EINE KURZE GESCHICHTE DER AKTIVEN UND EHEMALIGEN LUXEMBURGER STUDENTEN IN AACHEN
– Teil I: Die Zeit der Studentenverbindungen (1870 – 1959)
von Daniel Erpelding
- Vorbemerkung
- 1870 Die Gründung der Hochschule
- 1870 Industrialisierung
- 1872-1897 Verein der Chemiker und Hüttenleute
- 1881–1885 Emile Mayrisch in Aachen
- 1886-1891 Orano-Luciliburgia
- 1891-1896 Zwischenspiel
- 1897 Vereinsgründung
- 1900-1914 Die ersten Jahre
- 1900-1918 Aufschwung
- 1914-1918 Erster Weltkrieg
- 1918-1923 Umbrüche der Nachkriegszeit.
- 1921-1922 Neue Akteure in Aachen
- 1923 Ruhrbesetzung, Megainflation und Separatistenaufstand
- 1920-1930 Vereinsaktivitäten in den 1920ern
- 1929-1932 Schluss mit lustig: Wirtschaftskrise
- 1933-1939 Machtübernahme der Nazis. Niedergang des AVL
- 1940 Zweiter Überfall auf Luxemburg
- 1941-1942 Studium und Widerstand der Zwangsaachener
- 1940-1947 Kollaboration, Widerstand und Repression
- 1944-1949 Die Befreiung und die Wiedereröffnung der Hochschule
- 1949-1952 Die Neugründung des Vereines
- 1953-1958 Reformen und Schwierigkeiten
- 1958-1960 Das Ende der Verbindungszeit
- Fußnoten
Vorbemerkung
Anders als die Festschrift „Rull de Waak“1 von 1997, ist der folgende Text weder eine detaillierte Schilderung der Ereignisse, noch beinhaltet er eine Analyse oder Einordnung von diesen. Diese Darstellung ist dafür viel stärker den Ereignissen verhaftet und wir gehen diesmal möglichst streng chronologisch vor. So soll dem Leser ein Überblick verschafft werden. In weiteren Aufsätzen in diesem Heft oder zu späteren Gelegenheiten, werden hingegen Entwicklungen und Einzelaspekte unserer Geschichte vertieft.
Ein weiteres und vorrangiges Ziel ist es, neue Erkenntnisse zu präsentieren, die wir seit 1997 gewonnen haben und viel konsequenter als damals die Quellen anzugeben. Dies in der Hoffnung nicht nur das damals Behauptete besser zu belegen, sondern auch Fehler, die dem Autor 1997 unterlaufen sind, zu berichtigen. Wo wir neue Erkenntnisse haben, wird auch dieser kürzer gehaltene Text dann etwas ausführlicher ausfallen.
Bei der Auswahl der Quellen haben wir möglichst jene bevorzugt, welche am nächsten an den Ereignissen lagen, um den Leser anzuregen dort mal selber nachzulesen. Zumeist benutzen wir Tageszeitungen. Diese wurden von der Luxemburger Nationalbibliothek digitalisiert und können unter www.a-z.lu konsultiert werden.
1870 Die Gründung der Hochschule
Am 12. Oktober 1870, mitten im deutsch-französischen Krieg und nach einer Eröffnungsfeier zwei Tage zuvor mit mehreren Ansprachen und Gottesdiensten, nahm die RWTH den Vorlesungsbetrieb auf. Im ersten Jahr gab es 132 Studierende, 22 reine Zuhörer, sowie 36 männliche und sogar 11 weibliche sogenannte Hospitanten2. Die Schule hieß zunächst noch Polytechnikum, ein Name der sich insbesondere in Luxemburg noch sehr lange hielt, auch nachdem sie 1882 in “Königlich Technische Hochschule” umbenannt worden war. Erst 1919 erhielt sie ihren heutigen Namen. Unter den genannten Studierenden war bereits ein Luxemburger und auch der Erste, der 1874 ein Studium mit Auszeichnung abschloss, war ein Luxemburger namens Pierre Mouris.
1870 Industrialisierung
Die Hochschule war gegründet worden, weil die Fahrt aufnehmende Industrialisierung Deutschlands zusehends nach gut ausgebildeten technischen Fachkräften verlangte. Viele Faktoren begünstigten infolgedessen die Aufnahme eines Ingenieurstudiums in Aachen:
- So wurde in der Zeit auch das Eisenbahnnetz stark ausgebaut. Ab 1885 bestand sogar eine Direktverbindung von Luxemburg über Maulusmühle nach Aachen-Rothe-Erde, die sog. Vennbahn3. Sie verband das Aachener Kohlenbecken mit dem Erzrevier Luxemburg, denn ab 1870 begann auch der moderne industrielle Eisenerzabbau im Süden unseres Landes.
- Es entstanden sowohl in Aachen als auch in Luxemburg moderne Stahlindustrien.
- Zudem war Luxemburg seit 1842 Mitglied des deutschen Zollvereines.
- Die Industrialisierung ließ eine breitere Mittelschicht wachsen, die ihren Söhnen das Studium finanzieren konnte.
- Letztere fanden nach abgeschlossenem Studium vergleichsweise leicht eine Anstellung
- Bei der Einreise wurde keine Zollgrenze passiert und sie war entsprechend unkompliziert.

1872-1897 Verein der Chemiker und Hüttenleute
In Aachen entstanden sehr schnell Studentenvereine, denn die jungen Männer wollten erstens sich zusammenschließen um sich gegenseitig im Studium zu unterstützen, aber zweitens ganz sicher auch, um Ihre Freizeit „fern ihrer Heimat und Familie“ gemeinsam zu verbringen. An deutschen Universitäten gibt es eine lange Tradition studentischer Zusammenschlüsse, die eigene Formen ihrer Organisation entwickelt hatten, die sogenannten Studentenverbindungen. Im 19. Jahrhundert gab es mehrere Spielarten davon, die sich vor allem dadurch unterschieden, nach welchen Kriterien sie ihre Mitglieder aufnahmen:
- Landsmannschaften, die nur Studenten aus einem bestimmten geographischen Gebiet zuließen,
- konfessionnelle Zusammenschlüssse in denen solche desselben Glaubens zusammenfanden,
- Corps und Burschenschaften, die Menschen zusammenführten welche ihre politischen Ansichten teilten,
- und zu guter Letzt, Vereine die nur Studenten wollten welche das gleiche Fach studierten.
Im damals tief katholischen Aachen gab es, soweit wir wissen an konfessionnellen Verbindungen nur katholische. Die älteste, die Carolingia, wurde 1871 gegründet4. Es ist denkbar, dass Luxemburger diesem Verein angehörten5.
Viele Luxemburger gehörten dem 1874 gegründeten Ingenieurverein an. So lesen wir bei Max Eckert:6
Der letztere (Ingenieur-Verein) verfügte über eine bedeutende Mitgliederzahl, 1874 über 70; neben deutschen Studenten gehörten ihm viele Ausländer an, aus Holland, Frankreich, Rußland, besonders aus Norwegen und Schweden, Finnland, Luxemburg und Buenos Aires. Der Ingenieur-Verein war trotz seiner anfänglichen Blüte im Jahre 1881 auf drei Mitglieder zusammengeschrumpft.
Die meisten Luxemburger studierten angesichts der Ausrichtung unserer Industrie in jenen Tagen entweder Chemie oder das Hüttenwesen. Viele von Ihnen fanden sich folgerichtig im Verein der Chemiker und Hüttenleute (VChH) wieder, auch im Vorstand des Vereines7.
Die meisten der Luxemburger Studenten der ersten Tage wanderten nach Beendigung des Studiums aus, weil es in Luxemburg doch noch nicht so viele gute Jobs gab, wie z.B. Fritz Kintzlé oder Eugen Ruppert. Viele kehrten aber zurück und spielten dann später eine bedeutende Rolle im Wirtschafts-, Wissenschafts- und Vereinsleben des Landes.
1881–1885 Emile Mayrisch in Aachen
Besondere Bedeutung für unsere Geschichte hat Emile Mayrisch, welcher von 1881 bis 1885 in Aachen studierte ohne dass er einen Abschluss erhielt. Auch er gehörte einem Studentenverein an, wir konnten aber nicht herausfinden welchem8. Auf der Liste der Mitglieder des VChH steht sein Name jedenfalls nicht und der Ingenieurverein war 1881 bereits auf 3 Mitglieder zusammengeschrumpft. Eine Möglichkeit wäre der Ausländerverein, der von 1875-1885 existierte9.
Mayrisch gründete 1911 die ARBED und wurde ein wichtiger Arbeitgeber für Aachener Ingenieure.
1886-1891 Orano-Luciliburgia
Im Jahre 1886 gründeten die Luxemburger sogar erstmals einen eigenen Studentenverein in Aachen, die „Landsgenossenschaft Orano-Luciliburgia“ (OL)10. Laut unserer Quelle waren „fast alle an der Technischen Hochschule anwesenden Luxemburger“ Mitglied dieses Vereins. In der Tat finden sich auf der Liste der Mitglieder des VChH im fraglichen Zeitraum nur zwei Namen, die höchstwahrscheinlich Luxemburger waren11.
Seit 1880 gab es einen Luxemburger Studentenverein im belgischen Löwen, welcher wie eine deutsche Studentenverbindung funktionierte12. Er könnte Vorbild für diese Gründung in Aachen gewesen sein, denn in jenen Tagen erwarben fast alle Luxemburger ihr Abitur am hauptstädtischen Athenäum, oder dessen Ablegern in Diekirch und Echternach. Sie kannten sich also gegenseitig.
Diesem Verein gehörten Leute wie der spätere Industriepionier in China Eugène Ruppert und Emile „Petit“ Metz an. Letzterer war für seine Studentenstreiche berühmt und berüchtigt13 und wird gerne mit seinem gleichnamigen Onkel verwechselt14. 1891 brach dieser Verein aber aus unbekannten Gründen wieder auseinander.
1891-1896 Zwischenspiel
Nach dem Zusammenbruch der Landsgenossenschaft, finden sich wieder mehr Namen von Luxemburgern auf der Mitgliederliste des Vereins der Chemiker und Hüttenleute, welcher inzwischen das Adjektiv „akademischer“ vor dem Namen führte. Dieser Verein befand sich in den Jahren nach 1893 in einer schweren Krise: die jüngeren Studenten wollten sich Schläger genannte Fechtwaffen anschaffen und die sogenannte Satisfaktionspflicht in die Statuten aufnehmen. Vereine mit Satisfaktionspflicht verlangten von ihren Mitgliedern, dass sie sich im Falle einer Beleidigung mit dem Übeltäter mit Degen duellieren müssten. Die ehemaligen Studenten, die man in deutschen Verbindungen traditionell Alte Herren (A.H.A.H.) nennt, wollten dies mehrheitlich wohl nicht. Einflussreichster Alter Herr (A.H.) war in jenen Tagen der Luxemburger Fritz Kintzlé15.
Ab Mitte der 1890er Jahre verstärkten sich auch in Luxemburg die Bestrebungen der Hochschulabsolventen, sich zu Vereinen zusammenzuschließen. So veröffentlichte am 30. August 1895 die Obermoselzeitung unter der Rubrik “Chronik aus der Hauptstadt”16 einen Artikel, in welchem Theodore Bourgraff, ein Absolvent der Aachener Hochschule der ersten Stunden, mitteilte, dass sich „die ehemaligen Schüler der polytechnischen Schule zu Aachen, deren Heimat das Großherzogtum Luxemburg“ wäre, sich zu einer Polytechniker-Verbindung zusammengeschlossen hätten, um sich einmal im Jahr zum Tag der hauptstädtischen Kirmes zu einem Banquette zu treffen um „sich kennen zu lernen und eventuell sich gegenseitig zu unterstützen und einander voranzuhelfen“.
Theodore Bourggraff war, nur anderthalb Jahr später, im Frühjahr 1897 auch Mitbegründer des Vereins der Luxemburger Ingenieure. Schon bald nahm jener Verein auch Industrielle ohne akademischen Abschluss auf, weshalb er sich dann „Association Luxembourgeoise des Ingénieurs et Industriels“ (ALII) nannte. Viele Aachener gehörten in den kommenden Jahren diesem Verein und seinem Vorstand an. Öfters sprachen Vorstandsmitglieder der ALII im Namen jenes Vereins und in dem der „Amicale des anciens étudiants d’Aix-la-Chapelle“ gleichzeitig.
1897 Vereinsgründung
Und dann wurde unser Akademischer Verein d’Letzeburger gegründet! Leider fehlen uns gesicherte Informationen, wann genau, wo, von wem, wie und warum der Verein gegründet wurde17.
Wer den AVL gründete ist ebenfalls nach wie vor ungeklärt. Nur ein Mann wird in einer 30 Jahre später gehaltenen Rede als Gründungsmitglied genannt: Jean Weiwers, später langjähriger Präsident des Ehemaligenvereines18, dem sogenannten Altherren-Verband (A.H.A.H.-Verband)19.


Bild 7: Illustration aus dem Kommersbuch. Allegorie auf das übermässige Biertrinken. Erst benimmt man sich ein Affe, dann kommt der Kater und am Ende braucht man den Hering.
