell heißen die Chargen weiterhin „Membre“, zu Deutsch „Mitglied“. Aufgeführt werden sie in Mitteilungen, und von dieser Praxis abgeleitet auch in unserer Liste, nicht mit einem Titel, sondern mit der Angabe der konkreteren Aufgabe wie z.B. Relations Publiques, Affaires Culturelles, Relations Cercles / ACEL und Responsable Events.

Wahlen

In der Verbindungszeit wurde der Vorstand jedes Semester neugewählt, die ältesten Statuten verfügten:

§19.

Die Wahl des Vorstandes hat vor Schluß jedes [sic] Semesters zu geschehen.

Die Statuten von 1915 passten nur die Grammatik ein wenig an und verfügten „Die Wahl des Vorstandes hat vor Schluß jeden Semesters zu geschehen“. Die von 1952 legten sich nicht mehr fest, wann die Wahl zu erfolgen hätte.

Um 1958 – 1960 gab sich der Verein neue Statuten. Diese waren auf Französisch verfasst und brachen größtenteils mit der Tradition der Verbindung. Ein genaues Datum lässt sich wegen fehlender Quellen und mangelnder Schärfe in den Erinnerungen der Protagonisten nicht mehr ermitteln. Die Statuten legten nicht fest, wann der Vorstand gewählt werden sollte und auch nicht für wie lange. Der semesterweise Wechsel blieb aber bis zum Sommersemester 1961 üblich. Ab da amtierte der Vorstand für jeweils ein Jahr. Ab 1964 wurde die Wahl vom Mai in den Februar oder Januar vorverlegt.

Anmerkung zu den Listen

An solche Listen werden unterschiedliche sich oftmals widersprechende Anforderungen gestellt (übersichtlich, kompakt, vollständig mit Quellenangabe, usw.). Wie die Geschichte der meisten menschlichen Zusammenschlüsse, verlief auch unsere nicht geradlinig, sondern es gab Rücktritte, Absetzungen, Umbildungen etc.

Um dem Leser ein übersichtliches Format bieten zu können, lassen wir die Quellenangaben in der Liste weg und verweisen den interessierten Leser stattdessen auf unseren Internetauftritt. Dort werden die Listen auch laufend aktualisiert, sollten sich neue Erkenntnisse einstellen. Aktualisierte elektronische Versionen sind zu finden unter:

AVL: http://www.aachen.lu/avlhistory/personen/comite/
Amicale: http://www.aachen.lu/amicale/comite-amicale/anciens-comites/

Systematisch aufgezeichnet hat der Autor die Zusammenstellungen erst ab dem Zeitpunkt, an dem er selbst in den Vorstand gewählt wurde, also 1990. Die Gremien davor wurden anhand von Dokumenten und Zeugenaussagen rekonstruiert.

Die frühesten Gremien wurden anhand von Dokumenten wie z.B. Fotos, wenn sie beschriftet waren, oder sogenannten Couleurkarten nachgezeichnet. Es war nämlich damals wie heute bei den noch bestehenden Verbindungen üblich, dass ein Chargierter mit Angabe seines Amtes und der ehemaligen Ämter unterschreibt. Betrachten wir hierzu das Porträt von Nicolas Wagner alias Schotz im WS 1902, das er unterschrieb und seinem Freund Camille Keiffer schenkte:

beschriftete Bildrückseite:N. Wagner al. Schotz L! (xxx)(xx) x s/l Cam. Keiffer z frdl. Erg. Aachen W.S. 1902/03
Bild 65: Die Widmung auf Nic Wagners Portrait

Transkription:

N. Wagner al. Schotz L! (xxx)(xx) x
s/l Cam. Keiffer z frdl. Erg.
Aachen W.S. 1902/03

Hinter seinen Namen setzt er den Bierzirkel

Bierzirkel des AVL
Bild 66: Bierzirkel, abgekürzt : L!

Hinter den Bierzirkel setzt er dann ein Ausrufezeichen um zu verdeutlichen, dass er ordentlich getaufter Bursche ist und dahinter die ehemals bekleideten Ämter in Klammern und zum Schluss das Amt, das er gerade innehat. Er durchlief wohl das gesamte Cursus honorum:

X für Präsidium
XX für Schriftwart
XXX für Kassenwart

Der Rest des Satzes lautet ausgeschrieben:

Seinem lieben Camille Keiffer zur freundlichen Erinnerung Aachen Wintersemester 1902/03

Weitere Quellen sind Zeitungsartikel und Angaben von Zeitzeugen. Ursprünglich hatten wir große Teile der 20er und 30er Jahre anhand von zwei Zeitzeugen, Egon Zander † 1997 und Alfred Seeburger † 1998 rekonstruiert. Sie bewiesen dabei ihr gutes Gedächtnis, die meisten Angaben wurden später durch andere Quellen bestätigt.

Erst ab 1951 stehen AVL-eigene Quellen zur Verfügung, sie bleiben aber lückenhaft und ein paar Unsicherheiten konnten nicht ausgeräumt werden. Die Vorstände zwischen 1959 und 1976 sind sehr gut belegt dank der Eintragungen in die Protokollbücher des Vorstandes6. Nach 1976 wird die Quellenlage wieder schlechter, nun trugen die Sekretäre ihre Berichte nicht mehr in Bücher ein, sondern hielten sie auf losen Blättern fest und wir müssen leider feststellen, dass da einige verschwunden sein müssen. Oder es wurde gar nichts aufgeschrieben. Was wir wissen, ermittelten wir zumeist aufgrund der Mitteilungsschreiben an die Mitglieder (Courrier), oder die Anciens, an andere Vereine oder an die Regierung.