Wie bereits der Verein der Luxemburger in Löwen, der akademische Verein der Chemiker und Hüttenleute und sicher auch die Orano-Luciliburgia, ist der neugegründete Verein nach Form und Sitten eine deutsche Studentenverbindung,
- mit unterschiedlichen Graden an Mitgliedschaft wie Füchsen (Neumitglieder), Burschen (aktive Vollmitglieder), Konkneipanten (nicht stimmberechtigte Dauergäste),
- mit „Kneipen“ genannten ritualisierten Trinkgelagen mit eigenem Bierkomment,
- dabei Singen von Liedern aus dem allgemeinen deutschen Kommersbuch,
- Tragen von Mützen, Bändchen in den Vereinsfarben rot-weiß-blau,
- Austausch von Bierzipfeln,
- und nicht zuletzt Umsetzung des sogenannten Lebensbundprinzips, das heißt Integration der Absolventen in den Verein als sogenannte Alte Herren (A.H.A.H.).
Für weitere Details siehe den Artikel „Die Gründung des AVL“ in diesem Heft.
1900-1914 Die ersten Jahre
Vom frühen Leben des AVL haben wir viele Fotos, aber es sind nur wenige zeitgenössische Texte überliefert.
Besser sieht es da bei den Letzeburger zu Léiwen aus, deren Bierbücher, Protokolle etc. zum großen Teil sich erhalten haben12. Auch ist dieser Verein bereits organisiert und hatte mehrere Gymnasiallehrer unter seinen Mitgliedern welche fleißig Leserbriefe an Luxemburger Zeitungen schrieben. So sind Berichte von deren Stiftungsfesten erhalten. Daher wissen wir auch von der feierlichen Fahnenweihe der Lëtzeburger Studenten zu Léiwen am 21 Mai 1899 in Löwen20. An dieser nahm auch eine Delegation des AVL teil21:
Die Festlichkeit wurde eingeleitet durch eine hl. Messe, welche in der St. Michaelskirche eigens für unsere Landsleute gelesen würde. Im Hauptschiffe hatten die alten Herren, d. h. früheren Studenten, heut zu Tage wohlbestellte Ingenieure, Aerzte, Professoren u.s.w., welche von nah und fern herbeigeeilt waren, in stattlicher Anzahl Aufstellung genommen; zu ihrer Linken schaarten [sic] sich die gegenwärtigen Studirenden [sic], Füchse und Burschen, die Chargirten [sic] in vollem Wichs in Begleitung von luxemb. Abgeordneten der Aachener Hochschule.
Vermutlich war dies das Vorbild für die Aachener, denn unter der Präsidentschaft von Camille Keiffer schaffte sich der Verein ein Wappen und eine Fahne an und weihte sie zum 5. Stiftungsfest am 29. Juni 1901 feierlich ein. Aus dem Besitz von Camille ist ein Foto erhalten, das zeigt, dass die Löwener ihrerseits dann an unserer Wappen- und Fahnenweihe teilnahmen; sie schickten den Präsidenten P.J. Muller und A. Wirion.
Nach der Fahnenweihe machte der Verein noch einen „Ex-Bummel“ in das „Bierdorf“ nach Herbesthal, das damals noch zu Deutschland gehörte. Gemeint ist eine Wanderung um dort eine „Kneipe zu schlagen“, also Bier zu trinken. So schrieb Präsident Camille Keiffer am 30. Juni 1901 an seinen Bruder Arthur in Lüttich22:
Aachen, 30/6 01 Zwei Tage glücklich überstanden. Alles klappte tadellos. Sind überaus zufrieden. Heute haben wir Ex-Bummel nach Herbesthal, morgen ist Rektoratswechsel mit Fackelzug. Herzlichen Gruss: Camille.
1905 feierten die Freunde aus Löwen ihr 25. Stiftungsfest und erneut waren Aachener dabei. Auszug aus dem Löwener Protokoll23:
Festbericht vom 25-jährigen Stiftungsfest: (…) ihnen hatten sich unsere Aachener Freunde Präsidium Boy vulgo Erneste de Muyser und Fuchsmajor Rull vulgo Wagner [sic]24 angeschlossen. Beide hatten nicht Weg und Mühe gescheut um den Glanz der Feier durch ihre Gegenwart zu erheben und sie hatten von den Ufern des Rheines ein gut Stück Humor und Studententum zu uns herübergebracht.
1907 muss der Verein sein 10. Stiftungsfest gefeiert haben, wovon eine Couleurkarte25 zeugt. Zur Erläuterung des Begriffs Couleurkarte:
Als Couleurkarte bezeichnet man eine Postkarte einer Studentenverbindung, die mit verschiedenen Elementen der Verbindung bedruckt ist. (…) In der Regel sind das Wappen, Zirkel, Farbstreifen oder -schilde. Couleurkarten werden dazu verwendet, Grüße von Veranstaltungen der Verbindung an Personen zu schicken, die nicht dabei sein können. Üblich ist es dabei, Unterschriften von möglichst vielen Veranstaltungsteilnehmern auf der Karte zu vereinen, um einen Eindruck von der Stimmung und dem Erfolg der Veranstaltung zu vermitteln.26
Im vorliegenden Fall ging die Karte an „Genty Wagner“, vermutlich Nicolas Wagner alias Schotz, der zu diesem Zeitpunkt bereits alter Herr war, wie ein Großteil der Unterzeichnenden auch.

1900-1918 Aufschwung
Viele der Absolventen dieser frühen Tage erlangten später bedeutende Positionen in Wirtschaft (Aloyse Meyer, Louis Ensch) und Lehre (Prof. Goerens, Prof. Oberhoffer). In der Politik reüssierten die Alten Aachener27 weniger, lediglich der Eisenbahnexperte Tony Lefort wurde 1916 für ein Jahr „Generaldirektor“, heute würden wir sagen Minister, für öffentliche Bauten28.
Das Renommee der Aachener Hochschule in Luxemburg wuchs in jenen Tagen. In der Stahlindustrie erlangten die Aachener regelrecht eine dominierende Stellung.
Dieser Aufschwung wurde noch nicht mal durch den Ausbruch des ersten Weltkrieges gebremst.

Bild 9: Rumalbernde Studenten, die sich zum Spass ablichten liessen. Die Namen wurden nicht überliefert.
1914-1918 Erster Weltkrieg
Am 2. August 1914 begann mit dem deutschen Überfall auf Luxemburg und Belgien der erste Weltkrieg, bei dem zunächst Deutschland und Österreich-Ungarn gegen eine Koalition aus Frankreich, Großbritannien und Russland kämpften. In Belgien, konnten sich sowohl der König als auch die Regierung einer Festsetzung durch das feindliche Militär entziehen und das Land schlug sich auf die Seite der Alliierten. Im innerhalb eines Tages vom deutschen Militär besetzten Luxemburg waren sowohl die Großherzogin, die Regierung als auch das Parlament im Land verblieben. Luxemburg erklärte sich daher, trotz des Überfalls für weiterhin neutral und blieb den ganzen Krieg über von den Deutschen militärisch besetzt. Die Zivilverwaltung blieb in der Hand der Luxemburger, auch wenn die deutsche Besatzung dem Handeln unserer Regierung enge Grenzen setzte.
Zu Semesterbeginn im Oktober verlief die Front bereits weit weg von Aachen, so dass die Vorlesungen wie vorgesehen pünktlich beginnen konnten. Weil Luxemburg offiziell neutral blieb, schränkten die deutschen Länder die Luxemburger nicht ein und die Studenten durften die Hochschule weiter besuchen29. Der AVL übernahm bei dieser Kommunikation eine aktive Rolle und machte seinen Mitgliedern „und allen Interessierten“ diese gute Nachricht über die Zeitungen bekannt30:
Luxemburg, 11. Okt. Der akademische Verein “d’Letzeburger” Aachen teilt seinen Mitgliedern und allen Interessenten mit, daß an der Hochschule in Aachen, sämtliche Kurse aufgenommen werden, aoweit dies die Zahl der eingeschriebenen Studierenden erlaubt. Beginn der Einschreibungen: 5. Oktober, Schluß der ordentlichen Einschreibezeit: 28. Oktober. Schlußtermin für das erste ordnungsmäßige Belegen und Bezahlen: 5. November. Schlußtermin für die Annahme von Vorträgen und Uebungen: 1. Dezember 1915. (Mitgeteilt.)

Einen überraschenden Einblick in die Lage der Studenten zu Kriegsbeginn und in das Selbstverständnis des AVL erlaubt ein im Nationalarchiv aufbewahrter, vom Präsidenten Louis Meyer und dem Schriftwart Gust Feyder unterschriebener Brief des AVL an den Staatsminister Paul Eyschen31. Er ist datiert auf den 8. Februar 1915. Dort wird berichtet:
Seit Ausbruch des Krieges ist es wiederholt vorgekommen, dass luxemburgische Staatsangehörige bei uns um Unterstützung vorgesprochen haben. Die betreffenden Personen teilten uns mit, dass der holländische Konsul, an den sie sich vorher gewandt hatten, Weisung habe, keine Unterstützungen mehr an Luxemburger auszuzahlen.
Die Chargierten führen weiter aus:
Auch wir waren schon oftmals gezwungen, sowohl mit unseren bescheidenen Taschengeldern, wie auch aus der Vereinskasse unseren dürftigen Landsleuten beizuspringen. Wir taten das selbstverständlich nur, wenn wir uns vorher durch die Papiere des Petenten überzeugt hatten, dass wir keinem Unwürdigen aus der Not halfen.“ Diese Hilfszahlungen scheinen für den Verein allerdings eine größere Belastung gewesen zu sein, denn sie fragten den Staatsminister „ob wir auf eine Vergütung unserer Auslagen rechnen dürfen.


Der Verein war weiterhin aktiv, verabschiedete 1915 sogar eine Neufassung seiner Statuten, welche er seit 1913 ausgearbeitet hatte. Die Zahl der Studenten an der RWTH sank allerdings rapide: viele Deutsche waren zum Kriegsdienst eingezogen, genauso wie die Staatsangehörigen der Alliierten, die natürlich nicht mehr in Aachen studieren konnten. Selbst die jungen Niederländer blieben zuhause. Viele dienten in ihrer Armee, um sich im Falle eines Überfalles auf ihr Land besser wehren zu können, wie dies Belgier und Luxemburger vermochten. Die deutsche Rüstungsindustrie brauchte Stahl. Aachener Absolventen aus Luxemburg waren auch in deutschen Betrieben sehr gefragt. Das machen auch die Zahlen der Personalverzeichnisse der Königlich Technischen Hochschule zu Aachen deutlich32.
Demnach waren zum WS 17/18 insgesamt 846 Studenten eingeschrieben, davon allerdings 563 beurlaubt, also höchstwahrscheinlich ihren Militärdienst leisteten33. Eine Tabelle „3. Übrige europäische Staaten“ macht auch Angaben zur Zahl der eingeschriebenen Luxemburger34. Demnach studierten von unseren Landsleuten an der KTH Aachen35:
| Luxemburger | insgesamt | AR | MB | ET | BERG | HK | CH |
|---|---|---|---|---|---|---|---|
| WS 1917/18 | 60 | 1 | 10 | 6 | 3 | 37 | 3 |
| SS 1918 | 68 | 1 | 8 | 9 | 2 | 45 | 3 |
| SS 1919 | 51 | 1 | 7 | 6 | 2 | 34 | 1 |
Von 283 im WS 1917/18? anwesenden Studenten waren also 60 Luxemburger, demnach mehr als jeder fünfte. Der AVL erreichte 1918 also seine größte relative Bedeutung.
1918-1923 Umbrüche der Nachkriegszeit.
Am 11. November 1918 unterzeichnete Deutschland den Waffenstillstand von Compiègne. Der Krieg endete mit einer deutschen Niederlage. Dies hatte auch erhebliche Rückwirkungen auf Luxemburg im Allgemeinen und auf den AV d’Letzeburger im Besonderen. Es folgten entscheidende politische und vor allem wirtschaftliche Umbrüche.

Da dem Waffenstillstand die deutsche Revolution mit Unruhen und gelegentlichen Straßenkämpfen vorangegangen war, galt es zunächst einmal für die Studenten, heil aus Aachen raus zu kommen. Wenn wir zeitgenössischen Berichten glauben dürfen, machte sich unter den Luxemburger Studenten in Aachen allerdings kaum Panik breit, ausser der von elterlichen Geldzahlungen abgeschnitten zu werden. Am 11. November 1918 las man im Luxemburger Wort eine Mitteilung des A.V. d’Letzeburger36:
Hochschulstudenten im Ausland. Man schreibt uns aus Aachen: Viele Eltern scheinen um das Wohl ihrer in Aachen studierenden Söhne besorgt zu sein. Da ich erst Sonntag abend [sic] von Aachen nach Hause zurückgekehrt bin, beeile ich mich, hiermit zur Kenntnis zu bringen daß ein Anlaß zur Besorgnis kaum vorliegt.
Der Vorstand des “Akademischen Vereins d’Letzeburger” der königl. techn. Hochschule hat sich mit der Luxemburger Regierung und dem holländischen Konsulat in Verbindung gesetzt, um nötigenfalls die Heimschaffung aller Luxemburger Studierenden zugesichert zu bekommen. Unter der Voraussetzung, daß der Grenzverkehr aufrecht erhalten bleibt, ist es ganz wahrscheinlich daß sämtliche Luxemburger nach Hause zurückkehren dürfen, sobald die Passierscheinschwierigkeiten behoben sind. Vorläufig möge man den Studierenden sofort telegraphisch ausreichende Geldmittel zusenden37, um sie auf diese Weise gegen alle Eventualitäten zu sichern.
Hochachtungsvoll Zweiter Vorsitzender des “A-V. d’Letzeburger”. Victor Bouchet“
Die ambivalente Haltung der Luxemburger während des Krieges unter deutscher Besatzung rächte sich nun. Die Sieger waren nicht zu 100% von unserer Neutralität überzeugt. Auf jeden Fall bestanden sie auf politischen und wirtschaftlichen Veränderungen. Es folgte eine schwere Staats- und Wirtschaftskrise.
Die deutschen Hüttenherren verschwanden, belgisches und französisches Kapital verdrängte das deutsche. Die letztere Entwicklung schädigte die „Alten Aachener“ jetzt weniger, im Gegenteil: der Rückzug der deutschen Ingenieure machte ihnen Platz und die neuen Kapitalgeber behielten das erfahrene luxemburgische Personal mit ihren Französischkenntnissen. Einige wenige A.H.A.H. profitierten regelrecht von der Ausschaltung der deutschen Konkurrenz, etwa die ARBED mit ihrem Generaldirektor Mayrisch und den zahllosen Alten Aachenern, die er inzwischen eingestellt hatte.38
Die Zollunion mit Deutschland musste aufgelöst werden. Nun wurden Zollgebühren fällig, was zum Ende des Hüttenwerkes Aachen-Rothe Erde führte und auch dem Stahlwerk in Steinfort große Schwierigkeiten bereitete. Rothe Erde bezog zuvor Eisenerz aus Luxemburg und Steinfort Kohle aus Aachen. Luxemburg war zudem zu klein um alleine bestehen zu können. Nach einigen Irrungen und Wirren, vereinbarte die Regierung eine Wirtschafts- und Währungsunion mit Belgien, die im Dezember 1922 in Kraft trat.
Auch musste Deutschland nach dem Versailler Vertrag die Landkreise Eupen und Malmedy an Belgien abtreten. Die Deutschen hatten zunächst versucht mittels einer Volksabstimmung dies abzuwenden, doch 1920 wurde definitiv entschieden, dass die Kreise abzutreten seien . Dadurch verlief die Vennbahn nun über belgisches Gebiet, jetzt waren zwei Grenzen zu überschreiten.
Die Studienbedingungen verschlechterten sich massiv und so ging gleich nach Kriegsende auch die Zahl der Luxemburger Studenten zurück39 ! Im Juni 1920 wurde bekannt, dass die Gebühren für Ausländer an der RWTH verzehnfacht werden40. Die Einschreibelisten belegen: in dem Jahr brachen nicht wenige Luxemburger in Studium in Aachen ab. Die Zahl der Luxemburger an der RWTH sank von nun an kontinuierlich und unaufhörlich, bis 1939 nur noch ein einziger eingeschrieben war.
In Luxemburg kam es zu Arbeitskämpfen. Beim Streik in Dommeldingen im Jahre 1921 boten 30 Aachener Studenten der ARBED ihre Mithilfe zum Notbetrieb der Anlagen an, welche aus technischen Gründen nicht ohne weiteres heruntergefahren werden konnten41.
1921-1922 Neue Akteure in Aachen
Die Luxemburger Regierung ernannte im April 1921 einen Konsul für Aachen42, den mit einer Luxemburgerin verheirateten Aachener Industriellen Erich Cüpper. Eine Vertretung hatte es zuvor schon in Düsseldorf gegeben und hatte während des Krieges sowohl ihre Notwendigkeit als auch ihre Wirksamkeit unter Beweis gestellt. Cüpper operierte bei seinem Einsatz für die Belange der Luxemburger recht geschickt. Der AVL erkannte schnell Wert und Nützlichkeit, die der neue Bevollmächtigte für Verein und Studenten haben könnte und ernannte schon im Mai den Konsul zu seinem Ehrenmitglied43. Dieser nahm dankbar an und lud die Studenten von nun an regelmäßig zu den offiziellen Feierlichkeiten zum Geburtstag der Großherzogin ein und offensichtlich sorgte er auch dafür, dass darüber in der Luxemburger Tagespresse darüber berichtet wurde! Eine glückliche Fügung für unsere Geschichtsschreibung.
Im Jahr 1922 gründeten die in Aachen ansässigen Luxemburger den Verein der Luxemburger in Aachen. In diesem fanden sich auch besonders viele Alte Herren des AVL oder sonstige Absolventen der RWTH wie etwa Professor Paul Oberhoffer, weshalb zwischen dem AVL und dem neuen Verein ein besonders herzliches Einvernehmen herrschte.
1923 Ruhrbesetzung, Megainflation und Separatistenaufstand
Wegen Unstimmigkeiten zwischen den Alliierten und den Deutschen über die Reparationsleistungen, besetzten zwischen dem 11. und dem 16. Januar 1923 französische und belgische Truppen das gesamte Ruhrgebiet bis Dortmund44. Die Deutschen reagierten darauf mit Streiks und anderen passiven und aktiven Widerstandsformen, dies nannte die deutsche Regierung Ruhrkampf. Eine Folge davon war eine sehr starke Geldentwertung (Hyperinflation) während des gesamten Jahres 1923. Dies stärkte die Position von Luxemburgern und Niederländern, zumindest bei den Wirten, da sie ihren Bierdeckel in ausländischer Valuta zahlen konnten45.
Die letzte politische Krise der frühen 1920er Jahre wurde für unser Leute die bedrohlichste: der sogenannte Separatistenaufstand. Im Rheinland gab es schon immer traditionelle Vorbehalte gegenüber Preußen, zu dem es aber seit 1815 gehörte. Nun angesichts der sich verschlechternden wirtschaftlichen Bedingungen versuchten einige Rheinländer, ermutigt von der französisch-belgischen Besatzungsmacht, einen eigenen Staat zu gründen und sich von Preußen und Deutschland abzuspalten. Der Aufstand begann, pünktlich zu Beginn des Wintersemesters am 21. Oktober 1923 ausgerechnet in Aachen, mit der Besetzung des Rathauses und der Ausrufung der Rheinischen Republik46. Gegen die Separatisten kämpfte nun ein eher ungewöhnliches Bündnis aus Schutzpolizei und Kommunisten. Die Lage wurde schnell unübersichtlich. Es kam auch zu Demonstrationen, Straßenkämpfen, Plünderungen sowie Schießereien und es waren Tote zu beklagen47. Es wurden auch zwei Luxemburger Studenten verletzt. Ein daraufhin heimkehrender Student riet in der Obermosel-Zeitung den anderen, Aachen zu meiden48.
Deutsche Studenten mischten bei Demonstrationen und Straßenkämpfen auf Seiten der Regierung mit. Eine Folge war die Schließung der Hochschule durch die interalliierte Kommission am 24. Oktober. In der Obermoselzeitung stand zu lesen49:
Angesichts der Teilnahme der Studenten der Technischen Hochschule in Aachen an den Unruhen und Plünderungen am Abend des 22. und 23. Oktober trotz zahlreicher Warnungen an die akademischen Behörden hat die Rheinlandkommission auf Vorschlag des belgischen Oberkommissars die Schließung dieser Hochschule bis auf weiteres angeordnet.
Den Studenten wurde nahegelegt, die Hochschule zu wechseln. Daraufhin schaltete sich auch die Luxemburger Regierung ein. Am 27. Oktober 1923 wurde gemeldet50:
Da über 60 Luxemburger Studenten durch diesen Beschluß getroffen wurden, da einerseits ein großer Teil mitten im Examen steht, anderseits mehrere unmittelbar davor stehen, ist auch die lux. Regierung an der Sache interessiert. Sie wird sicherlich nach bestem Vermögen in Brüssel intervenieren, daß die Hochschule wieder geöffnet werde, damit die Luxemburger ihren Studien an der Technischen Hochschule von Aachen die einen Weltruf besitzt und unserer Großindustrie bereits tüchtige Kräfte zur Verfügung gestellt hat, wieder obliegen können.“
Daraufhin organisierte der Akademische Verein d’Letzeburger am 3. November 1923 im Restaurant Hippert in der Großgasse eine Versammlung. Es nahmen laut Zeitungsbericht ca. 30 in Aachen Studierende und mehrere Alte Herren teil „um die durch die Schließung der Aachener Technischen Hochschule geschaffene Lage zu besprechen“. Man kam überein, dass es vorteilhafter sei abzuwarten und keine andere Hochschule zu besuchen, denn „besonders die „Alten Herren” warnten die Jungakademiker davor, eine voreilige Entscheidung zu treffen“51.
Spätestens zwei Wochen später, war für unsere Leute, die Krise dann ausgestanden und der AVL gab folgende Information an die Presse weiter, die am 13. November 1923 in der Zeitung erschien52:
Aachener Hochschule. Herr Camille Mergen, Präsident der luxemburger Studenten in Aachen, bittet uns mitzuteilen, daß die Aachener Hochschule am nächsten Montag wieder eröffnet wird.

Bild 14: Ein Ausflug in den 1920ern
1920-1930 Vereinsaktivitäten in den 1920ern
In Aachen selber machten sich die neuen Machtverhältnisse bereits am 30. November 1918 bemerkbar: die belgische Armee besetzte die Stadt53 und richtete ihre Kantine ausgerechnet im Englischen Hof in der Hartmannstrasse ein, der bis dahin das Stammlokal des AVL gewesen war . Die Luxemburger zogen daraufhin ins Lavenstein um, besuchten aber weiterhin ihr altes Lokal, das nun Cercle militaire belge genannt wurde. Einer unserer Zeitzeugen die damals in Aachen studierten, Egon Zander erinnerte sich 1994 folgendermassen54:
(Der) Cercle militaire belge alias Soldatekring. Wenn ich mich gut erinnere, lag er in der Kleinmarschierstrasse.
Es war kein Kasino, eher eine Kantine, gegründet von Flamen. Direktor war der Aumonier der belgischen Besatzungstruppen. Er trat nur in hoher Offiziersuniform auf und hatte sogar ein Reitpferd. Neben Speisesaal ein Billardzimmer sowie einen grossen Kinosaal, wo abends Filme geboten wurden. Zigaretten, Schokolade, Gebäck usw. konnte man kaufen. Wie wir da Stammgast wurden?! Es waren recht konfuse Zeiten. Als die deutschen Eisenbahner streikten und stellenweise Sabotage machten, wurde der Bahnbetrieb im Rheinland von belgischen und französischen Cheminots übernommen unter dem Kurznamen Régie. Dadurch kamen viele ausländische Zivilisten nach Aachen. Wer französisch sprach und Franken in der Tasche hatte, konnte stillschweigend im Kring verkehren. Uebrigens war in der Hartmannstrasse ein weiteres belgisches Lokal, wo wir auch manchmal essen gingen. Sicherlich aus diesem Grunde konnte man auf einer Hochschultoilette lesen: “Nieder mit den luxemburgischen Verrätern.

Die 1920er Jahre können trotz des steten Rückgangs der Mitgliederzahlen als zweite Blütezeit des AVL angesehen werden55. Zum 30. Stiftungsfest Präsident Franz Colas meinte gar das Gegenteil feststellen zu können und befand:
„Nach allen Seiten waren Schwierigkeiten zu überwinden, was mühevolles Arbeiten aller Mitglieder verlangte und zu dem passenden Wahlspruch „Rull de Wack“ führte. Aber bald fand das Streben des akademischen Vereins Anerkennung; seine Mitgliederzahl hat stetig zugenommen und heute zählt der A.V. d’Letzeburger nicht weniger als 150 Mitglieder.“
Es gab 1927 freilich keine 150 Luxemburger Studenten mehr in Aachen, Colas hatte aber wohl die Alten Herren mitgezählt.
Jedes Jahr feierte der AVL weiter sein Stiftungsfest, es sind Bilder und Berichte von Stiftungsfesten überliefert. Es entsprach der heutigen „Ponttorfeier“, dem Höhepunkt des studentischen Jahres.

Die Feiern von 1922 und 1927 stachen heraus. Wir wissen, dass es sich dabei jeweils um eine dreitägige Angelegenheit handelte, zu der auch Alte Herren mit ihren Gattinnen angereist kamen. Interessanterweise scheint das 30. Stiftungsfest wohl nicht weniger aufwendig gefeiert worden zu sein wie das 25.
Jedes Jahr im Januar zum Geburtstag der Großherzogin hielt der Verein einen Frühschoppen ab, dies komplementär zu den Feiern die der Konsul gab (und wohl auch bezahlte). Wir wissen von Ausflügen, und auch ausgedehnten Weinkellereibesichtigungen. Einmal fielen Aachener Studenten in Grevenmacher ein, so stand am 7. August 1931 in der Obermosel-Zeitung56:
Ihnen zu Ehren wird die Stadtmusik 1/4 12 Uhr auf dem Kiosk konzertieren. Das Essen ist im bestbekannten Hotel Metropole bestellt“
Eine weitere wichtige, wenn auch traurige Gelegenheit zur Zusammenkunft waren im alten AVL die Beerdigungen wichtiger (Ehren-)Mitglieder. Ende der 1920er boten sich ganz besonders viele, es wurden beerdigt:
- am 20.07.1927 Professor Paul Oberhoffer, dies quasi direkt im Anschluss an das 30. Stiftungsfest57,
- am 8. März 1928, der Gründer der ARBED und großer Förderer der Aachener Hochschule Emil Mayrisch58,
- im selben Monat noch Staatsrat Tony Lefort28,
- und dann noch am 24. Oktober 1929, der Präsident des Altherrenverbandes und Gründungsmitglied des AVL Jean Weiwers59.