Wir haben die Liste „hierarchisch“ gestaltet und immer mit dem Präsidenten begonnen, dann der Vize- Präsident, der Schriftführer, der Kassenführer, Sportwart und dann die anderen Mitglieder. Trat ein Mitglied zurück, und das waren überraschend oft die Präsidenten, haben wir seinen Nachfolger stets direkt unter seinen Namen geschrieben, auch wenn er aufgrund seiner ursprünglichen Charge in der Liste weiter unten hätte stehen müssen. In einigen Jahren gab es so starke Veränderungen zum Wintersemester (z.B. 1968 oder 1996), dass wir es vorgezogen haben, eine neue Liste anzulegen.

Wir haben auch den jeweiligen Studiengang des Vorstandsmitgliedes angegeben. In der Regel nur das Hauptfach das er in der Zeit belegt hatte, in der er amtierte.

Der Lebensrhythmus eines Absolventen ist ein völlig anderer als der eines Studenten und das spiegelt sich auch bei der Besetzung des Vorstandes der Amicale wieder. Anders als beim Studentenverein wurde hier der Vorstand nicht jedes Jahr in toto neu bestimmt. Stattdessen wurden die Mitglieder einzeln gewählt, für ein jeweils vierjähriges (laut Statuten eigentlich nur dreijähriges) Mandat. Am Ende dieser Zeit stellt sich das Mitglied entweder zur Wiederwahl, oder räumt seinen Platz für ein jüngeres Mitglied.

In manchen Jahren sah der Vorstand die Notwendigkeit zur Erneuerung, es hatten sich aber keine Kandidaten gemeldet. In dieser Situation wurde schon mehrfach ein sehr altertümliches, inoffizielles Verfahren angewandt, eine Abwandlung des Rufes zu den Waffen des Vercingetorix von 52 v. Chr. Die Versammlung beschloss:

wer als letzter erscheint muss in den Vorstand!7

Die Vorstände der Amicale vor 1951 sind nur sehr lückenhaft bekannt, darum geben wir sie hier nicht wieder. Zwischen 1960 und 1970 ruhte die Aktivität des Vereines mehr oder weniger. Erst 1970 wurde der Verein nach einem Aufruf des Präsidenten mit einer Versammlung im Parc Hotel wiederbelebt8. Darum sparen wir den genannten Zeitraum hier auch aus.

AVL a verschidden Anciens op der "Ponttorfeier" 2017 fir 120 Joer AVL
Bild 67: der AVL mit Gästen auf der “Ponttorfeier“ im Jahre 2017
De Comité vun der Amicale, zesumme mat dem Minister Henri KOX
Bild 68: De Comité vun der Amicale 2022 zesummen mat dem Minister Henri Kox

Vlnr. : Michael Heckel, Daniel Erpelding, Paul Dax, Sophie Hellinghausen, Joé Malget, Caroline Gaspar, Philippe Gengler, Tom Nickels, André Detaille, Henri Kox, Guy Lux, Christian Even, Pierre Schweig, Jean-Marie Strasser, Jacques Meisch, Louis Philippe, Jean-Paul Schreiner


In der vorgesehenen Druckfassung wurden anschliessend nun die folgenden Listen, Stand 2024, wiedergegeben. Für eine Online Fassung macht dies wenig Sinn, darum geben hier nur die Links auf die entsprechenden Seiten:

  1. Die Comites des AVL
  2. Die Comités der Amicale
  3. Nachgewiesene Präsidenten der Amicale
  4. Alphabethisches Register der Comitards

Nachgewiesene Präsidenten der Amicale

Jean Weiwers † 1929 (? -1929)
Frank Meyer † 1992 (? – 1957)
Jean Thielen † 2015 (1958 – 1975)
François Strock (1976 – 1981)
Fernand Weiland † 2011 (1982 -1987)
Jean Feyereisen   (1988 – 1997)
Pierre Jacoby   (1998 – 2002)
Louis Philippe   (2003 – 2012)
Daniel Erpelding   (2013 – 2019)
Guy Lux   (2020 – heute)

  1. Mündliche Mitteilung durch Alfred Seeburger am 24. Dezember 1992 []
  2. Brief vom 23. November1992 []
  3. Was eine Biermimik ist, erklärte Egon Zander in seinem Brief vom 17. Dezember 1992: „Biermimiken: Persiflage der Geschehnisse im Verein durch Gedichte von mir verfasst und auf Kneipen vorgetragen.“ []
  4. Brief von Norbert Pütz an den Autor am 7. Januar 1993 []
  5. Mündliche Mitteilung durch Jean Thielen am 24. Oktober 1992 []
  6. Einsehbar im Vereinsarchiv. Die zugehörigen Aktennummern lauten: FD-289-024, FD-289-026 und FD-289-027 []
  7. Also eine vergleichsweise milde Form der Strafe für Saumseligkeit; Vercingetorix ließ den, der als Letzter im Heerlager auftauchte hinrichten. Angeblich. Julius Ceasar: De Bello Gallico, siebtes Buch. []
  8. Luxemburger Wort, 123. Jg., n° 52/53 (21.02.1970), p. 10. []