Leider sind die Nachrichten zum Alte Herren Verband spärlich, wir wissen nicht, wer ihm als Präsident folgte. Möglicherweise Louis Ackermann, der die meisten Grabreden hielt.
Neben dem Präsidenten gab es noch einen Ehrenpräsidenten. Das war lange bis zu seinem Tod 1929 der Escher Bürgermeister Léon Metz gewesen. Im Januar 1929 bestimmte der Alte Herren Verband den Absolventen Gustav Loosé, dereinst einer der Protagonisten der Orano-Luciliburgia, zum neuen Ehrenpräsidenten60. Dieser starb allerdings im Jahr darauf ebenfalls. Zu seiner Beerdigung wurde sogar die Vereinsfahne von Aachen nach Steinfort gebracht61.

1929-1932 Schluss mit lustig: Wirtschaftskrise
Mit dem New Yorker Börsenkrach am 24. Oktober 1929 begann eine weltweite Wirtschaftskrise62 unter der auch die Luxemburger Stahlindustrie litt. In der Folge konnten viele Eltern es sich nicht mehr leisten, das Studium ihrer Söhne zu bezahlen. Hochschulen wie Aachen, wo vor allem Ingenieure ausgebildet wurden, litten darunter besonders, weil der Ingenieurberuf traditionell einer derjenigen ist, den auch Kinder von Nichtakademikern gerne wählten.
Nun wurde es auch für Aachener Absolventen schwierig eine Anstellung zu bekommen. Dies wirkte sich verheerend auf die Moral aller Studenten aus! Viele trachteten jetzt nur noch danach, das Studium möglichst schnell abzuschließen, verzichteten auf Spaß und Freude, die das Vereinsleben bot, nur um sich dann doch bloß ins Heer der Bewerber einreihen zu müssen63.
Die Wirtschaftskrise traf insbesondere Deutschland sehr schwer. 1932 fiel der Empfang durch den Konsul aus, weil Präsident Hindenburg empfohlen hatte, im Winter keine Feiern zu veranstalten. Der Verein der Luxemburger in Aachen und der AVL feierten aber trotzdem und der AVL hielt seinen inzwischen traditionellen Frühschoppen ab64 .
1932 war dann auch das letzte große Stiftungsfest mit vielen geladenen Gästen.

1933-1939 Machtübernahme der Nazis. Niedergang des AVL
Nachdem Hitler am 30.1.1933 Reichskanzler geworden war, übten dessen Nationalsozialisten praktisch sofort Terror aus und verwandelten Deutschland überraschend schnell in eine Diktatur. Nun hielten zusätzlich noch politische Gründe die Luxemburger davon ab, in Aachen zu studieren. Dieser Zusammenhang blieb auch von den Nationalsozialisten nicht verborgen und sahen später hierfür „systematische Hetze gegen das neue Deutschland“ am Werk65. Weiter kam hinzu, dass die Nationalsozialisten auch in die Freiheit der Lehre eingriffen, angefangen damit dass sie die jüdischen Professoren, Mitarbeiter und Studenten erst schikanierten und dann vertrieben66. So nahm man auch in Luxemburg zur Kenntnis, welche Proffessoren an der einst so beliebten Hochschule in Aachen schon früh betroffen waren67:
Aachen 3. Mai. (P. M.) Kulturminister Rust hat den Professoren Hopf, Fuchs, Meusel, Mautner, Levy sowie die Privatdozenten Strauß und Pick mit sofortiger Wirkung von ihrer Lehr? und Forschungstätigkeit an der Technischen Hochschule Aachen beurlaubt.
Weiter versuchten die Nationalsozialisten die Lehrprogramme zu straffen, die Vermittlung von theoretischen Grundlagen zu Gunsten praktischer Fertigkeiten zu reduzieren. Der Ruf der RWTH sank im Ausland, trotz des mehr oder weniger erfolgreichen Widerstandes einiger Professoren, rapide.
Wer schon weit im Studium fortgeschritten war, beeilte sich es abzuschließen. Jüngere Studenten wechselten die Hochschule, z.B. nach Zürich oder brachen ab. Die Studenten, die nach 1933 noch ein Studium in Aachen aufnahmen, kann man fast an einer Hand abzählen. Zurück blieben einige Langzeitstudenten, die sich nicht beeilten, denn die wirtschaftliche Situation blieb in Luxemburg schlecht und der Arbeitsmarkt angespannt. Noch in der Frühjahrsausgabe der Revue Technique von 1940 gab es eine ganze Seite voller Stellengesuche frischer Absolventen – fast alles Aachener.
Der Verein wurde von den Nationalsozialisten nicht weiter drangsaliert, und das Vereinsleben lief weiter, wenn auch etwas reduziert: Stammtisch in den Vier Jahreszeiten, Empfang beim Konsul zum Geburtstag der Großherzogin, Stiftungsfest und jeden Sonntag Frühschoppen.
Der Austausch mit den deutschen Studentenverbindungen kam zu Erliegen, denn diese lösten sich in der nationalistischen Begeisterung oder unter dem steigenden mehr oder weniger subtilem Druck nach und nach auf. Zur Auflösung der katholischen Verbände bedurfte es allerdings des Runderlaß des Reichsführers SS und Chefs der Deutschen Polizei im Reichsministerium des Innern vom 20. Juni 193868. Es wurden stattdessen im WS 1936/37 nationalsozialistische Kamaradschaften gegründet, zunächst fünf später elf in denen sich der grösste Teil der Aachener Studenten zusammenschloss69.
Es gab keine richtigen statutenkonformen Chargen mehr. Es wurde nur noch für jedes Jahr ein Vorsitzender bestimmt, der den Verein nach außen vertreten konnte, ja es gab sogar kaum noch informelle Sitzungen. Was blieb war der stets gut besuchte wöchentliche Sonntagsfrühschoppen70. In der Folge arbeitete man mit der Hollandia und den Luxemburgern in Louvain und Bonn zusammen, um Geselligkeit in größerem Kreis erleben zu können.71
Auch Konsul Cüpper hielt sich wacker. Er organisierte sogar noch 1939 im nationalsozialistischen Aachen eine Feier zur 150-jährigen Unabhängigkeit des Luxemburger Landes. Freilich war auch er inzwischen mächtig unter Druck geraten. Hatte er noch am 25. Januar 1933 sogar den Rabbiner Dr. Schönberger unter den Gästen begrüßt, so beendete er seine Rede 1939 mit den Worten72:
Ich bitte Sie, meine sehr verehrten Herren, sich zu erheben und auf das Wohl des Mannes zu trinken, der im Deutschen Reich so vielen luxemburgischen Staatsangehörigen Gastfreundschaft u. Arbeitsstätte bietet. Der Führer und Reichskanzler Adolf Hitler Sieg Heil!
Hierfür wurde er in der Luxemburger Presse denn auch kritisiert73. Seine Anbiederung nützte ihm nichts, er musste trotzdem bald danach ins Exil nach Brasilien flüchten, wo er 1943 starb74.
Vom Vereinsleben der alten Herren haben wir aus der Zeit, anders als für die 1920er Jahre kaum Nachrichten über Zusammenkünfte, mit der bemerkenswerten Ausnahme von Berichten von Begräbnissen. In jenen Tagen starben weitere prägende Mitglieder der ersten Jahre unseres Vereins wie z.B. Nicolas Wagner alias Schotz (16. November 1935)75 und Franz Geib alias Kluck (März 1939)76. Gerade Klucks Ableben muss den alten Aachenern vorgekommen sein, wie ein Abgesang auf den AV d’Letzeburger, der hier mit einem seiner größten Förderer zu Grabe getragen wurde77. Denn Studenten gab es jetzt nur noch einen, Präsident Norbert Pütz, der gerade noch rechtzeitig sein Studium beenden konnte, als er zum Wintersemester 1939/40 Aachen verließ78. Da hatte der zweite Weltkrieg schon begonnen und die RWTH Aachen den Lehrbetrieb wegen der Nähe zur belgisch/niederländischen Grenze eingestellt. Norbert nahm die Fahne mit. Sie verbrannte im Spätherbst 1944 als seine Dienstwohnung in Göppingen von Bomben getroffen wurde70.


1940 Zweiter Überfall auf Luxemburg
Am 10. Mai 1940 besetzte die deutsche Wehrmacht auf dem Wege nach Frankreich das bis dahin neutrale Luxemburg. Die Großherzogin und die Regierung konnten sich diesmal ins Ausland absetzen und sich dem Zugriff der Deutschen entziehen. Das änderte alles!
Das Militär zog sich bald schon aus der Verwaltung zurück. Diese übernahm Gustav Simon, der nationalsozialistische Gauleiter von Koblenz, unter dem Titel „Chef der Zivilverwaltung“. Die Nationalsozialisten führten die deutsche Gesetzgebung in Luxemburg ein, schalteten die Presse gleich, schlossen das Land wirtschaftlich an Deutschland an, passten teilweise die Verwaltungen an die eigenen an. Vor allem aber versuchten sie die Leitung der Verwaltungen sowie die der wichtigsten Betriebe mit eigenen Leuten zu besetzen, sowohl Deutschen als auch Luxemburger Parteigängern. Dies wurde zu einem der wichtigsten Motive zur Kollaboration. Ganz gelang das freilich nicht, denn unter den Bedingungen der Kriegswirtschaft war der Personalbedarf enorm, immerhin wurde der Luxemburger Stahl nun für die deutsche Waffenproduktion gebraucht. Nebeneffekt: Das Problem der Arbeitslosigkeit Luxemburger Ingenieure war mit der Kriegswirtschaft ebenfalls von einem Tag auf den anderen gelöst, selbst die ehemaligen Langzeitstudenten waren nun gefragte Fachleute.
Luxemburgische Kollaborateure gründeten die sogenannte Volksdeutsche Bewegung (VdB), welche den Willen der Luxemburger zum freiwilligen Anschluss an das Deutsche Reich zum Ausdruck bringen sollte. Sehr viele nahmen dieses niederschwellige Angebot an, auch wenn sie nicht im Geringsten daran dachten zu kollaborieren. Denn die Nazis verlangten für viele Arbeitsstellen, etwa in den Stahlwerken und eben auch für die Aufnahme eines Studiums, dass man zumindest in diesem Zusammenschluss Mitglied sein sollte. Man konnte den Nazis entgegenkommen, musste sich aber nicht gänzlich kompromittieren. Die Bewegung wurde auch von Widerstandsgruppen, etwa den ehemaligen Mitgliedern der kommunistischen Partei, gezielt unterwandert.
1941-1942 Studium und Widerstand der Zwangsaachener
Wer nun studieren wollte brauchte eine Genehmigung vom Chef der Zivilverwaltung Luxemburg und der ließ Luxemburger nur an ausgesuchten deutschen Hochschulen zu.
In einem Brief vom 30. Juni 1942 schrieb Gustav Simon, der Chefs der Zivilverwaltung in Luxemburg, an den Reichsminister des Innern79:
Die gesamtpolitische Lage in Luxemburg liess es mir von Beginn an dringend geboten erscheinen, mir die Möglichkeit einer stärkeren Einflussnahme auf die im Reich studierenden Luxemburger Studenten zu sichern. Aus diesem Grunde habe ich im Einvernehmen mit der Partei- Kanzlei und dem Reichserziehungsministerium nur eine beschränkte Zahl von Universitäten für Luxemburger Studierende zugelassen, im Wintersemester 1940/41 zunächst nur 5, später 10 reichsdeutsche Universitäten, darunter München, Frankfurt/M., Köln und Bonn. Für das Studium werden nur solche Studierende zugelassen, die auf Grund der jeweils möglichen politischen Beurteilung als politisch tragbar angesehen werden können. Darüber hinaus wurde nach Beendigung jedes Semesters die weitere Zulassung zum Studium von einem Gutachten über die Führung des einzelnen Studierenden abhängig gemacht. Dabei ergab sich, dass eine eingehende Überwachung in den Großstadtuniversitäten kaum durchzuführen war.
Später wurde noch verlangt, dass die Studenten zuvor den Reichsarbeitsdienst (RAD) oder Ersatzdienste (z.B. Mitarbeit beim Luftschutz) abgeleistet hatten80. Und so kamen zum WS 1940/41 auch wieder Luxemburger zum Studieren nach Aachen, hatten diesen Studienort allerdings nicht gerade frei gewählt. Statt in ihren eigenen Verein zusammen sein zu können, mussten sie sich nun dem nationalsozialistischen Studentenbund anschließen81, wo sie auf mehrere sogenannte Kameradschaften aufgeteilt wurden und unter ideologischer Bewachung standen. Der Studentenbund stand unter der Leitung von Studentenführer Dipl. Ing. Werner Rauterkus. Viel wissen wir für den Mann nicht82. In den Unterlagen des Hochschularchives taucht er erstmals als Kontaktmann für die Kamaradschaft „Langemarck“ auf83. Zum Zeitpunkt wo der Konflikt mit den Luxemburgern eskalierte schien Werner Rauterkus Doktorand gewesen zu sein84. Rauterkus schrieb später:
Mit der Wiedereröffnung der Techn. Hochschule Aachen kam eine größere Zahl luxemburgische Studenten an die Techn. Hochschule. Einige von ihnen waren bereits in Clausthal, andere an ausserdeutschen Hochschulen, der Rest begann mit dem Studium. Entsprechend den Verfügungen der Reichsstudentenführung teilten wir die Luxemburger unseren 11 Kameradschaften in der Weise zu, das jede Kameradschaft 2 – 4 Luxemburger erhielt. Wir hofften, auf diese Weise sie möglichst schnell in unsere Gemeinschaften einzugliedern, vor allem da wir annahmen, daß sie gewillt waren, sich während der Zeit ihres Studiums vor allem auch um ihre persönliche Eingliederung in den deutschen Volkskörper und auch in die Deutsche Studentenschaft zu bemühen.
Die Studienbedingungen waren hart, die Studenten mussten auch z.B. beim Aufräumen der Bombenschäden helfen85, und sie mussten 1941 beim sogenannten Rüstungseinsatz mitmachen86). Sie fügten sich äußerlich ein, signalisierten aber schon früh ihre innere, gar spöttische Distanz. So klagte im WS 1941/42 ein zum Studium beurlaubter Frontsoldat gegenüber dem Studentenführer Rauterkus87:
Es begegneten uns 2 Luxemburger, die Studenten Glaesener und Hoffelt, die ich grüsste. Als Erwiderung hob Glaesener seine rechte Hand und winkte mir mit 2 Fingern zu, – ein Gruss der bei den Luxemburgern allgemein geworden ist, während Hoffelt die linke seiner beiden tief in den Hosentaschen sitzenden Hände hob und mit 2 Fingern an den Kopf legte zum Zeichen anscheinend daß er meinen Gruss gnädig aufgenommen habe.
Die Luxemburger äußerten sogar Zweifel am Sieg der Deutschen88:
Der Kameradschaftsführer Kamperhoff erfuhr von dem Studenten Bauler im Laufe einer Unterhaltung, dass die Luxemburger es grundsätzlich ablehnten, einer militärischen Formation beizutreten. Es war auch hier wieder wie früher aus den Ausführungen Baulers herauszuhören, dass die meisten Luxemburger der Ansicht waren, insbesondere wohl Bauler, dass England wohl doch den Krieg gewinnt und alle diejenigen, die in irgendeiner Form militärische Dienste getan haben, zur Verantwortung gezogen würden. Ausser dieser Haltung hoben Luxemburger in Unterhaltungen nach Aussagen Kamperhoffs dauernd das französische Vorbild hervor und liessen durchblicken, dass sie dieses, weit eher anerkannten und die Deutschen die die Franzosen nur nachgeahmt hätten. Mit Begeisterung spielten sie auch französische Lieder. Um einen lauten und deutlichen Gruss drückten sie sich jedesmal herum.
Es gab bei der Bereitschaft der Luxemburger mitzumachen, allerdings eine rote Linie: Sie wollten an keinerlei militärischen Aktivitäten teilnehmen! Die Nationalsozialisten sahen diese Linie zunächst nicht, sie ließen sich von der Mitgliedschaft der Studenten in der VDB und dem absolvierten Reichsarbeitsdienst (RAD) blenden. So stellt es zumindest Rauterkus in seinen Berichten dar, die heute unsere Hauptquelle sind. Den Nationalsozialisten fiel aber auf, wie stark die Luxemburger sich praktisch gar nicht unter die deutschen Studenten mischten und ihre Zeit fast nur mit anderen Luxemburgern verbrachten. Oder wie erfolgreich sie sich bemühten, möglichst viel Zeit (z.B. Praktika) in Luxemburg zu verbringen, aus der Sicht der Nazis, „sich zu drücken“. Im Sommersemester drängten die Nationalsozialisten darauf, dass die Luxemburger nun auch an den Wehrsportübungen teilnehmen sollten. Am Ende sollten sie ein SA-Abzeichen bekommen. Sie sahen worauf das hinauslaufen würde: am Ende wären sie als Mitglieder einer NS-Organisation kompromittiert und sie ahnten, dass sie so viel leichter zur Wehrmacht eingezogen werden könnten. Dann müssten sie für den Feind kämpfen. Sie widersetzen sich und verweigerten die Teilnahme an den Wehrsportübungen.
Die Nationalsozialisten erreichten mit einer Taktik aus Drohungen und Entgegenkommen zunächst, dass die meisten Luxemburger zumindest zu den Schulungsabenden in nationalsozialistischer Ideologie am 19.6.42 und am Folgetag erschienen. Doch sie kamen nur, um ihre Ablehnung durch mutige Sprecher verkünden zu lassen. Denn es scheint, dass sie sich schon länger abgesprochen hatten sich privat möglichst zurückzuhalten und das Wort ihren Sprechern zu überlassen. Es waren jeweils Studenten, welche Ämter in der Studentenschaft übernommen hatten, und die die Nazis irrtümlich für ganz besonders vertrauenswürdig gehalten hatten89.
Am ersten Tag stellte Felix Hoffelt klar „dass er beauftragt sei, im Namen seiner Kameraden zu erklären, daß sie jegliche Beschäftigung mit Wehrangelegenheiten und wehrsportlichen Dingen, insbesondere das Tragen von Uniform und den Erwerb des SA-Ehrabzeichens ablehnten”90.
Am zweiten Tag wurden sie noch deutlicher. Wieder versuchte Studentenführer Rauterkus über einen Amtsträger Einfluss auf die Luxemburger zu gewinnen und erneut wurde er schwer enttäuscht: „Als ersten fragte ich den Studenten Strasser von dem ich, wie ich es aussprach, infolge seiner Tätigkeit im Studentenwerk im Amt Krankenkasse annahm, dass er sich für die Mitarbeit entschied, dieser jedoch lehnte den Wehrsport und die Mitarbeit als erster ab, was ein Beifallsgetrampel der Luxemburger hervorrief.”
Es folgten noch weitere Drohungen und Beschwichtigungsversuche. Es erschienen sogar 12 luxemburgische Studenten zur ersten Wehrsportübung vor der Talbothalle, aber mit der klaren Ansage: „dass sie nur unter der Bedingung mitarbeiten dass die Studenten, die bisher eine ablehnende Haltung gezeigt hätten, nicht bestraft würden. Im anderen Falle seien sie sämtlich bereit, die Strafe in jedem Falle mit ihnen auf sich zu nehmen.” Daraufhin wurde Ihnen befohlen, dass sie sich “am Mittwoch der 24.6. um 13.15 Uhr wiederum zum gemeinsamen Essen einzufinden hätten. Anschließend sollte ihre Stellungnahme im Einzelnen zu Protokoll gegeben werden”91. Zu dieser Sitzung erschien nur ein Luxemburger, Bauler, der während der vorangegangenen Ereignisse in Luxemburg war und folglich diese nicht richtig mitbekommen hatte. Die anderen Luxemburger hatten sich inzwischen so gut wie alle abgesetzt, selbst jener, der Rauterkus ausgiebig Auskunft gab und nach dem Krieg als Kollaborateur verschrien war. Am Ende dieses Tages verfasste Studentenführer Rauterkus seinen Bericht an den Rektor.
Der Rektor Ehrenberg berief einen sogenannten Dreierausschuss ein und dieser beschloss zum 18. Juli 1942, dass zwei Luxemburger Studenten einen Verweis erhielten, 20 das laufende Semester nicht anerkannt wurde und der Sprecher Felix Hoffelt die Hochschule verlassen müsse und nirgendwo in Deutschland wieder studieren dürfte.
Wie genau es danach weiter ging wissen wir (noch) nicht. Von einzelnen Studenten sind biographische Details bekannt:
- Der Sprecher Felix Hoffelt wurde vom Oberschulrat Lippmann (Gau Moselland) als „geistiger Urheber der ablehnenden Haltung der Luxemburger“ angesehen. Er wurde am 20. Juli 1942 in Luxemburg verhaftet92 und ins KZ Hinzert verbracht. Vorgesehen war, dass er danach zum RAD eingezogen werden sollte, und dann als Bergarbeiter arbeiten müsste, was vermutlich auch durchgezogen wurde. Er überlebte Gefangenschaft und Zwangsarbeit und wurde später trotzdem Ingenieur.
- Robert Herriges wurde zur Wehrmacht zwangsrekrutiert.
- Georges Rockenbrod floh am 9. September 1942 vor dem RAD nach Frankreich, wurde dort verhaftet und danach in Bordeaux, Luxemburg Grund und sogar vom 6.12.1942 bis zum 31.1.1943 im KZ Hinzert gefangen gehalten. Er konnte dem Gefängnis nur entfliehen, indem er sich ab 28. März 1943 doch zur Wehrmacht meldete und an der Ostfront kämpfte. Erst am 10. Februar 1945 gelang es ihm zu desertieren93.
Andere studierten wohl noch eine Zeit lang weiter. Ein Dokument aus dem Hochschularchiv mit der Bezeichnung “Liste der Volksdeutschen Studierenden 1932-1950” vermerkt bei den meisten Luxemburger Studenten: “gestrichen am 15.3.1943” und bei dem oben erwähnten Leo Strasser “exmatrikuliert am 4.11.1943”.
Der Vorlesungsbetrieb ging noch bis zum Sommersemester 1944 weiter. Dann wurde die Stadt Aachen von den Amerikanern erobert.
1940-1947 Kollaboration, Widerstand und Repression
Wir wissen nicht, ob der Altherrenverband in der Besatzungszeit aktiv war. Es ist bekannt, dass die Nationalsozialisten beispielsweise die Sportvereine zwangen dem Nationalsozialistischen Reichsbund für Leibesübungen (NSRL) beizutreten und sich nach dem Führerprinzip zu organisieren94. Ob unser Verein davon betroffen war, wissen wir nicht, da uns keine Nachrichten aus der Zeit überkommen sind. Vermutlich verhielten sich die Alten Aachener einfach ruhig oder der Verein war suspendiert.
Was die einzelnen Alten Aachener anbelangt, so finden wir hier in etwa dasselbe Bild vor, wie in der gesamten Luxemburger Bevölkerung: wir wissen sowohl von Kollaborateuren als auch von mehr oder weniger aktiven Widerstandskämpfern und von vielen Opfern die zwangsrekrutiert, umgesiedelt oder inhaftiert wurden, auch in Konzentrationslager95. Die große Masse dürfte sich mehr oder weniger passiv gefügt und durchlaviert haben, stets bemüht weder den Nationalsozialisten einen Vorwand zur Repression zu liefern, noch sich allzu stark zu kompromittieren. Eine Besonderheit der Alten Aachener ist vielleicht die, dass die meisten als Ingenieure oder Beamte in unselbständigen Stellungen arbeiteten, dort aber Führungsposten innehatten und unter besonderer Beobachtung von allen Seiten standen. Besonders betroffen waren diejenigen, die in den 1920er Jahren studiert hatten, sie waren nun Anfang bis Mitte 40. Als Absolventen einer deutschen Hochschule könnte man annehmen, dass sie für Propaganda und Anwerbeversuche seitens der Nationalsozialisten besonders empfänglich gewesen wären. Dies können wir so nicht bestätigen, im Gegenteil. Viele hatten sich vor dem Krieg explizit als frankophil zu erkennen gegeben. Wollte man genaue Zahlen angeben wollen, zu welcher Seite mehr Aachener tendierten, wäre zumindest eine mehrmonatige Studienarbeit mit viel Archivarbeit von Nöten. Unnötig zu sagen, dass von den Zeitzeugen keiner mehr lebt.
Das bedeutendste Einzelereignis, bei dem besonders viele Aachener auf beiden Seiten involviert waren, war dabei der Generalstreik gegen die Einführung der Wehrpflicht für Luxemburger am 31. August 1942 auf der Hütte ARBED Esch. Am tragischsten endet die Geschichte für den Direktor Mathias Koener96, nach dem im Süden unseres Landes viele Straßen benannt sind. In Aachener Kreisen war er damals eine Legende, weil er als der 200. Hüttenmann der RWTH ausgezeichnet worden war97. Er kam ins KZ Hinzert, aus dem er erst am 1. März 1943 entlassen wurde und wenige Tage später am 8. März 1943 starb98.
1944-1949 Die Befreiung und die Wiedereröffnung der Hochschule
Am 9. und 10. September 1944 befreiten die Amerikaner Luxemburg. Sie stießen anschließend auf Aachen vor, die somit die erste deutsche Stadt war, die von den Westalliierten belagert wurde und sich entsprechend heftig wehrte99. Nach Luftangriffen vor und Artilleriebeschuss während der Einnahme der Stadt war die Innenstadt zu 80% zerstört und 66% des Wohnraumes war nicht mehr zu benutzen100.
Nach Kriegsende wurde Deutschland in vier unterschiedliche Besatzungszonen aufgeteilt, Aachen lag in der britischen. Am 3. Januar 1946 wurde die Hochschule feierlich wiedereröffnet, mit einigen Auflagen: Bewerber, die sich besonders nationalsozialistisch betätigt hatten wurden ausgeschlossen. Etwa 220 Studenten kamen nach Aachen101. Unter waren ihnen auch einige der zuvor exmatrikulierten Zwangsaachener. Sie beendeten nun ihr Studium. Der Legende nach schrieben sie ihre Abschlussklausur bei Professor Walter Eilender in der Küche102.
Die Studienbedingungen waren nicht gut. 1947 berichtete auch eine Luxemburger Zeitung über das Studieren in Aachen103:
Neben den Bädern war früher die Technische Hochschule einer der Hauptanziehungspunkte Aachens. Sie ist wiedereröffnet, wenn auch fast 2/3 ihrer Baulichkeiten zerstört oder schwer beschädigt wurden. Unversehrt blieb nur das Maschinenlaboratorium, das Bergbaugebäude, das elektro-physikalische Institut. Alle anderen Gebäude wurden mehr oder weniger stark beschädigt. (…) Die Ernährungslage ist sehr schlecht, noch schlechter sind die Wohnverhältnisse für die Studenten. Von den Aachener Studenten hausen etwa 85 unter den primitivsten Umständen im Bunker, aber auch die anderen müssen zu mehreren zusammen ein Zimmer bewohnen, das im Winter meist ungeheizt ist. Oft fehlen sogar die Glühbirnen, um abends noch arbeiten zu können.
Unter den Hochschullehrern ist auch wieder ein Luxemburger: Edouard Houdremont, der vor allem auf die Studenten der 1950er Jahre einen großen Eindruck machte. Dies, obwohl er ein im Rahmen des Krupp-Prozess von dem Militärtribunal, unter anderem wegen des Einsatzes von Zwangsarbeitern in den Krupp-Werken, zu 10 Jahren Zwangsarbeit verurteilter Kriegsverbrecher war. Er wurde 1951 begnadigt104.
1949-1952 Die Neugründung des Vereines
Nach der Verabschiedung des Grundgesetzes am 23. Mai 1949 war die Bundesrepublik Deutschland gegründet worden. Das schuf stabilere Verhältnisse und langsam wurde die RWTH auch für Ausländer wieder attraktiver, wenn sie bereit waren die schwierigen Studienbedingungen zu akzeptieren.
Auch die Alten Herren des AV d’Letzeburger wollten nach dem Krieg unbedingt, dass es wieder einen Studentenverein in Aachen gäbe. Zum Wintersemester 1949/50 waren wieder 12 Luxemburger an der RWTH Aachen eingeschrieben. Der Präsident des A.H.A.H.-Verbandes Frank Meyer hatte den jungen Jean Thielen kennengelernt und als dieser auf Meyers Zureden hin nach Aachen wechselte bekam er einen klaren Auftrag mit: er sollte den AV d’Letzeburger neugründen105!
Die Alten Herren lieferten moralische, logistische und vor allem finanzielle Unterstützung. Die beiden Vereine hielten gemeinsame Generalversammlungen ab, so z.B. am 20 Oktober 1951. Weil Frank Meyer Direktor des Hüttenwerks Dudelange war, fand die Versammlung der Einfachheit halber dort im Casino statt und das Ganze war noch mit einer Betriebsbesichtigung des Düdelinger Walzwerkes verbunden106.
Die Neugründung wurde ein voller Erfolg!

Der AVL arbeitete neue Statuten aus, die sich aber sehr eng an die von 1915 anlehnten. Ein Fehler der hierbei unterlief: Der dort abgebildete Bierzirkel wurde falsch wiedergegeben, ein Strich verlief anders, was jahrelange Neckereien der Studenten durch die alten Vorkriegshaudegen zur Folge hatte.
Der Verein führte wieder Bierzirkel und Wappen, die Studenten trugen die auberginefarbenen Mützen, tauschten Bierzipfel und so weiter. Nur die Fahne wurde nicht wieder ersetzt.
Es gab wieder einen Luxemburger Konsul in Aachen, diesmal ein Luxemburger: Jean-Louis Schrader, der die Studenten wieder zur Feier des Geburtstags der Großherzogin einlud. So z.B. am 28. Januar 1952. Laut Augenzeugenberichten sollen einige Studenten damals des Konsuls Einladung zum Freibier mit den Worten „Ech ginn elo, mee Dir kënnt nach sou laang bleiwen wi Dir wëllt, ech bezuelen alles“ sehr großzügig ausgelegt haben. Einige nahmen sich spontan ein Zimmer im Quellenhof und blieben mehrere Tage bis der Konsul dann verlautbaren ließ, dass er nichts mehr zahlen würde107.
In jenen Tagen spielten die Luxemburger auch ihren berühmtesten Streich: am 13. Juni 1952 klauten sie den Apfel der Karlsfigur auf dem Marktplatz, „reinigten“ ihn von seiner Patina und brachten ihn am nächsten Tag zurück. Mit Bekennerschreiben108!
Der Höhepunkt dieser Entwicklung war dann das 55. Stiftungsfest am Wochenende vom 5 und 6. Juli 1952. Von diesem Fest gab es dann auch wieder einen, diesmal sehr ausführlichen Bericht in der Zeitung, denn die Aachener waren mit dem freien Mitarbeiter des Tageblattes eng befreundet. Jean Majerus wurde einfach als „Delegierter der Escher Universitären [sic]”109 miteingeladen110.
1953-1958 Reformen und Schwierigkeiten
Auch wenn die Alten Herren nichts sehnlicher wünschten: der 1950er AVL war keine 1:1 Kopie des Vorkriegsvereines. Die Verhältnisse und damit auch die Interessen hatten sich verschoben. Vor dem Krieg war Sport kein Thema für den AVL, auch wenn bereits damals viele AVLer sportbegeistert waren. Nur wenige trieben Sport111. Nun war die Begeisterung für Fußball und Basketball112 unter den Studenten so groß, dass der Verein in beiden Sportarten Mannschaften aufstellte. Man spielte gegen die anderen Studentenverbindungen und fuhr auch Siege ein113! Frank Meyer stiftete sogar einen Pokal um den man spielen konnte.
Waren die Studenten vor dem Krieg vor allem mit dem Zug nach Aachen gefahren, organisierte der AVL nun einen Bus für eine preiswerte Hin- und Rückfahrt. Neben einer mündlichen Mitteilung durch den Gründungspräsidenten Jean Thielen, haben wir hiervon auch dadurch Kunde, dass das mit dem Bus auch mal schief gehen konnte. So stand am 03.01.1952 in der Zeitung114:
Luxemburg, 3. Januar A.V. d’Letzeburger Aachen. Da durch das unbeständige Wetter unerwartete Schwierigkeiten eingetreten sind, kann die Rückreise nach Aachen nicht, wie ursprünglich geplant war, stattfinden. Die einzelnen Interessenten sind daher gebeten, sich nach einer andern Reisemöglichkeit umzusehen.
Aber auch beim A.H.A.H.-Verband drängten sich Änderungen auf. Auf oben erwähnten gemeinsamen Generalversammlung der beiden Vereine (Studenten und Alte Herren) vom 20 Oktober 1951, stand eine Reorganisation auf der Tagesordnung115:
Après la réorganisation du „AHAH-Verband“ a été élu le nouveau comité. D’après ces élections les 2 comités se composent comme suit. — Comité du AHAH: Président: Mr. Frank Meyer. Secrétaire: Mr. Norbert Proth, Caissier: Mr. Alphonse Mullenberger. — Comité de l’AV: Président: Jean Thielen. Secrétaire: Armand Pundel. Caissier: Jacques Bodé.
Auf der, ebenfalls gemeinsam von AVL und A.H.A.H.-Verband durchgeführten, Generalversammlung am 27. Mai 1953 stand ein Vorschlag des Präsidenten Meyer zur Diskussion116: Der Verein möge künftig zwei Arten von Mitgliedschaft anbieten um möglichst alle Absolventen der RWTH in einer einzigen Vereinigung zusammenzuführen: Mitglieder des A.H.A.H. und „Membres afiliés“. Letztere sollten nur die Hälfte des Mitgliedsbeitrages zahlen müssen. Es gab inzwischen wohl eine größere Anzahl von Alten Aachenern, die vorher nicht Mitglied im AVL waren und somit nicht Mitglieder des Altherrenverbandes werden konnten. Gedacht war hierbei sicher vor allem an diejenigen, die während des Krieges studiert und in den späten 1940ern abgeschlossen hatten. Diese sollten auch Vollmitglieder werden können, wenn sie es wollten. Der Vorschlag betonte dabei, «tous les membres doivent présenter les garanties morales nécessaires», dies ein deutlicher Hinweis darauf, dass es im Kriege viele Kollaborateure gegeben hatte. Außerdem waren 1943 ja auch nicht alle Luxemburger zwangsexmatrikuliert worden.
Der Vorschlag scheint angenommen worden, die moralischen Kriterien dabei aber nicht allzu streng ausgelegt worden zu sein. Eine leider undatierte Mitgliederliste um 1960 führt neben Zwangsaachenern wie Felix Hoffelt, Georges Rockenbrod und Robert Schanen auch eine ganze Reihe von belasteten Namen auf und zwar nicht nur solche, gegen die zwar ermittelt, deren Verfahren aber eingestellt wurden, sondern auch mindestens einer, der zur Zwangsarbeit verurteilt worden war.
1954 führt die Amicale sogar einen Stammtisch ein: jeden ersten Samstag um 17:00 im Café Monterey am Boulevard Royal117.
Mitte der 1950er begannen allerdings die Schwierigkeiten. An Sylvester 1954 hatten die A.H.A.H. zusammen mit dem AVL einen „Bal“ organisiert, der mit Verlust abgeschlossen wurde. Aber auch mit der Disziplin der Mitglieder scheint es Probleme gegeben zu haben. Der Sekretär des AVL schreibt an seinen Freund Jean Thielen, inzwischen Sekretär des A.H.A.H. Verbandes, dass sie die Statuten nun strikt anwenden würden und auch in Kauf nähmen dann die Anzahl der Mitglieder verringern zu müssen118. Wir dürfen vermuten, dass dies eine Anspielung darauf ist, dass sich damals schon die Mitglieder nicht mehr an die Pflicht, an den Veranstaltungen des Vereines teil nehmen zu müssen, hielten. § 16 der Statuten von 1952 befand nämlich:
§ 16. Pflichten der aktiven Mitglieder:
Die aktiven Mitglieder sind verpflichtet, sich an allen offiziellen Vereinsveranstaltungen zu beteiligen. Unter offiziellen Veranstaltungen versteht man:
- wissenschaftliche Exkursionen und Vorträge;
- Vereinskonvente;
- Kneipabende.
Fehlt ein Vereinsmitglied an drei aufeinander folgenden offiziellen Vereinsveranstaltungen ohne triftigen Grund, so hat es sich auf schriftliche Einladung hin vor dem Rat der ältesten zu verantworten.
Wird dieser Einladung nicht Folge geleistet, wird betreffendes Mitglied aus den Listen des A.V.d`Letzeburger gestrichen.
Der Verein war inzwischen wohl stark gewachsen, wie auch die Zahlen der Studenten an der RWTH insgesamt. Am Ende des Jahrzehntes waren es über 10.000 Studierende an der RWTH119. Ganz sicher war sich Molitor aber wohl nicht, denn er schränkt die Ankündigung harten Durchgreifenwollens mit dem Nebensatz “s’il sera necessaire” ein.
Aus dem Jahr 1955 ist erstmalig auch ein Semesterprogramm überliefert:
| 13.5.1955 | Vereinskonvent (Coupe Frank Meyer) |
| 20.5.1955 | Fuchsentaufe und Vereinskonvent |
| 3.6.1955 | Vegla-Besichtigung (Herzogenrath) |
| 10.6.1955 | Vereinskonvent |
| 24.6.1955 | Vereinskonvent |
| 7.7.1955 | Felten-Guilleaume-Besichtigung (Köln-Mühlheim) |
| 15.7.1955 | Chargen Neuwahl für das Wintersemester 55/56 und Semesterabschlusskneipe. |
In diesem Semesterprogramm wird auf §16 hingewiesen. Insbesondere scheint der Satz „Die aktiven Mitglieder sind verpflichtet, sich an allen offiziellen Vereinsveranstaltungen zu beteiligen.” den jungen, aus Sicht der Alten Herren, undisziplinierten, Studenten Schwierigkeiten bereitet zu haben.
Auf der gemeinsamen Versammlung von AVL und A.H.A.H. vom 29. September 1955 hielt Thielen fest120:
«L’AV est désorganisé: 85 étudiants 24 membres. Divergences avec les principes de l’ancien AV. C’est un club au chagrin, fait se qu’il veut».
Aber auch bei der Amicale scheint die Disziplin nachgelassen zu haben. In seiner Einladung zur Generalversammlung der Amicale ins hauptstädtische Casino schreibt Frank Meyer121:
«Nous attachons une importance spéciale à cette assemblée qui nous permettra de reserrer les liens, malheureusement quelque peu relachés [sic] de par le passé.»
Eine der Maßnahmen scheint die Organisation einer klassischen „Kneipe“ nur für die Alten Herren gewesen zu sein. Meyer setzte sie an für den 8. März um 20:15 im Casino von Esch und hoffte, sie würde „fera revivre l’ancienne ambiance estudiantine“. Thielen erinnerte die Mitglieder daran, dass sie ihr Kommersbuch mitbringen sollten. Handschriftlich notiert er zufrieden das Ergebnis: „présents 26 membres, l’ambiance était très bien. Chansons d’autrefois“122.
Trotzdem, das Verhältnis der beiden Vereine scheint gelitten zu haben. In einem Brief vom 22. Juni 1957, der vom Präsidenten und vom Sekretär des AVL an den Präsidenten der Amicale gerichtet wurde und in dem sie ihm die Zusammensetzung des neuen Vorstandes mitteilen, reden auch die Studenten davon „d’intensiver de nouveau nos relations (…) qui avaient étés un peu délaissés pendant le dernier temps“. Sie unterschreiben den Brief mit auf klassische Art mit Bierzirkel und der Angabe ihrer Chargen mittels den Kürzeln (X) und (XX). Obwohl sie ihre Ämter eben erst angetreten hatten, setzten sie also die Kürzel in Klammern, so als wären dies Ämter die sie in der Vergangenheit bekleidet hätten. Wohl ein Zeichen, dass die Gepflogenheiten des Verbindungswesens ihnen nicht mehr so sehr vertraut waren.
Die Anciens reagierten und luden wieder zu einer gemeinsamen Versammlung beider Vereine in der Salle Saint Hubert im hauptstädtischen Casino ein. Sie boten den Studenten sogar ein Festessen (Banquet)123. Es war die Abschiedsvorstellung von Frank Meyer, der als Präsident auf dieser Versammlung dann zurücktrat und an Jean Thielen übergab.
1958-1960 Das Ende der Verbindungszeit
Die Beziehungen scheinen sich zunächst gebessert zu haben, doch alles half nichts. Die alten Traditionen, insbesondere die strengen Regeln fanden kein Verständnis mehr. Nach dem Weggang von Jean Heusbourg alias Kluef wurde das Amt des Fuchsmajors nicht mehr geführt. Vielleicht wären die Traditionen gerettet worden, wenn der AVL ein eigenes Haus gehabt hätte. In der Tat äußern die Präsidenten Armand Blaschette (1958) und Paul Pfeiffer (1959) gegenüber der Regierung den Wunsch nach einem eigenen Haus. In einem Haus hätte man auch den stabilen Stahlschrank „700 Triumph Schrank“ mit Prüfungsaufgaben unterbringen können, den die Studenten zu Beginn des Jahres auf Wunsch der Alten Herren für 250 DM gekauft hatten. So stand er in einem von der Hochschule zur Verfügung gestelltem Raum. Dieser Schrank wurde 1972 von der Hochschule beschlagnahmt.
Regelmäßige Beziehungen zu Luxemburger Studenten in anderen Städten wurden dank fortschreitender Motorisierung der Studenten nun möglich. Auch wechselten Ende der 50er viele Studenten aus Lüttich nach Aachen. Sie brachten belgische Studentenfolklore (Byzutage des Bleus, Schäißbuch, Liederbuch “Bitus magnifique”) mit und somit frischen Wind in die eingefahrene Routine.
Auch wenn der Byzutage für die Erstsemester nichts Gutes verheißen konnte, so besserte sich ihre Situation doch durch die neuen Statuten. Diese wurden nun auf Französisch formuliert und lehnten sich stark an denen aus Lüttich an. Sie unterschieden nicht mehr zwischen Füchsen und Burschen. Leider wissen wir nicht, wann genau die Statuten beschlossen wurden. Die erhaltenen Protokollbücher des AVL setzen erst mit dem 3.12.1959 ein124 und der erste Eintrag spricht bereits davon, nur leichte Änderungen an den neuen Statuten vorzunehmen.
Eine negative Folge der Reform war, dass der Kontakt zu den Ehemaligen abriss; die neuen Statuten sahen sie nur noch an zwei Stellen vor:
- Artikel 3 gesteht der nun als eigenständig angesehenen Amicale des Anciens d’Aix-la-Chapelle zu, eine Patronage über den Verein auszuüben, ohne näher zu beschreiben, was darunter zu verstehen ist.
- Und Artikel 44 verfügt, dass, sollte sich der Verein auflösen, „Les archives et la caisse sont remis aux mains du comité de l’amicale des Anciens.”
Ganz konnten die Modernisierer sich aber nie gegen die Traditionalisten durchsetzen: Eine vorgeschlagene Abschaffung des, als veraltet empfundenen, Namens AV d’Letzeburger wurde am 14.6.1966 mit deutlicher Mehrheit abgelehnt125!
1963 setzten AVL und AMICALE noch mal eine Arbeitsgruppe zusammen um die Beziehungen wiederaufzunehmen und zu intensivieren, aber wohl ohne echtes Ergebnis.
Die AMICALE hatte den Umbruch nicht gut verkraftet, sie bleibt praktisch die ganzen 1960er Jahre über mehr oder weniger inaktiv.
Lediglich den Bal im Casino organisierten Amicale und AVL weiterhin zusammen, der zusehends eine wichtige Einnahmequelle für den AVL geworden zu sein scheint.
– Ende Teil I –
Fußnoten
- Der Titel war dem Wahlspruch des Vorkriegs-AVL entlehnt der in etwa “Gib Dein Geld aus!” bedeutet. Im Original schreibt er sich “Rull de Wack”, wobei das “a” aber gedehnt ausgesprochen wird. 1997 passten wir zum leichteren Verständnis den Titel an die damals übliche Rechtschreibung. Nach dem Großherzoglichen Reglement vom 30. Juli 1999 würde man “Wak” schreiben. [↩]
- Albert Huyskens, die Gründung der rheinisch-westfälischen polytechnischen Schule. In Paul Gast (Herausgeber) Die technische Hochschule zu Aachen 1870-1920 – eine Gedenkschrift, Aachen 1920.
Hospitant ist eine ältere Bezeichnung für Gasthörer, also eine Person, die in Eigeninitiative und ohne Pflichten Lehrstunden oder Vorlesungen in Schulen oder an einer Hochschule besucht. [↩] - Siméon: Das Verkehrswesen des Aachener Gebietes in Vergangenheit und Gegenwart, Aachen 1929. [↩]
- Max Eckert: „Der Aachener Student“ in Paul Gast (Herausgeber): Die technische Hochschule zu Aachen 1870-1920 – eine Gedenkschrift, Aachen 1920. Seite 449. [↩]
- Die Vereine Carolingia und AVL scheinen später befreundet gewesen zu sein. Die Carolingia schickte zum 25. Stiftungsfest AV d’Letzeburger gleich alle drei Chargierten. Siehe Lokales. In: Luxemburger Wort, 1922. Jg., No 142 (21.06.1922), p. 2. [↩]
- Max Eckert, cit. op. Seite 435. [↩]
- Eine Liste der Mitglieder bis 1899 kann unter http://www.aachen.lu/avlhistory/personen/montania/ eingesehen werden. [↩]
- Le jeune Emile Mayrisch. In: d’Letzeburger Land, 25. Jg., No 9 (03.03.1978), p. 7. [↩]
- Max Eckert, cit. op. Seite 436. [↩]
- Max Eckert, cit. op. Seite 437. [↩]
- Ab 1888/89, ein Student namens « Siegen », das kann nur Camille Siegen gewesen sein, der Sohn des Staatsarchitekten. Und 1890/91, also in der Endphase der OL, ein Student namens „Crodecheaux“. Darin ist Maurice Godchaux zu erkennen, wenn wir annehmen, dass der Chronist der Montania den Namen falsch abgelesen hat, oder aber er 1890 falsch aufgeschrieben wurde. In der Einschreibeliste (Hochschularchiv) wird er auch als Godcheaux geführt. [↩]
- Tom Theves : Le cercle des étudiants luxembourgeois à Louvain de 1880 à 1914, in Hémecht 2002. [↩] [↩]
- Jules Mersch Biographie Nationale, Bd. 6 – „les Metz, une dynastie de fer “, Seite 357. [↩]
- So z.B. von Tina Noroschadt in einem Artikel über die Studenten aus Aachen in der Revue, Oktober 2008. [↩]
- Max Eckert: Op. cit. 459. [↩]
- Chronik aus der Hauptstadt. Luxemburg, 30. August. In: Obermosel-Zeitung, 15. Jg., No 70, Spezial-Ausgabe für den Kanton Esch an der Alzette und nächste Umgebung (30.08.1895), p. 1. [↩]
- Wahrscheinlich am 29. Juli 1897, spätestens aber im Oktober 1897. Denkbar ist auch, dass der Verein schon 1896 gegründet wurde. [↩]
- Luxemburger Wort, 1927. Jg., No 194 (13.07.1927), Seite. 3. [↩]
- Definition in §15 der ältesten bekannten Statuten, bzw. Kapitel III der Statuten von 1915. [↩]
- Chronik aus der Hauptstadt. In: Bürger= und Beamten=Zeitung., 1. Jg., No 59 (16.05.1899), p. 2. [↩]
- Das Studentenfest in Löwen. In: Luxemburger Wort, 1899. Jg., No 145 (25.05.1899), p. 3. [↩]
- Couleurkarte von Präsident Camille Keiffer an seinen Bruder Arthur in Lüttich vom 30. Juni 1901. [↩]
- Freundliche Mitteilung durch Tom Theves im Jahre 1997. [↩]
- Die Nennung des Biernamens Rull erlaubte hier eine Identifizierung: Der Name wurde in Louvain falsch aufgeschrieben, gemeint ist Alphonse Wagener, der von 1901-1905 in Aachen studierte. Er schrieb 1962 eine Autobiographie, in der er auch auf seine Aachener Zeit eingeht. Siehe: d’Letzeburger Land, 9. Jg., No 18 (04.05.1962), p. 10. [↩]
- Siehe weitere Details zu dieser Couleurkarte [↩]
- Zitat von Wikipedia, abgelesen am 3. August 2023. [↩]
- “Alte Aachener”, auf Luxemburgisch “al Oochener“, ist eine Eigenbezeichnung der Aachener Absolventen aus Luxemburg. Sie leitet sich vermutlich von dem älteren Begriff „Alte Herren“ ab. [↩]
- Tony Lefort. In: Luxemburger Wort, 1928. Jg., No 82 (22.03.1928), p. 3. [↩] [↩]
- Obermosel-Zeitung, 35. Jg., No 88 (10.10.1914), p. 2. [↩]
- Lokal-Neuigkeiten. In: Escher Tageblatt, 1915. Jg., No 240 (12.10.1915), p. 3. [↩]
- Akte AE-02256. Freundliche Mitteilung seitens Charles Lux vom Anlux, per Email am 23. Mai 2023. Charles Lux hatte den Teilnehmern einer Besichtigung des ANLux durch Mitglieder Amicale am 13. Mai 2023 den Brief bereits vorgestellt. [↩]
- Verwahrt werden die Personalverzeichnisse im Hochschularchiv der RWTH (HAS). Wir benutzten im Jahre 1994 erstellte Kopien, einmal das für das WS 17/18, jenes für das Sommersemester 1918, letzteres mit zusätzlichen handschriftlichen Änderungen für das SS 1919. [↩]
- Personalverzeichnis der Königlich Technischen Hochschule zu Aachen fürs Sommerhalbjahr 1918 auf Seite 17. [↩]
- Angaben im „Personalverzeichnis der Königlich Technischen Hochschule zu Aachen fürs Sommerhalbjahr 1918“, auf Seite 22 für das WS 17/18 und auf Seite 28 für das Sommersemester. [↩]
- Für die verwendeten Abkürzungen der Studienfächer, siehe Anhang. [↩]
- Lokales. In: Luxemburger Wort, 1918. Jg., nº 315 (11.11.1918), p.3. [↩]
- Gemeint ist vermutlich eine Postanweisung, die auch telegraphisch übermittelt werden konnte. Dabei wurde bei einer Postanstalt ein Betrag bar eingezahlt, und die Post zahlte dem Zahlungsempfänger den Betrag aus. [↩]
- Obermosel-Zeitung, 40. Jg., No 108 (23.09.1920), p. 3. [↩]
- Siehe Tabelle oben, die Zahlen für das SS 1919 und den Beitrag „Die Entwicklung der Zahl der Luxemburger Studenten in Aachen vor 1939“. [↩]
- Escher Tageblatt, 1920. Jg., No 131 (08.06.1920), p. 2. [↩]
- Zur Lage in Dommeldingen. In: Luxemburger Wort, 1921. Jg., No 60 (14.03.1921), p. 3. [↩]
- Obermosel-Zeitung, 41. Jg., No 50 (02.04.1921), p. 2. [↩]
- Luxemburger Wort, 1921. Jg., No 105 (07.05.1921), p. 3. [↩]
- Siehe z.B. https://de.wikipedia.org/wiki/Ruhrbesetzung [↩]
- Almanak Academische Vereeniging Hollandia” 1960, Seite 60. Original einsehbar im Stadtarchiv (StA) Aachen. [↩]
- Ausrufung der Rheinischen Republik. — Bayern in offener Obstruktion. In: Luxemburger Wort, 1923. Jg., No 295 (22.10.1923), p. 1. [↩]
- Die Zwischenfälle in Aachen. In: Escher Tageblatt, 1923. Jg., No 256 (03.11.1923), p. 2. [↩]
- Obermosel-Zeitung, 43. Jg., No 177, Erstes Blatt (27.10.1923), p. 2. [↩]
- Der Bürgerkrieg in Deutschland. In: Obermosel-Zeitung, 43. Jg., No 175 (25.10.1923), p. 4. [↩]
- Lokales. In: Luxemburger Wort, 1923. Jg., No 300&301, Abendendausgabe (27.10.1923), p. 3. [↩]
- Chronik aus der Hauptstadt. Luxemburg, 3. November. In: Obermosel-Zeitung, 43. Jg., No 182, Erstes Blatt (03.11.1923), p. 3. [↩]
- Luxemburger Wort, 1923. Jg., nº 317 (13.11.1923), p. 2. [↩]
- Die Belgier in Aachen. In: Obermosel-Zeitung, 38. Jg., nº 98, Erstes Blatt (06.12.1918), p. 1. [↩]
-
Brief von Egon Zander vom 25.05.1994.
Es existiert eine Postkarte von der Hartmannstrasse 17 als Cercle Militaire Belge welche das Lokal als Kantine zeigt (siehe Sammlung Crous des AKV). Wir denken daher, dass Egon die beiden Lokale 71 Jahre später verwechselte.
[↩]
- Aus: Lokal Chronik. In: Luxemburger Wort, 1927. Jg., No 194 (13.07.1927), p. 3. [↩]
- Obermosel-Zeitung, 51. Jg., No 182 (07.08.1931), p. 3. [↩]
- Lokal-Chronik. In: Luxemburger Wort, 1927. Jg., No 202 (21.07.1927), p. 3. [↩]
- Zum Tode Emil Mayrischs. In: Luxemburger Wort, 1928. Jg., No 69 (09.03.1928), p. 2. [↩]
- Obermosel-Zeitung, 49. Jg., No 247 (25.10.1929), p. 2. [↩]
- Lokal=Chronik. In: Luxemburger Wort, 1929. Jg., No 25 (25.01.1929), p. 3.
[↩] - CHRONIQUE LOCALE. In: L’indépendance luxembourgeoise, 60. Jg., No 136 (19.05.1930), p. 2. [↩]
- Kurssturz an der New Yorker Börse. In: Luxemburger Wort, 1929. Jg., No 297 (24.10.1929), p. 2. [↩]
- Siehe auch André Grosbusch „Les associations estudiantines luxembourgeoises“, Luxemburg 1985, Seiten 98-101. Dort sind zeitgenössische Zitate. [↩]
- Lokal=Chronik. In: Luxemburger Wort, 1931. Jg., No 26 (26.01.1931), p. 4. [↩]
- In: Aus der Stadt Luxemburg Luxemburg, den 31. Januar 1941. In: Obermosel-Zeitung, 61. Jg., No 26 (31.01.1941), p. 5. 5 [↩]
- “Vertriebene Professoren” in RWTH 1970-1995, ISBN 3-930701-06-5, Seiten 181-274. [↩]
- Hochschullehrer werden beurlaubt.. In: Luxemburger Wort, 1933. Jg., nº 124 (04.05.1933), p. 2.
[↩] - https://de.wikipedia.org/wiki/Himmler-Erlass_vom_20._Juni_1938 [↩]
- Harro Mies: Die Studierenden und ihre Selbstverwaltung. In: Wissenschaft zwischen technischer und gesellschaftlicher Herausforderung: die Rheinisch-Westfälisch Technische Hochschule Aachen 1970-1995. Aachen, Einhard Verlag 1995. ISBN 3-930701-06-5. Seite 63 [↩]
- Brief von Norbert Pütz an den Autor vom 16. Januar 1993. [↩] [↩]
- Akademia Paques 1936, F.G. al. Spond. P 57 [↩]
- Die Unabhängigkeitsfeier in Aachen. In: Luxemburger Wort, 1939. Jg., No 144 (24.05.1939), p. 9. [↩]
- Eine sonderbare Unabhängigkeitsfeier Hemecht, Wilhelmus — und dreifaches Sieg Heil! auf Adolf Hitler. In: Die neue Zeit (1936-1940), 3. Jg., No 38 (01.06.1939), p. 1. [↩]
- In Memoriam E. CUPPER. In: Luxemburger Wort, 1947. Jg., No 322 (18.11.1947), p. 5. [↩]
- Lokalneuigkeiten. In: Escher Tageblatt, 1935. Jg., No 269 (16.11.1935), p. 3. [↩]
- Lokal-Chronik. In: Luxemburger Wort, 1939. Jg., No 87 (28.03.1939), p. 6. [↩]
- Kluck ist die luxemburgische Form von „Glucke“, er galt als sehr fürsorglich. Sein Grabredner Charles Roger attestierte ihm regelrechte Stipendien an Aachener Studenten ausgezahlt zu haben. [↩]
- Escher Tageblatt, 1939. Jg., No 254 (27.10.1939), p. 7. [↩]
- In: ANLux, Cote: IP-0364 (Chef der Zivilverwaltung, étudiants luxembourgeois sous l’occupation allemande [↩]
- Universitätsstudien im Wintersemester 1942/43. In: Luxemburger Wort, 1942. Jg., No 271 (28.09.1942), p. 3. [↩]
- Luxemburger an der Technischen Hochschule in Aachen. In: Escher Tageblatt, 1941. Jg., No 25 (30.01.1941), p. 3. [↩]
- Ein 2022 vom Hochschularchiv im Internet bereitgestelltes Dokument mit dem Titelt „Autorenliste zum Jahrbuch der Technischen Hochschule zu Aachen – Erster Jahrgang 1941“ macht über ihn folgenden Angaben:
- Geburtsdatum: unbekannt, Todesdatum: unbekannt
- Stud., I.V. Studentenführer, Senatsvertreter der Studentenschaft (1941-1945)
- Literaturhinweise und Quelle: Promotion mit Personalunterlagen. Sehr gut. 1943-1944, (Sig.: 7001)
- Bericht:“Der Nationalsoz. Dt. Studentenbund an der TH-AC” (AMA, Jg. 41, S.38-42.)
- Dissertation: “Über den Einfluss eines Impfverfahrens auf die Gefügeausbildung u. die technologischen Eigenschaften einiger Gußwerkstoffe” (AMA, Jg.49, S.228.)
- Entwurf der Doktorurkunde (Sig.: 1368)
Und gibt ihrerseits als Quelle an: Kalkmann – Die Technische Hochschule Aachen im Dritten Reich, Seite 114, 255-258, 545
[↩] - Programm der TH Aachen aus dem Semester 1939/1940, Seite 29. [↩]
- Zur Rolle der Studentenführer im Nationalsozialismus, siehe https://de.wikipedia.org/wiki/Nationalsozialistischer_Deutscher_Studentenbund [↩]
- Mitteilung durch den Zeitzeugen Robert Schanen, bei einem Telefongespräch mit dem Autor am 1. September 1992. [↩]
- Bericht über die Haltung der luxemburgischen Studenten an der Techn. Hochschule Aachen, insbesondere über die Vorfälle vom 19. – 24. Juni 1942. Erstellt vom Studentenführer Rauterkus am 24.6.1942. Abschrift an den Chef der Zivilverwaltung, verwahrt in ANLux, Cote: IP-0364 (Chef der Zivilverwaltung, étudiants luxembourgeois sous l’occupation allemande [↩]
- Rauterkus Bericht… Seite 3. [↩]
- Der Luxemburger Student Bauler gegenüber dem Kameradschaftsführer Kamperhoff. Rauterkus, Bericht… Seite 3 und 4. [↩]
- Ein Brief der NSDAP des Gaus Moselland vom 15.6.1941 an Oberschulrat Lippmann führt z.B. Felix Hoffelt in einer „Liste der Studenten, die als förderungswürdig gelten“ auf und versichert „Kamerad Düpong und ich haben die Liste geprüft.“ ANlux, IP-0364. [↩]
- Rauterkus Bericht… Seite 5. [↩]
- Rauterkus: Bericht… Seite 10. [↩]
- Brief von Oberschulrat Lippmann vom 20. Juli an das Einsatzkommando des Sicherheitsdienstes in Luxemburg. ANlux IP-0364 [↩]
- Undatierter Bericht von Georges Rockenbrod an die Féderation des enrôles de force. Abgerufen am 3.10.2022 von http://www.ons-jongen-a-meedercher.lu/. [↩]
- Eng generalversammlung am krich. In: D’Unio’n, 3. Jg., No 199 (31.08.1946), p. 9. [↩]
-
Wir haben einzelne Biographien stichprobenartig untersucht. Unsere Recherchen brachten einige Überraschungen zu Tage. Diese waren für uns ein wichtiger Grund in der vorliegenden Schrift weitgehend auf Namensnennungen zu verzichten.
Unsere Erkenntnisse sind aber noch nicht stark genug ausgewertet um sie schon zu veröffentlichen. Wir können jetzt aber schon soviel sagen:
Es gab im Grunde zwei Sorten von Kollaborateuren:
- Jene die sich den Nazis freiwillig andienten. Z.B. weil sie Karriere machen wollen wollten./li>
- Und diejenigen, die mit mehr oder weniger Druck zu einer Zusammenarbeit erpresst wurden.
Wir kennen Beispiele für beide Gruppen.
[↩]
- Als Quelle die zeitlich am nächsten an den Ereignissen dran ist empfehlen wir, Marie Bastian: l’usine Arbed-Esch et son personnel sous l’occupation allemande. Esch-sur-Alzette 1947. [↩]
- Lokales.. In: Luxemburger Wort, 1909. Jg., No 172 (21.06.1909), p. 3. [↩]
- Zum Gedenken an Arbed-Direktor Mathias Koener. In: Luxemburger Wort, 116. Jg., n° 351 (17.12.1963), p. 6. [↩]
- Für Details, siehe z.B. Franz Joseph Küsters: Der zweite Weltkrieg zwischen Maas und Rur. Aachen 1995. ISBN 3-89124-284-0. [↩]
- Hans Hoffmann: Aachen in Trümmern. Düsseldorf Droste, 1984. ISBN 3-7700-0662-3. Seite 97. [↩]
- Harro Mies, Seite 64. [↩]
- Mündliche Mitteilung durch Jean Heusbourg am 06.04.1994. Dieser ist allerdings kein Zeitzeuge, sondern studierte in den 1950er Jahren. Der betroffene Zeitzeuge Robert Schanen erwähnte diese Anekdote bei unserem Gespräch am 01.09.1992 hingegen nicht. [↩]
- Die Technische Hochschule Aachen. In: Luxemburger Wort, 1947. Jg., No 216 (04.08.1947), p. 2. [↩]
- Alfred Bové: Luxemburger im Ausland. Memorial 1989.
Siehe auchhttps://de.wikipedia.org/wiki/Eduard_Houdremont#Leben_und_Wirken [↩] - Mitteilung durch Jean Thielen beim Besuch des Autors bei ihm zuhause am 24.10.1992. [↩]
- Einladungsschreiben von Jean Thielen an die Mitglieder von AVL und AHAH-Verband vom 14. Oktober 1951. IN: Vereinsarchiv, Akte FD-289-132. [↩]
- Mündliche Mitteilung durch Jean Heusbourg am 06.04.1994 [↩]
- Detaillierte Schilderung der Ereignisse in der Vereinszeitung „Um Karel“ No 5, WS 1992/93, Seiten 21-24. [↩]
- Es handelt sich bei „Universitäre“ um einen Luxemburgismus: eine wortwörtliche Übersetzung des französischen Begriffes „universitaire“, der so verwendet wird wie „Akademiker“ auf Deutsch. [↩]
- Tageblatt vom 18. Juli 1952. Abschrift unter “Quellen” auf diesem Auftritt [↩]
- Egon Zander schrieb in seinem Brief vom 19. Januar 1994: „Was den Sport anbelangt, so war ich der Einzige der Luxemburger, der Schwimmen, Boxen, Leichtathletik regelmässig betrieb.“ [↩]
- Basket-Ball Unsere Studenten siegten in Aachen. In: Luxemburger Wort, 106. Jg., n° 59/60 (28.02.1953), p. 10. [↩]
- Studentensport: A. V. d’Letzeburger (T. H. Aachen) gewinnt den „Challenge Frank Meyer“. In: Luxemburger Wort, 108. Jg., n° 57/58 (26.02.1955), p. 10. [↩]
- STADT LUXEMBURG. In: Luxemburger Wort, 105. Jg., n° 3 (03.01.1952), p. 4. [↩]
- STADT LUXEMBURG. In: Luxemburger Wort, 104. Jg., n° 317 (13.11.1951), p. 4. [↩]
- Einladungsschreiben von Frank Meyer vom 19. Mai 1953. In: Vereinsarchiv, Akte FD-289-132. [↩]
- Bericht von der Generalversammlung von Frank Meyer vom 1. Oktober 1954. In: Vereinsarchiv, Akte FD-289-132. [↩]
- Brief von Bob Molitor an Jean Thielen vom 30. März 1955. In: Vereinsarchiv, Akte FD-289-132 [↩]
- RWTH Zahlenspiegel 2021. Am 1. Oktober 2022 abgerufen unter https://www.rwth-aachen.de/cms/root/Die-RWTH/Profil/~enw/Daten-Fakten/ [↩]
- In: Vereinsarchiv, Akte FD-289-132 [↩]
- Einladungsschreiben zur Generalversammlung von Frank Meyer vom 21.1.1956. In: Vereinsarchiv, Akte FD-289-132. [↩]
- Einladungsschreiben von Jean Thielen vom 1. März 1956. In: Vereinsarchiv, Akte FD-289-132. [↩]
- Brief von Meyer und Thielen an die Studenten vom 19.7.1957. In: Vereinsarchiv, Akte FD-289-132. [↩]
- Compte rendu des assemblées du 31.12.1959 au 21.1.1964. In: Vereinsarchiv, Akte FD-289-026 [↩]
- Compte rendu des assemblées du 21.1.1964 au 12.6.1969. In: Vereinsarchiv, Akte FD-289-027. [↩]